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Glosse: Senioren mit der Rikscha spazieren fahren

Köln | In Köln sollen Senioren kostenlos Fahrrad-Rischka fahren können. Einen entsprechenden Prüfauftrag an die Stadtverwaltung hat der Stadtrat einstimmig beschlossen. Die Stadt Köln soll die Rikschas aus Steuergeldern kaufen. Soziale Träger, aber auch Angehörige und Ehrenamtlichen sollen dann mit den Fahrzeugen Senioren spazieren fahren. Auf diese Weise sollen Senioren wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen statt nur zu Hause zu sitzen. Dazu eine Glosse von Frank Überall:

100.000 Euro wollen Kölns Stadtpolitiker kurzfristig für den Kauf der Rikschas und deren Wartung ausgeben. Viel Geld, aber für einen guten Zweck. Was sag` ich, für einen verdammt guten Zweck! Immerhin soll es darum gehen, so heißt es in der Begründung wörtlich: „Blumen zu riechen, das Gezwitscher der Vögel zu hören und den Wind in den Haaren zu spüren". Das ist politische Soziallyrik. So geht Jamaika! Während CDU, Grüne und FDP in Berlin noch umständlich über Inhalte verhandeln, ist man sich in Köln längst einig: Ausgerechnet die Jamaika-Fraktionen im Stadtrat haben das Rikscha-Projekt in Dänemark entdeckt, es mit politischer Soziallyrik versehen und zur Abstimmung gestellt: Dass Opa und Oma bloß zum Vergnügen auf Kosten der Steuerzahler durch die Stadt kutschiert werden.

Ganz umweltfreundlich von einem jungen Menschen, der auf dem Rikscha-Fahrrad kräftigst in die Pedalen tritt. Aber warum eigentlich nur zum Vergnügen? Kölns Senioren trauen sich ja auch nicht auf die Straße, weil es auf Arealen wie dem Ebertplatz in der Kölner Innenstadt eine gefährliche Szene mit Drogen, Kriminalität, ja: Mord und Totschlag gibt. Da könnten die fidelen,
alten Herrschaften doch ihren Ausflug aus der Wohnungseinsamkeit mal für was Sinnvolles nutzen. Den Steuerzahlern etwas zurückgeben, für die feine Rikscha-Fahrt-Einladung. Es gibt so viele Fensterrentner, die sich freuen würden, mitten in die Brennpunkte gefahren zu werden.

Sie würden mit strenger Miene und erhobenem Zeigefinger keifen: „Dat däät man do'nit!" Das tut man doch nicht, heißt das übersetzt aus dem Dialekt der Einheimischen. Und wer denn absolut auf der Rikscha sein Fenster vermisst und nur entsprechend eingerahmt in der Lage ist, seine Belehrungen laut kundzutun, dem könnte man ja noch mehr Gutes tun: Nein, nicht noch mehr Blumengerüche, Vogelgezwitscher und Fahrtwind, sondern ein Aufbau aus Pappe, auf der feinen Rikscha. Täuschend echt
wie ein Fenster, aus dem sie sich heraus lehnen können und bei Bedarf nach Herzenslust keifend gegen Drogen und Kriminalität zu wettern. Für 100.000 Euro ist das doch wohl nicht zu viel verlangt.

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