Köln | Die Rheinenergie hat heute Ihre Zahlen für 2013 vorgelegt und spricht selbst von einem „soliden Ergebnis“. Der Umsatz wurde um 37 Millionen gesteigert, die Investitionen stiegen um 73 Millionen und der Gewinn nach Steuern sank um 15 Millionen, so liest sich die Übersicht über das Ergebnis der Rheinenergie 2013 im Vergleich zu 2012. Konzernlenker Steinkamp verwandte viel Zeit darauf das 2016 ans Netz gehende Kraftwerk Niehl III zu loben und die Kraft-Wärme-Koppelung zu propagieren. Die erneuerbaren Energien dagegen scheinen bei der Rheinenergie das Stiefkind zu bleiben. Zwar erwähnt man den Zukauf einer Photovoltaikanlage, vergisst diese aber dann im Geschäftsbericht.

Steinkamp sieht im städtischen Bereich das Heil in der Stromerzeugung gekoppelt mit der Nutzung von Fernwärme

Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) Niehl III wird fossile Energie in Form von Erdgas nutzen. Ein Teil des Stromes soll über ein Erdkabel in das Verbundnetz Umspannwerk in Leverkusen Opladen eingespeist werden. Derzeit entsteht eine 16 km lange Trasse von Niehl nach Leverkusen-Opladen um dort Strom in die Verbundnetztrasse einzuspeisen. Neun Kilometer werden davon unterirdisch verlegt. Ein weiterer Teil des erzeugten Stromes, durch ein zweites Erdkabel, wird in Kalk auf Verteilernetzebene eingespeist. Dies wird aber nicht ausreichend sein, das neue und sehr teure Kraftwerk rentabel, zumindest bei den aktuellen Rahmenbedingungen, zu betreiben. Denn durch die billigen CO2-Zertifikate arbeiten die alten Braunkohlekraftwerke mit schlechtem Wirkungsgrad wirtschaftlicher als die modernen GuD-Kraftwerke. Daher sehen Experten und die Rheinenergie die Kraft-Wärme-Koppelung als das Heilmittel und fordert Landesmittel zur Förderung der Fernwärme. Steinkamp und seine Kollegen wollen sogar einen Energietunnel unter dem Rhein von Niehl nach Mülheim verlegen. Auch hierfür wollen sie sich um Landesmittel bewerben. Dort sollen Gas, Strom und Fernwärme gebündelt transportiert werden. Denn in Mülheim liegen große Flächen, die einst industriell genutzt wurden und jetzt sowohl dem Wohnungs-, aber auch Gewerbebau zugeführt werden sollen. Investoren, so Steinkamp, hätten bei der Nutzung von Fernwärme den Vorteil mit weniger Investitionen beim Gebäudebau und Isolierung die Klimaschutzvorgaben einzuhalten.

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Sinkende Margen kein Rheinenergie, sondern Branchenproblem, so der Vorstand

Die Rheinenergie-Gruppe mit dem Unternehmensteil Handel hat ihren Umsatz von 3,657 Milliarden Euro in 2012 auf 3,697 Milliarden Euro gesteigert. Bei der Rheinenergie spricht man daher von einem stabilen Umsatz und soliden Ergebnissen. Man sei im Plan und folge der allgemeinen Entwicklung der Branche. Im Sektor Kraftwerke habe man einen deutlichen Rückgang an Wertschöpfung zu verkraften. Im Bereich Strom hat man 5,9 Prozent mehr abgesetzt und 12,1, beim Gas 8,1 und bei Wärmeleistungen 2,4 Terrawattstunden abgesetzt. Die ausgelieferte Menge Wasser war mit 82 Millionen Kubikmetern identisch mit dem Vorjahr.

Sind die erneuerbaren Energien das Stiefkind der Rheinenergie?

Bei den erneuerbaren Energien hat sich bei der Rheinenergie wenig getan. Das spanische Solarkraftwerk Andasol 3 – ein Solarthermiekraftwerk produziere zwar Strom, aber durch regulatorische Eingriffe des spanischen Staates, der die Förderung zweimal beschnitten habe gebe es keine Gewinne, sondern nur Verluste. Überhaupt zeichnet sich keine klare Linie zu den erneuerbaren Energien bei der Rheinenergie ab. Schwammig heißt es da „Man halte am Wachstumspfad Erneuerbarer Energie fest. Stolz schreibt man auch, dass man jetzt südlich von Berlin, bei Bronkow, eine 12 Megawatt Photovoltaik-Anlage erworben hat, führt diese aber dann in der Tabelle der installierten Leistungen aller von der Rheinenergie genutzter Energieträger gar nicht auf. Weiter lobt man sich aber in der Mitteilung und schreibt: „In Bronkow, südlich von Berlin, hat die Rheinenergie aktuell eine 12-Megawatt-Photovoltaikanlage erworben und damit ihr Sonnenstrom-Portfolio nahezu verdreifacht, auf rund 18 MW.“ In Deutschland sind laut Energieagentur NRW, die aus einem Bericht des BMU zitiert, im Jahr 2013 rund 36.000 Megawatt Photovoltaik installiert und bis April 2014 wurden 622,7 MW zugebaut. Auch bei der Windkraft sieht es bei der Rheinenergie nicht besser aus. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie das auch von der Energieagentur NRW zitiert wird, listet eine installierte Leistung bei Windkraft in 2013 von annähernd 35.000 MW. Die Rheinenergie hat 2013 nach eigenen Angaben 10 Prozent ihres Windportfolios verkauft und hält aktuell Beteiligungen von 90 MW. Das sind 0,0025 Prozent an der deutschen Windkraft. Allerdings verspricht die Rheinenergie bis 2020 noch rund 300 Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren. Zum Thema Offshore-Windenergie sagte Steinkamp „gucken wir mal.“

Die Rheinenergie verdient weiterhin Geld, nicht mehr so viel wie zuvor, die Strategien der großen letzten Zukäufe und Beteiligungen wie der Mannheimer MVV, das Kohlekraftwerk in Rostock, der Bau des GuD Niehl III, für das man auch keinen Beteiligungspartner gefunden hat, in einem schwierigen Marktumfeld, dürfen gespannt machen, ob der Abwärtstrend umzukehren ist. Auch der milde Winter und der damit verbundene Wenigerbedarf der Erdgaskunden zeigt nicht nach oben. Dennoch hat sich der Vorstand das Ziel gesetzt auch 2014 nach Steuern einen Gewinn von 160 Millionen Euro zu erreichen. Der Gewinn aus 2013 wird so verteilt: 111 Millionen Euro an die GEW, 26 Millionen Euro Ausgleichszahlung an die RWE, die an der Rheinenergie eine 20 prozentige Beteiligung hält und 28 Millionen Euro für die Rücklage.

Autor: Andi Goral
Foto: In dieser Tabelle aus dem aktuellen gedruckten Geschäftsbericht zeigt die Rheinenergie die von ihr genutzten Energieträger. In der linken Spalte listet man die installierte, in der rechten Spalte die tatsächlich Menge an Stromleistung. Zwar listet man die Solarthermie im spanischen Andasol 3 mit 12,5 MW installierter Leistung, hat aber die Photovoltaik mit 18 MW vergessen. Dadurch stimmen auch die prozentualen Anteile nicht.

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