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"Prototyp eines Fanatikers" - Salafist muss sechs Jahre in Haft - Islamist Murat K. für Messerstiche auf Polizisten verurteilt - Anschließend Ausweisung

Bonn | Für den brutalen Messerangriff auf Polizisten in Bonn muss ein radikal-islamischer Salafist mit einer Haftstrafe von sechs Jahren büßen. Der 26-jährige Deutsch-Türke aus Hessen sei "brandgefährlich" und der "Prototyp eines Fanatikers", urteilte der Vorsitzende Richter am Landgericht Bonn, Klaus Reinhoff, am Freitag. Er sprach ihn der gefährlichen Körperverletzung in drei Fällen, des schweren Landfriedensbruchs und schweren Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte schuldig. Nach der Gefängnisstrafe wird Murat K. in die Türkei ausgewiesen.

Er ist der erste Salafist der sich nach den Ausschreitungen im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf vor Gericht verantworten musste. Er hatte gestanden, bei einer Salafisten-Demonstration im Mai auf zwei Polizisten eingestochen zu haben. Ein dritter Polizist war in letzter Sekunde ausgewichen. Die Gewalttaten hatte der Muslim aus Hessen mit der Lehre des Islams gerechtfertigt und in dem kurzen Prozess keine Reue gezeigt. Er habe die Polizisten bewusst in die Gefahr des Todes gebracht, sagte Richter Reinhoff.

Der Anwalt des Islamisten, Johannes Pausch, geht davon aus, dass der Gewalttäter in Revision gehen werde. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und neun Monate Haft gefordert, die Verteidigung stellte das Urteil in das Ermessen des Gerichts. Das mögliche Strafmaß lag zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Mohammed-Karikaturen als Auslöser

Die Lage in Bonn war eskaliert, nachdem Anhänger der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW Mohammed-Karikaturen in die Höhe gehalten hatten. Murat K. habe den Bezug zur Realität verloren, sagte Reinhoff. Er leide unter einer grenzenlosen Selbstüberschätzung, wenn er vorgebe, für alle Muslime sprechen zu können. Nach eigenen Angaben würde Murat K. jedes Mal wieder so handeln.

"Wer sich der Selbstjustiz anmaßt, muss mit massivsten Konsequenzen rechnen", sagte Reinhoff. Er hätte den Rechtsweg suchen oder seine gegenteilige Meinung friedlich kundtun können. Der Islamist hatte das Gericht für nicht legitim erklärt. Er sei nur Allah gegenüber verpflichtet, sagte er während des Prozesses.

Der Angriff auf die Polizisten sei rechtens gewesen, weil diese die Beleidigung des Propheten geschützt hätten. Sie hätten den Dienst verweigern können. Bei der Urteilsverkündung blieb der bärtige Muslim mit Jogginghose und Kopftuch demonstrativ sitzen. Anwalt Pausch sagte: "Er ist schon sehr klar auf seiner Linie." Murat K. sei streng-religiös, im Umgang aber auch sehr moderat und humorvoll.

Die Gewalttaten waren per Video aufgenommen worden. Deswegen maß das Gericht dem Geständnis nicht allzu große Bedeutung bei. Der schwer verletzte Polizist und seine Kollegin mussten im Krankenhaus operiert werden. Der Beamte hat noch heute mit den Folgen eines Traumas zu kämpfen. An beide Opfer muss Murat K. ein Schmerzensgeld von 8.000 beziehungsweise 4.000 Euro zahlen.

300 Kilometer Anreise

Im Internet hatte der zuletzt arbeitslose Islamist von der Gegendemonstration in Bonn gelesen und war von Sontra in Hessen extra 300 Kilometer weit gereist. Im Gepäck: Ein Messer mit einer zehn Zentimeter langen Klinge, die er den Polizisten mit voller Wucht in den Oberschenkel rammte. Ein medizinischer Gutachter gab an, derartige Messerverletzungen an lebenden Personen noch nie gesehen zu haben.

Bei den Ausschreitungen in Bonn waren insgesamt 29 Polizisten verletzt und mehr als 100 Personen festgenommen worden. In dem Prozess berichteten die verletzten Polizisten von einem Steinhagel, der einem Vogelschwarm geglichen habe. Es flogen auch Blumenkübel und Gullideckel. Der Richter bezeichnete die Lage als ein Inferno. Die junge Polizistin sagte: "Ich dachte, hier geht es vielleicht um Leben und Tod."

Weitere 22 Salafisten sind vor dem Bonner Amtsgericht angeklagt worden. Zuvor war die Lage in Solingen eskaliert. Diesbezüglich liegen bei der Wuppertaler Staatsanwaltschaft rund 90 Ermittlungsverfahren.

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