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Medienwissenschaftler kritisieren Programm und Organisation der öffentlich-rechtlichen Sender

Berlin | Anlässlich der Klage gegen den ZDF-Staatsvertrag vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben führende deutsche Medienwissenschaftler scharfe Kritik an Aufsichtswesen, Programmgestaltung und Finanzgebaren von ARD und ZDF geübt. "An die heilige Kuh der Aufsicht öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten wagt sich keiner heran, da haben zu viele die Finger drin", sagte Gabriele Goderbauer-Marchner, Professorin für Print- und Onlinejournalismus an der Universität der Bundeswehr München, der "Welt". In einer Privatisierung von ARD und ZDF sehe sie allerdings keine Lösung der grundsätzlichen Aufsichtsprobleme.

"Es würde einen Mut erfordern, den ich heute noch nicht sehe, die vorhandene Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens in moderne Strukturen des 21. Jahrhundert zu überführen. Es fehlt zum Beispiel an dem Mut, kleinere Sender zu schließen bzw. in größere Einheiten zu integrieren", so die langjähriges Jurorin beim Bayerischen Fernsehpreis. Zur Kontroverse um die fortlaufende Programmvermehrung, speziell die Diskussion um einen weiteren Jugendkanal von ARD und ZDF, sagte Goderbauer-Marchner: "Warum brauchen wir den Kinderkanal? Ich meine angesichts der fragwürdigen Qualität des Programms, aber auch in Hinblick auf die Skandale um die Geschäftsführung des Senders, dass man ihn auch einfach schließen könnte."

Henk Erik Meier, Professor der Sozialwissenschaft an der Uni Münster, kritisierte die veränderten Prioritäten von ARD und ZDF: "Über die Jahre haben die öffentlichen-rechtlichen Sender in Deutschland ganz massiv Programmmittel umgeschichtet: Weg von Kultur- und Informationsprogrammbestandteilen hin zu Spielfilm- und Sportangeboten", sagte der langjährige Mitarbeiter der Kommission für die Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) der "Welt". Namentlich eines dieser Spartenprogramm, der Kinderkanal, erfülle sicherlich nicht in allen Programmanteilen den erhobenen, hohen Qualitätsanspruch. "Hier wird einfach kommerzielle Massenware gezeigt", sagte Meier.

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