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Blatter greift FIFA-Chef Infantino scharf an

Genf | Der langjährige Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, Sepp Blatter, hat sich selbst eine weiße Weste bescheinigt. "Ich bin mit mir im Reinen", sagte der 82-Jährige der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenend-Ausgabe). Allerdings bestätigte er, dass in der Schweiz weiter Strafermittlungen gegen ihn laufen, unter anderem bezüglich eines Fernsehrechte-Vertrages, den er 2005 dem damaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad & Tobago) ausgestellt hatte.

Doch auch die FIFA hätte daran "gut verdient", sagte Blatter der SZ, "in der Zeit war das ein sehr guter Vertrag. Warum sollte ich mich wehren, wenn ein Vertrag gut ist?" Allerdings räumt der Schweizer auch ein, dass so ein zwischen FIFA-Präsident und FIFA-Vizepräsident geschlossener Vertrag "heute sicher nicht" mehr den gängigen Compliance-Anforderungen entspräche. "Aber das liegt viele Jahre zurück."

Sepp Blatter führte die FIFA von 1998 bis 2015. Im Sommer 2015 hatte er, unmittelbar nach seiner Wiederwahl für weitere vier Jahre, im Lichte zahlreicher Korruptionsaffären im Weltfußball seinen Rückzug angekündigt. Im Dezember 2015 sperrte ihn die Ethikkommission der FIFA wegen des Verdacht der ungetreuen Geschäftsführung für acht Jahre für alle Tätigkeiten im Fußball. Die Sperre wurde später auf sechs Jahre verkürzt.

Scharf kritisiert Blatter in der SZ seinen Amtsnachfolger Gianni Infantino. Die Kernprojekte seines Landsmannes seien "unrealistisch". Den geplanten Deal mit bis heute unbekannten Investoren, die für eine Klub-WM und eine neue Nations League angeblich 25 Milliarden Dollar zahlen wollen, betrachte er als einen Ausverkauf des Fußballs, sagte Blatter.

Die schon beschlossene Aufstockung der WM von 32 auf 48 Mannschaften trage nur zur Verwässerung und Banalisierung des Fußballs bei und berge überdies die Gefahr von Manipulationen. "Man darf den Fußball nicht verkaufen", sagte Blatter. Außerdem wechsele er mit Infantino kein Wort. "Er redet mit mir nicht, ich rede mit ihm nicht." Die FIFA und auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) werden nach Blatters Einschätzung heute unprofessionell geführt. Blatter kritisierte die Autonomie des Sports als völlig unzeitgemäß - also das von den Sportverbänden eingeforderte Recht, ihre Angelegenheiten in Eigenverantwortung zu regeln. Zu seinen Amtszeiten hatte er dieses Recht stets vehement verteidigt. Aber: "Das geht heute nicht mehr", sagte Blatter. Er forderte starke staatliche Kontrollen über die großen Sportverbände und neues Führungspersonal, welches sich nicht über sportliche Meisterleistungen qualifiziert hat. Über den IOC-Präsidenten Thomas Bach sagte Blatter: "Führen lernst du nicht, indem du mal Meister in irgendeiner Sportart warst. Das gilt auch für das IOC - wer führt das? Der Fechter..." Er selbst habe Führen immerhin beim Militär sowie zu seiner Zeit bei einem Schweizer Uhrenhersteller gelernt.

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