Köln | „Das Völkerkundemuseum steht für Offenheit gegenüber fremden Kulturen.“ So beschreibt Nanette Jacobijn Snoep, seit Jahresbeginn Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museums, ihre Aufgabe. Diese Aufgabe sieht sie durch Veranstaltungen der AfD im „Kulturzentrum am Neumarkt“ gefährdet.

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Wer ins VHS-Forum will, passiert die Tür unter dem Schriftzug „Museum“.

„Vom Regen in die Traufe gekommen“ – so fühlt sich die Ethnologin. Vor Köln war sie in Sachsen für drei Völkerkundemuseen zuständig. Organisierte dort Veranstaltungen, in denen Interessierte mit Flüchtlingen zusammenkommen konnten. Ein Versuch, dem Fremdenhass und der Islamophobie von Pegida entgegenzuwirken, deren Demos vor Snoeps Leipziger Büro stattfanden. „Es ist uns gelungen, einen Begegnungsort für Toleranz zu schaffen“, zieht sie die positive Bilanz ihrer Arbeit.

Im April will die AfD wieder ins „Kulturzentrum am Neumarkt“

Im „multikulturellen Köln“ hoffte sie auf ein besseres politisches Umfeld. Die AfD macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Stein des Anstoßes sind die Veranstaltungen der AfD im VHS-Forum. Im Dezember hatte ihr sogenannter Bürgerdialog zu heftigen Auseinandersetzungen und zu einem umstrittenen Polizeieinsatz geführt. Im April und Juni will die AfD wieder ins VHS-Forum, das Teil des „Kulturzentrums am Neumarkt“. Hier sind auch das Museum Schnütgen und das Rautenstrauch-Joest-Museum untergebracht, nach außen wird der Komplex aber lediglich durch den großen Schriftzug „Museum“ gekennzeichnet.

Sie habe schon besorgte Anrufe von Kollegen aus Paris, London und Sachsen bekommen: Wo sie denn da gelandet sei? „Das Kulturzentrum und unser Museum stehen für ein friedliches Miteinander der Kulturen und für gegenseitigen Respekt“, sagt die gebürtige Niederländerin. Die AfD dagegen stehe für Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Islamo- und Homophobie.

Sie macht sich nicht nur Sorgen um das Image des Museums. Sie sorgt sich auch um ihr multinationales Mitarbeiterteam. Und fürchtet Sachschaden für ihre Sammlung. So sieht sie bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Foyer den dort aufgestellten indonesischen Reisspeicher in Gefahr – immer hin ein Weltkulturerbe.

Kulturausschuss nimmt Snoeps Bedenken ernst

In der Kulturausschuss-Sitzung am Dienstag brachte sie ihre Bedenken vor. Anlass war die Beratung über die „Nutzungs- und Entgeltordnung für das Forum Volkshochschule“. Die war schon ohne tiefergehende Diskussion im erstzuständigen Ausschuss Schule und Weiterbildung abgenickt worden. Im Kulturausschuss entspannte sich daraufhin – bis auf eine ungewohnt ernsthafte Debatte. Lediglich Nele Werrmann, von der AfD als beratendes Mitglied in das Gremium entsandt, blieb außen vor.

Außer ihr nahmen alle Vertreter aus Politik und Verwaltung Snoeps Bedenken ernst. Immerhin steht in dem Entwurf – er soll Ende Mai im Rat beschlossen werden – schon jetzt, dass der Raum Dritten für Veranstaltungen versagt werden soll, „in denen rassistisches, antisemitisches, salafistisches, antidemokratisches, sexistisches, gewaltverherrlichendes oder anderes menschenfeindliches Gedankengut dargestellt oder verbreitet wird“.

Ablehnung ist ein „Ritt auf der Rasierklinge“

Davon mag einiges auf die AfD-Politik zutreffen, da sie aber keine verbotene Partei und zudem auch im Rat vertreten ist, hat sie das Recht, städtische Räume zu nutzen – eben auch das VHS-Forum. Auch wenn deren Veranstaltungen – wie Snoep erfahren hat –, die „Belange des Rautenstrauch-Joest-Museums“ schädigen (so als Ablehnungsgrund in Paragraph1, Absatz 3 des Entwurfes festgehalten), wäre dies immer eine schwierige Interpretationsfrage. „Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge“, fasst Klaus Schäfer, kulturpolitischer Sprecher der SPD, das Problem zusammen.

Klaus Piehler, Vorstand der Museumsgesellschaft Rautenstrauch-Joest-Museum und selber Rechtsanwalt, unterstützt die Museumsdirektorin in ihrer Einschätzung. Er glaubt aber, dass man den Zugang der AfD zum VHS-Forum verhindern könne. Man dürfe eben nur noch solche Veranstaltungen zulassen, die direkt mit den Aufgaben der drei Nutzer zusammenhängen. Außerdem könne man Veranstaltungen verbieten, bei denen eine „begründete Gefahr“ bestehe. Nach den Erfahrungen mit bisherigen AfD-Auftritten in Köln bestehe dafür eine große Wahrscheinlichkeit, führte er gegenüber report-k aus.

Zum Schluss der Kulturausschusssitzung wurde die Verwaltung beauftragt, mögliche Ausschlusskriterien zu prüfen. Bisher sind nur kommerzielle Veranstaltungen ausgeschlossen, solche mit Tieren und mit mehr als 3000 Teilnehmern. Vielleicht erhören aber auch die demokratischen Parteien den Appell der Museumsdirektorin und laden vermehrt zu Veranstaltungen mit einem „kulturpolitischen Bezug“ an den Neumarkt. Das wäre eine elegante Lösung und würde das Image des Museums sicher erhöhen.

Autor: ehu
Foto: Museumsdirektorin Nanette Jacobijn Snoep sieht die weltoffene Ausrichtung ihres Hauses durch die AfD konterkariert.

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