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Kölns Ehrenbürger wird einige seiner Meisterwerke meistbietend verkaufen. Das Geld soll Obdachlosen zugute kommen.

Kölner Ehrenbürger unterstützt Wohnungsprojekt des Landes NRW

Köln | Am heutigen Mittwoch hat Landessozialminister Karl-Josef Laumann ein neues Projekt gegen Wohnungslosigkeit vorgestellt. Mit dabei ist auch der Kölner Ehrenbürger und Maler Gerhard Richter.

Unter der Federführung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Nordrhein-Westfalen sollen bisher Wohnungslose mit Wohnraum versorgt werden. Das geschieht über den so genannten „Housing First“-Ansatz, nach dem Menschen, die schon lange wohnungslos sind, direkt eine Wohnung mit einem regulären Mietvertrag erhalten sollen. Außerdem basiert das neue Programm auf dem Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft und hier kommt Gerhard Richter ins Spiel.

Denn der weltberühmte Maler, dessen Werke schon mal siebenstellige Beträge bei Auktionen erzielen, will dafür Werke bereitstellen, aus dessen Verkaufserlösen ein Fonds gespeist wird. Der wiederum soll den Kauf geeigneter Wohnungen finanziell unterstützen, die anschließend an Wohnungslose vermietet werden. Nach Bezug der Wohnung sollen die Betroffenen ermutigt werden, ihre individuellen Probleme anzugehen, unterstützt durch wohnbegleitende Hilfen zum dauerhaften Wohnungserhalt. „Housing First heißt nicht Housing Only“, erläuterte Christian Woltering, Landesgeschäftsführer des Paritätischen Nordrhein-Westfalen.

Housing-First-Ansatz hat sich anderenorts bereits bewährt

In Portugal oder Österreich ist der Housing-First-Ansatz bereits sehr erfolgreich, betonten die Verantwortlichen. Der Düsseldorfer Verein Asphalt e.V./Straßenmagazin fiftyfifty bringt 18 von dem Gerhard Richter gestiftete Bilder und erste Erfahrungen mit dem Kauf von Wohnungen nach dem Housing-First-Ansatz in das Projekt mit ein: „Mit dem Verkauf gespendeter Kunst konnte fiftyfifty innerhalb der letzten zwei Jahre 48 Wohneinheiten ankaufen und diese an 53 Langzeitwohnungslose vermieten“, so Julia von Lindern, Sozialarbeiterin und Streetworkerin bei Asphalt e.V.. Auch hier habe man überwiegend positive Erfahrungen mit dem Housing-First-Ansatz gemacht. Für viele änderte sich damit nicht weniger als ihr gesamtes Leben.

Aus den erwarteten Verkaufserlösen der Richter-Bilder in Höhe von mehr als einer Million Euro wird ein sogenannter „Housing-First-Fonds" gespeist. Unter Anleitung des Paritätischen und gefördert aus Mitteln des Fonds sollen Träger der Freien Wohlfahrtspflege in allen Teilen Nordrhein-Westfalens ermuntert werden, geeignete Wohnungen zur Vermietung an zuvor wohnungslose Menschen zu erwerben. Mit Hilfe des Fonds soll der Ankauf von bis zu 100 Wohneinheiten durch Träger der freien Wohlfahrtspflege bezuschusst werden.

Öffentliche und private Geldmittel für die Not der Wohnungslosen

Die Projektkoordination durch den Paritätischen Nordrhein-Westfalen soll auch dafür sorgen, dass den neuen Mieterinnen und Mietern wohnbegleitende Hilfen angeboten werden, um einem erneuten Wohnungsverlust vorzubeugen. Im Rahmen des Pilotprojekts wird außerdem ein Weiterbildungskonzept zur Vermittlung des Housing-First-Ansatzes für die Träger und Praktikerinnen und Praktiker entwickelt, zudem wird das Projekt wissenschaftlich evaluiert. Das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt „Housing-First-Fonds – Wohnraumbeschaffende und wohnbegleitende Hilfen für wohnungslose Haushalte" wird aus dem Aktionsprogramm des Landes „Hilfen in Wohnungsnotfällen" mit insgesamt 424.000 Euro gefördert.

Die Kommunen und Kreise sind für die Unterbringung von Menschen ohne Obdach zuständig. Das Sozialministerium stellt mit dem Aktionsprogramm jährlich rund eine Million Euro zur Verfügung, um die Kommunen beispielsweise mit wegweisenden Modellprojekten zu unterstützen. Ein Schwerpunkt besteht in der Prävention, also der Verhinderung von Wohnungsverlust, der Suche nach neuem Wohnraum und der Unterstützung durch wohnbegleitende Hilfen.

Amtlichen Angaben zufolge waren Mitte 2016 etwas mehr als 25.000 Personen (25.045) als wohnungslos gemeldet. Knapp die Hälfte von ihnen (rund 11.600) haben sich bei den Kommunen gemeldet; sie wurden in Obdachlosenunterkünften, sonstigen Unterkünften und Normalwohnungen untergebracht. Hinzu kommen rund 13.400 Menschen, die sich an die freien Träger der Wohnungslosenhilfe gewandt haben. Von dieser Gruppe ist der größte Teil (rund 35 Prozent) bei Bekannten untergekommen, weitere rund 30 Prozent leben in einer Facheinrichtung. Rund acht Prozent der von den Freien Trägern gemeldeten Wohnungslosen sind ohne jede Unterkunft.

Der 1932 in Dresden geborene Gerhard Richter ist neben seinem schwerpunkt Malerei auch als Bildhauer und Fotograf tätig. Er war von 1971 bis 1993 Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Er wurde auch als „Picasso des 21. Jahrhunderts" bezeichnet und gehört zu den höchstgehandelten zeitgenössischen Künstlern. Derzeit ist er Kölns einziger, lebender Ehrenbürger.

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