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Kölner Wahlforscher analysieren Bundestagswahl

Köln | Wo unterscheiden sich die Kölner Ergebnisse der Bundestagswahl vom gesamtdeutschen Ergebnis? Und wer hat in Köln wen gewählt. Schon am Montag legten die Mitarbeiter des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik erste Analysen vor.

Wahlsonntag, 20:13 Uhr: Schon 90 Prozent aller Kölner Stimmbezirke sind ausgezählt. „Ein neuer Rekord“, strahlt Wahlamtsleiter Wolfgang Heintz. Um 0:20 Uhr konnte er dann das vorläufige Endergebnisse verkünden. Das endgültige dauert noch etwa 14 Tage: So lange werden alle Unterlagen der 1.045 Stimmbezirk rechnerisch und inhaltlich – etwa hinsichtlich von gemeldeten „Auffälligkeiten“ – geprüft. Erste Analysen wurden jetzt schon vorgelegt.

Zunächst die reinen Zahlen im Vergleich: Die Wahlbeteiligung lag in Köln bei 75,6, gegenüber der Bundestagswahl 2009 eine Steigerung um 3,3 Prozent. Deutschlandweit lag sie bei 76,2 (plus 4,2 Prozent). Wahlsieger CDU erhielt in Köln 26,4 Prozent der Stimmen (CDU/CSU im Bund: 33 Prozent), SPD 23 (20,5), Grüne 13,6 (9,2), Die Linke 11,5 (9,2), FDP 13,8 (10,7), AfD 7,2 (12,6).

Betrachtet man Gewinne und Verluste, ergibt sich Folgendes: In Köln verlor die CDU 6,6 Prozent (Bund: minus 8,5 Prozent), SPD minus 6,8 (minus 5,2), Grüne minus 0,5 (plus 0,8), Linke plus 3,4 (plus 0,3), FDP plus 7,8 (plus 5,9), AfD plus 3,7 (plus 7,9).

Wer hat in Köln AfD gewählt?

Der größte Unterschied zum bundesweiten Ergebnis ist sicher das vergleichsweise schlechte Abschneiden der AfD. Wer hat sie in Köln gewählt? Ihre Hochburgen hat sie mit Stimmanteilen von rund 14 Prozent in Chorweiler, Gremberghoven, Seeberg und Vingst – sozialen Brennpunkten, die unter anderem gekennzeichnet sind durch viele Bewohner mit Migrationshintergrund, Hartz-IV-Empfänger und solche, die unterhalb der Armutsgrenze leben. In Chorweiler schnitt – eine Ausnahme – auch die SPD mit 29 Prozent gut ab.

Gleichzeitig sind die Hochburgen der AfD auch die Gebiete mit der geringsten Wahlbeteiligung (60 Prozent und weniger), wobei hier die Wahlbeteiligung gegenüber den vorigen Wahlen anstieg. Es war also die rechtspopulistische bis rechtsextreme AfD, die im Wesentlichen die Wahlbeteiligung nach oben trieb. Acht von zehn ihrer neuen Wähler waren vorher nicht zur Wahl gegangen – insgesamt rund 17.000. 3.900 bisherige SPD-Wähler konnte sie auf ihre Seite ziehen, von der CDU 2.900. Gleichzeitig gab sie aber auch 3.400 Stimmen an die FDP ab.

Wo sind welche Parteien am stärksten?

Die FDP – der heimliche Gewinner in Köln – hatte ihre höchsten Stimmanteile (mehr als 19 Prozent) dort, wo auch die CDU stark war (mehr als 34 Prozent), unter anderem in Hahnwald, Lindenthal, Junkersdorf und Rodenkirchen. Sie legte um 10 Prozent oder mehr da zu, wo die CDU entsprechend stark verloren hat.

Die CDU hat (siehe FDP) hohe Stimmenanteile da, wo auch die FDP stark ist, ihre geringsten Rückgänge verzeichnet sie da, wo DIE LINKE zulegte – in Nippes, Ehrenfeld, Neustadt-Süd, Kalk, Neuehrenfeld und Mülheim. Stadtteile, in den die Grünen einmal besonders stark waren.

Bei der SPD gibt es kaum Überschneidungen mit anderen Parteien, allerdings hat sie ihre höchsten Stimmanteile (29 Prozent) in Nichtwählergebieten (Wahlbeteiligung unter 46 Prozent): Vingst, Buchforst, Gremberghoven, Höhenberg und Chorweiler. Den wenigsten Zuspruch (unter 17 Prozent) fand sie in Hahnwald, Junkersdorf, Marienburg, Müngersdorf und Lindenthal – da, wo CDU und FDP besonders stark sind. Überdurchschnittliche Rückgänge gab es in ehemals „grünen“ und in rechtsrheinischen, sozial eher schwachen Gebieten.

Zwischen Grünen und Linken gab es in Nippes, Ehrenfeld, Neustadt-Süd, Neustadt-Nord, Klettenberg, Sülz, Neuehrenfeld und Altstadt-Süd ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei lag der Stimmanteil in den Hochburgen beider Parteien für die Grünen zwischen 17,5 und 22,8 Prozent, für DIE LINKE zwischen 14,8 und 19,8 Prozent. Die Linke legt vor allem in Ehrenfeld, Neustadt-Süd und Kalk zu, wo die Grünen stärker verloren.

Wie wurde von einer Partei zur anderen gewechselt?

Die Wählerwanderung berechneten die Wahlanalysten wie folgt. Danach erhielt die CDU im Saldo von der SPD 4.400 Stimmen. Mit 25.900 verlor sie die meisten an die FDP, 2.900 an die AfD, 2.400 ihrer Wähler blieben am Sonntag zu Hause. Die SPD verlor an alle Parteien: 8.400 wechselten zur LINKEN, 8.000 zur FDP, 5.300 zu den Grünen, 4.400 wechselten zur CDU, 3.900 zur AfD.

Die Stimmenzahl der Grünen blieb unverändert. Sie verlor an DIE LINKE 4.900 Stimmen, an die FDP 3.100. Im Saldo erhielt sie von der SPD 5.300, von der CDU 900 und von der AfD 300. 1.400 Nichtwähler entschieden sich diesmal für die Grünen. 40 Prozent ihres Zuwachses der LINKEN kamen von der SPD (8.400 Stimmen), von Grünen und Nichtwählern kam jeweils rund ein Viertel (4.900 beziehungsweise 4.300).

Die FDP geann ausnahmslos vona allen Parteien: Mehr als die Hälfte ihres Zugewinns kam von der CDU (25.900 Stimmen), fast ein Fünftel von der SPD (8.000). Von der AfD zog sie 3.400 Stimmen ab, von den Grünen 3.100. Außerdem konnte sie 3.300 Nichtwähler überzeugen, an die Urne zu gehen.

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