Politik Nachrichten Politik Deutschland

salafistern_hermann_J_knippertz_dapd_72149907

Demonstranten in Bonn

Islam-Experte warnt vor Werbung um Salafisten-Nachwuchs - Rauf Ceylan kritisiert Politik für nachlässige Haltung im Kampf gegen Extremisten

Osnabrück | Der Salafismus-Experte Rauf Ceylan warnt nach den Ausschreitungen zwischen Salafisten und der rechtsextremen Partei Pro NRW vor dem zunehmenden Werben um salafistischen Nachwuchs im Internet. "Deshalb muss man sich um Seiten wie Youtube viel stärker kümmern", sagte Ceylan in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd und forderte eine Zensur der Videoplattform. Das von Unions-Politikern geforderte Verbot von salafistischen Vereinen löse das Problem nicht.

Youtube in der Kritik

"Diese Videos sind viel gefährlicher als Vereine", betonte der 35-jährige Professor am Islam-Institut der Universität Osnabrück. Gerade für Jugendliche sei die Barriere, in einen salafistischen Verein zu gehen, viel größer als über einen Klick im Internet auf eines der Salafisten-Videos für diese gefährliche Bewegung geworben zu werden.

Aktuell gebe es zahlreiche salafistische Videos auf Youtube, die dort nicht hingehörten. Gefährlich seien Hassprediger wie der in Berlin-Kreuzberg geborene Rapper Deso Dogg, der Jugendliche mit seiner Musik für den Salafismus zu begeistern versuche. Der Salafist mit dem islamischen Namen Abou Maleeq lobe die islamistischen Kämpfer in Afghanistan und habe gute Kontakte nach Somalia sowie in den Irak. In seinen Videos auf Youtube greife er Konflikte zwischen Salafisten und Rechtsextremisten wie in Bonn auf und untermale diese mit heldenhaftem Gesang.

Polizei kommt nicht gut weg

Die Polizei müsse sich fragen, ob sie die Ausschreitungen bei der Demonstration von Pro NRW in Bonn, bei der Salafisten 29 Polizisten verletzten, nicht hätte verhindern können. "Wenn Personen Messer zu einer Demonstration mitbringen, dann ist es klar, dass sie keine friedliche Absicht haben", erklärte Ceylan.

Die Äußerungen des Bundesinnenministers Hans-Peter Friedrich (CSU) zum Freitag veröffentlichten Bericht über politisch motivierte Kriminalität kommentierte der Professor für Religionssoziologie: "Man darf den Blick nicht nur auf den salafistischen Terror richten." Friedrich hatte gesagt, dass er den islamistischen Terrorismus als die Bedrohung ansieht, von der "nach wie vor die größte Gefährdung ausgeht", obwohl die Zahl der fremdenfeindlichen Gewalttaten sich im Kriminalitätsbericht von 2010 zu 2011 um mehr als 20 Prozent erhöhte.

Ceylan kritisierte die nachlässige Haltung der Politik insgesamt: "Bei den politischen Parteien ist derzeit nicht zu erkennen, dass der Kampf gegen religiös und politisch motiviertem Extremismus auf der Agenda steht."

Zurück zur Rubrik Politik Deutschland

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Politik Deutschland

Berlin | Im Zusammenhang mit einer mutmaßlich illegalen Geldspende an die AfD gibt es neue Ungereimtheiten. Dem Eindruck, dass Geldflüsse verschleiert werden sollen, habe die AfD auf Nachfrage nichts entgegenzusetzen gehabt, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Bei der Spende handelt es sich um 130.000 Euro, die 2017 in mehreren Tranchen auf das Konto des Kreisverbandes der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel geflossen waren.

seehofer_photocosmos1_shutterstock_01022018

Köln, München | Die CSU verabschiedete heute auf einem Sonderparteitag in München Horst Seehofer als Parteichef und ernennt ihn gleichzeitig zum Ehrenvorsitzenden. Seehofer bleibt aber Bundesinnenminster. Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident erhielt anschließend das Vertrauen der Delegierten und ist jetzt neuer Parteichef. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer sprach zu den Delegierten.

btagDeutscher-BundestagMarc-SteffenUnger9917

Berlin | Der Bundestag hat den Gesetzentwurf zur Einstufung Georgiens, Algeriens, Marokkos und Tunesiens als sichere Herkunftsstaaten am Freitag verabschiedet. Das Parlament nahm den Gesetzentwurf in einer namentlicher Abstimmung mit 509 Ja-Stimmen gegenüber 138 Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen am Freitagmorgen an. Der Bundesrat muss dem Gesetzentwurf noch zustimmen.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN

Studierende beleuchten Europawahl 2019

europawahl2019_studentengruppe01

Studierende der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) beschäftigten sich im November 2018 mit europäischen Themen, wie Flüchtlings- oder Umweltpolitk sowie regionalen Förderprogrammen oder dem "Erasmus+"-Programm der EU. Am 26. Mai 2019 wählt Europa ein neues Parlament.

Hier gehts zum Spezial: Kölner Studierende blicken auf die Europawahl 2019 >