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Daniela Kahrau tritt für die Piraten in Köln im Wahlkreis III bei der Landtagswahl 2012 an

Kölner Piraten prüfen Ihre Kandidaten auf Herz und Nieren

Köln |  In Köln-Müngersdorf, direkt neben dem S-Bahnhof Technologiepark trafen sich die Kölner Piraten zur Wahl ihrer Direktkandidaten. Der Saal in einer OT in der Vitalis-Straße gut gefüllt. Zur Stärkung gab es Nudelsalat, Frikadellen oder Butterkekse. Wer glaubt, dass die Piraten in Kandidatennot sind, der liegt falsch. Für die meisten Wahlkreise bewarben sich mehrere Bewerber. Und noch ein Vorurteil stimmt nicht: Bei den Piraten sind nicht nur Männer aktiv, sondern auch Frauen. Daniela Kahrau, wird als Direktkandidatin für die Piraten in Ehrenfeld und Nippes antreten.

Kandidatenkür unter der Discokugel

Wie bei den Wahlversammlungen aller Parteien galt es erst einmal alle Regeln der Parteibürokratie zu bewältigen: Registrierung, Geschäftsordnung, Wahl des Wahlleiters, Schriftführer bestellen und und und. Die Piraten nehmen es genau. Rund 52 Mitglieder und Interessenten sind gekommen, davon dürfen am ersten Wahlgang 33 stimmberechtigte Mitglieder teilnehmen. Auch zehn Frauen sind gekommen. Ausgezählt werden die Stimmen öffentlich auf der Tischtennisplatte des Jugendtreffs. Jeder darf zusehen, maximale Transparenz ist den Piraten wichtig.

Wer sich für ein Direktmandat bei den Piraten bewirbt muss sich prüfen lassen. Der eine spricht frei, der andere hat seine Notizen auf dem iPad dabei. IT-Spezialist, Sozialarbeiter, Mitglieder in einem Karnevalsverein, die Piraten rekrutieren aus der Vielfalt der Gesellschaft und kündigen analogen Wahlkampf auf dem Wochenmarkt an. Die Themen sind breit gefächert, von dem Wunsch die Deutschlandzentrale von Twitter in Köln und NRW anzusiedeln, genauso wie soziale Themen Jugendarbeit, Interkulturalität und gesellschaftliche Utopien, wie Mobilität, die für jeden zugänglich sein soll. Also die Forderung nach einem kostenlosen ÖPNV. Dazu aber auch klare Bekenntnisse zum Rechtsstaat. Die Kandidaten werden auf Herz und Nieren geprüft. Spezielle Fragen zum Landtagsprogramm, Netzpolitik oder Familienpolitik richtete das Plenum an die Kandidaten.

Meist bewerben sich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten um einen Wahlkreis

Anders als bei den etablierten Parteien pflegen die Piraten eine offene Kandidatenkür. Es gibt keine Vorschläge des Vorstandes. Wer will steht spontan auf, meldet sich, spricht, beantwortet Fragen und hat Chancen gewählt zu werden. Gewählt in geheimer Wahl, ein Ikea-Karton fungiert als Wahlurne. So auch Daniela Kahrau, 31. Mit ihr bewarben sich gleich drei weitere Piraten um den Wahlkreis III, Ehrenfeld und Nippes. Mike Nolte zog zu Gunsten von Daniela Kahrau allerdings dann seine Kandidatur zurück. Kahrau möchte keine Frauenquote, das seien Themen der Generation von Alice Schwarzer, die viel erreicht hat. Die jetzige Frauengeneration solle und müsse selbst aktiv werden und ihre Chancen wahrnehmen, so Kahrau, die aber auch im Themenbereich Umwelt und „Fracking“ beschlagen ist. Der Wahlkreis Ehrenfeld dürfte für die Piraten nicht uninteressant sein. Dort hat der grüne Direktkandidat Arndt Klocke für die Grünen bei der letzten Landtagswahl 2009 das beste Ergebnis landesweit eingefahren. Sein damaliger Konkurrent der SPD Martin Börschel soll jetzt den Wahlkreis Mülheim übernehmen. Die SPD schickt wahrscheinlich Gabriele Hammelrath ins Rennen. In Ehrenfeld hat „Meine Freunde“ einen Ratsherren bei der Kommunalwahl etablieren können und auch die Bürgerinitiative Heliosgelände ist rege und aktiv. Also ein spannendes Umfeld für die Piraten.

Für die Piraten ist die Landtagswahl in NRW natürlich eine ganz besondere Herausforderung, denn sie müssen in kürzester Zeit Kandidaten aufstellen. Köln hat heute gezeigt, dass die Piraten zumindest in der größten Stadt Nordrhein-Westfalens professionell politisch arbeiten und dabei Basisdemokratie und Chancengleichheit leben. Natürlich ist Netzpolitik ein Schwerpunkt, aber nicht alleine darauf lassen sich die Piraten reduzieren. Umwelt, Familienthemen, Verkehr und Bürgerrechte gehören wie selbstverständlich dazu, auch wenn noch nicht jeder das Parteiprogramm runterbeten kann.

Als Direktkandidaten wurden nominiert: Thomas Brühl für den Wahlkreis Köln I, Daniel Schwerd für Köln II und Daniela Kahrau für Köln III. Weitere Kandidaten sind Holger Kohl für Köln IV, Sebstian Wieloch für Köln V und Thomas Hegenbarth für Köln VI. Die Wahl für die Direktkandidatur im Wahlkreis Köln VII fiel auf Stefan Fricke. Für ihre Zulassung zur Wahl müssen die aufgestellten Kandidaten 100 Unterstützerunterschriften in ihrem jeweiligen Wahlkreis zu sammeln. Mit Sammlung der Unterschriften steigen die Kölner Piraten in den Wahlkampf ein. Bis zum 10.4. müssen die Unterschriften beim Kreiswahlleiter eingereicht werden. "Es ist unser Anspruch, fächendeckend auch mit Direktkandidaten anzutreten.", so Daniel Schwerd, der 1.Vorsitzende des Kreisverbands Köln.

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