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Symbolfoto

Sudan: Deutsche Botschaft gestürmt und Islamistenfahne gehisst

Khartum | [aktualisiert] In der sudanesischen Hauptstadt Khartum versucht eine aufgebrachte Menschenmenge die deutsche und britische Botschaft zu stürmen. Örtlichen Medienberichten zufolge feuerten Einsatzkräfte mit Tränengas auf die Menge, um diese zu zerstreuen. Insgesamt sollen sich rund 5.000 Menschen vor den Botschaften Deutschlands und Großbritanniens versammelt haben. Dennoch gelang es der protestierenden Menge, das Gelände der deutschen Botschaft zu betreten. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Samstagausgabe), es gebe momentan für die Bundesrepublik "keine konkreten Hinweise auf eine gesteigerte Anschlagsgefahr". Deutsche Außenpolitiker warnten vor einem Großkonflikt im Nahen Osten.

22:35 Uhr > Merkel besorgt über Ausschreitungen in der arabischen Welt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich besorgt über die jüngsten gewaltsamen Ausschreitungen in der arabischen Welt gezeigt. "Ich verurteile die Angriffe auf die deutsche Botschaft in Khartum sowie auf mehrere amerikanische Botschaften in aller Schärfe", erklärte die Kanzlerin am Freitag. Gewalt dürfe kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein, religiöser Fanatismus dürfe nicht die Oberhand gewinnen, so Merkel. "Deutschland tritt für einen respektvollen Umgang mit allen Glaubensrichtungen und für einen Dialog der Religionen ein", betonte die Kanzlerin: "Ich rufe alle Beteiligten in dieser schwierigen Situation zu Ruhe und Besonnenheit auf. Die arabischen Regierungen müssen alles tun, um die Sicherheit der diplomatischen Vertretungen zu gewährleisten."

16.37 Uhr: Mohammed-Film: Friedrich sieht keine gesteigerte Anschlagsgefahr in Deutschland

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat nationale Gruppen und Organisation davor gewarnt, durch Verbreitung "dieses unsäglichen Mohammed-Films "die Islamisten auch noch in Deutschland zu provozieren. Gegenüber der "Leipziger Volkszeitung" (Samstagausgabe) sagte Friedrich zugleich, es gebe momentan für die Bundesrepublik "keine konkreten Hinweise auf eine gesteigerte Anschlagsgefahr". Allerdings herrsche "erhöhte Wachsamkeit und gesteigerte Aufmerksamkeit bei Behörden und Bürgern". Wie sensibel Bürger und Behörden reagierten, hätte man in Berlin erlebt, wo das US-Konsulat sofort geräumt worden sei, als es zeitweilige Verdachtsmomente gab. Friedrich kündigte entschlossene Maßnahmen des Staates gegen Propagandisten des Mohammed-Films in Deutschland an. "Gruppen und Organisationen, die die Islamisten auch in Deutschland provozieren wollen, indem sie beispielsweise diesen unsäglichen Mohammed-Film verbreiten wollen, müssen wissen, dass sie grob fahrlässig Öl ins Feuer gießen. Deswegen muss man dem auch Einhalt gebieten." Unter anderem propagiert die rechtsradikale Kleinpartei Pro Deutschland in der Bundesrepublik das filmische Machwerk, das die islamische Welt derzeit erregt.

16.35 Uhr: Deutsche Außenpolitiker warnen vor Großkonflikt im Nahen Osten

Die jüngste Gewalteskalation im Nahen Osten hat im politischen Berlin große Besorgnis ausgelöst. "Wir verurteilen die brutalen Angriffe auf Botschaften. Alle Regierungen sind gefordert religiösen Fanatismus entgegenzutreten und sich klar und deutlich von Scharfmachern auf allen Seiten zu distanzieren und die Sicherheit der Botschaften zu garantieren", sagte der Grünen-Fraktionsvize Frithjof Schmidt "Handelsblatt-Online". "Wenn dies erfolgreich gelingt, dann lässt sich auch die Ausweitung auf einen Großkonflikt verhindern." Der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich sagte, die gewalttätigen Angriffe auf Botschaften in arabischen und asiatischen Ländern seien auch angesichts des "primitiven und provokanten" Films durch nichts zu rechtfertigen. "Die Regierungen und Behörden haben sowohl den Schutz der diplomatischen Einrichtungen als auch den der ausländischen Bürger zu gewährleisten", sagte Mützenich "Handelsblatt-Online".

Gerade staatliche Repräsentanten aus islamisch inspirierten Parteien hätten eine große Verantwortung. Sie müssten weitere friedliche Proteste gewährleisten und gleichzeitig die Demonstranten zu Besonnenheit mahnen. "Nur so können die positiven Impulse der arabischen Umbrüche bewahrt werden." Kritik äußerte Mützenich an Ägyptens Präsident Mohammed Mursi. Eine "frühere und deutlichere Erklärung" des Präsidenten hätte auf die Proteste sicherlich deeskalierend wirken können, sagte er. Hilfreicher und angemessener sei die erste Reaktion von US-Präsident Barack Obama gewesen.

"Es bleibt zu hoffen, dass im Verlauf des US-Wahlkampfs alle politischen Entscheidungsträger ihrer Verantwortung gerecht werden und nicht zugunsten eines kurzen Effekts die langfristigen Folgen aus den Augen verlieren", sagte Mützenich. Der Grünen-Politiker Schmidt regte mit Blick auf einen möglichen militärischen Konflikt zwischen Israel und Iran ein Umdenken in der Rohstoffpolitik an, um unabhängiger von Ölpreis-Schwankungen zu werden. "Weg vom Öl ist auch Friedenspolitik, geht es doch in der Region auch darum, wer die Ölressourcen kontrolliert", sagte er. Die Grünen setzten daher auf Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung. Nötig sei ein ökologischer Umbau der deutschen Wirtschaft erreichen. "Das würde auch langfristig unsere Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Nahen und Mittleren Osten beenden."

Unbestätigten Berichten zufolge sollen erste Demonstranten bereits in die deutsche Botschaft eingedrungen sein. Andere Medien berichten darüber hinaus, dass wütende Protestteilnehmer Steine auf die Vertretungen beider Länder geworfen hatten. Die Botschaftsgebäude Deutschlands und Großbritanniens liegen in Khartum direkt nebeneinander. Außerdem sollen die Demonstranten versuchen, die Haupttore der Botschaften zu stürmen. Weitere Informationen sind momentan noch nicht verfügbar. Hintergrund der Proteste ist ein islamfeindlicher US-Film. In dem Film wird der Prophet Mohammed unter anderem als Frauenheld dargestellt. Bereits zuvor hatten sich in mehreren arabischen Ländern Proteste und Ausschreitungen an dem Film entzündet. Nach Zeitungsberichten der Zeitschrift "Die Welt" Riss die Menge das Emblem der deutschen Vertretung nieder und hisste die islamische Flagge. Sie warfen Fensterscheiben ein und legten vor dem Haupttor Feuer.

Deutsche Botschaft im Sudan gestürmt und in Brand gesetzt

Dennoch gelang es der protestierenden Menge, das Gelände der deutschen Botschaft zu betreten. Im Anschluss rissen sie die deutsche Flagge herunter und hissten anschließend eine islamistische Fahne. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) teilte am Freitagnachmittag mit, dass die Botschaftsmitarbeiter in Sicherheit seien. Informationen zu etwaigen Opfern des neuerlichen Gewaltausbruchs sind bislang noch nicht verfügbar. Hintergrund der Proteste ist ein islamfeindlicher US-Film. In diesem wird der Prophet Mohammed unter anderem als Frauenheld dargestellt. Bereits zuvor hatten sich in mehreren arabischen Ländern Proteste und Ausschreitungen an dem Film entzündet. Die sudanesische Regierung hatte den Film scharf verurteilt. Islamistische Gruppen hatten zudem zu gewaltsamen Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen.

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