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Von außen gibt es keinen Hinweis darauf, dass hier Ultra-Fans des 1. FC Köln sich treffen. Ganz im Gegenteil: ein Transparent trägt die Aufschrift "Reggaebus", die sonst schon gerne mal alles, was nicht weglaufen kann, taggen.

Razzia bei der "Wilden Horde 1996": Totschläger, Drogen, Sturmhauben und gefährliche Pyrotechnik

[aktualisiert 14:24 Uhr, 18:00] > Die Sonne geht auf über dem Autoschrauber-Quartier an der Vogelsanger Straße. Hinter einer rund vier Meter hohen blauen Stahltür, hohen Mauern, die zusätzlich mit Nato-Stacheldraht gesichert sind, hat die "Wilde Horde 1996", eine Ultra-Fangruppierung des 1 FC Köln, ihren Treffpunkt. Polizeibeamte sichern die Örtlichkeit und Beamte der Kriminalpolizei untersuchen den Treff. Aktualisiert 14:24 Uhr: Drogen, Pyrotechnik, Baseballschläger und Sturmhauben fand die Polizei. Die "Wilde Horde 1996" nimmt für sich die Unschuldsvermutung in Anspruch, obwohl sieben führende Köpfe unter den Tatverdächtigen sind und die Polizei nur gegen einen Fan der Vereinigung "Boyz" derzeit ermittelt. Aktualisiert 18:00 Uhr: FC entzieht der "Wilden Horde 1996" den Status als Fanclub.

Der Treffpunkt der Ultra-Fans hat einen konspirativen Charakter. Nichts weist von außen auf die Räume und ihre Nutzer hin. Eine vom Wind zerzauselte Europaflagge weht am Eingang, mit großen weißen Lettern wird für Autoservices geworben. Auch die beiden verbeulten Briefkästen tragen keine Anschrift der "Wilden Horde 1996", sondern nur der Händler. Das Quartier befindet sich in einem Aufbau und ersten Stock über einer Kfz-Werkstatt, nur erreichbar über eine Außentreppe. Die Fans haben sich mit reichlich Sichtschutz nach außen abgeschottet.

Neben der Untersuchung in Köln-Vogelsang durchsuchte die Kölner Polizei weitere Objekte, insgesamt 22. Darunter Wohnsitze von 21 mutmaßlichen Mitgliedern der Ultra-Fangruppierung in Köln, Bergisch Gladbach, Wipperfürth, Kall, Zülpich, Nettersheim und Dernau (Rheinland-Pfalz). Polizeisprecher Lutz Flaßnöcker: „Hintergrund der Durchsuchungen sind Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei Köln. Mitglieder dieser Ultra-Fangruppierung des 1. FC Köln stehen im dringenden Verdacht, an dem gewalttätigen Angriff auf einen Reisebus mit Fans von Borussia Mönchengladbach am Abend des 4. März auf dem Rastplatz Siegburg-Ost sowie an vorherigen Ausbrems- und Abdrängmanövern gegen den Reisebus auf der BAB 3 beteiligt gewesen zu sein.“ Mit den Durchsuchungen suchte man gezielt nach weiteren Beweismitteln. Im Quartier der "Wilden Horde 1996" in Köln-Vogelsang traf man zu dieser frühen Zeit keine Fans an. Die bei den Razzien angetroffenen Fans wurde für erkennungsdienstliche Maßnahmen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Die Polizei legt Wert auf die Feststellung, dass keine Haftbefehle beantragt und vollstreckt wurden. Die Polizei will die Ergebnisse ihrer Durchsuchungen zeitnah vorstellen. Was bei den Durchsuchungen gefunden wurde, lesen Sie hier bei report-k.de.

Aktualisiert 14:24 Uhr > Drogen, Pyrotechnik, Baseballschläger und Sturmhauben

Die Kölner Polizei präsentierte heute erste Fundstücke aus der Razzia bei den Ultrafans des 1. FC Köln, die im Verdacht stehen, den Bus mit Fans von Mönchengladbach attackiert zu haben. Was dann ausgebreitet auf einem Tisch im Polizeipräsidium lag, hätte auch einer Rockergang zur Ehre gereicht: mehrere Sturmhauben, Baseballschläger, zwei Schreckschusspistolen, verbotenes Feuerwerk und jede Menge Drogen. Das Feuerwerk wurde gleich weiter ans LKA in Düsseldorf geleitet. Die größeren Mengen Amphetamin und Marihuana-Vorräte fanden die Beamten je bei einem der Fans.

Sieben führende Köpfe der „Wilden Horde 1996“ unter den Tatverdächtigen

Die Polizei spricht von einer brisanten Tat und geht von 26 bis 28 Tätern aus, die den Bus attackiert hatten. 21 Tatverdächtige hatte man heute Morgen aufgesucht und 19 angetroffen, die für eine erkennungsdienstliche Behandlung mit auf die Wachen genommen wurden. Von den 21 Tatverdächtigen sind sieben im Vereinsregister der „Wilden Horde 1996“ eingetragen und gehören damit dem Führungskader an. Im Vereinsregister sind insgesamt 17 Mitglieder als Führungskräfte eingetragen. Der Vorsitzende der „Wilden Horde 1996“ gelte derzeit allerdings nicht als Tatverdächtig, so ein Beamter der Polizei, schränkt allerdings auch ein, dass noch nicht alle Tatverdächtigen ermittelt seien. Die „Wilden Horde 1996“ hat nach eigenen Angaben rund 800 Mitglieder, die Polizei schätzt die Zahl geringer mit rund 500 ein. Die heute erkennungsdienstlich behandelten Ultra Fans des 1. FC Köln stammen bis auf einen Einzigen, der der Vereinigung "Boyz" zuzurechnen sei, von der „Wilden Horde 1996“.
Die „Wilden Horde 1996“ gibt sich auf ihrer Website aber als Club der Unschuldslämmer, spricht von polizeilicher und medialer Vorverurteilung. Man streitet sogar jegliche Tatbeteiligung ab: „Die auf dem Rastplatz Siegburg vorgefallenen Situationen wurden weder von der Wilden Horde organisiert, noch mitgetragen. Die meisten Mitglieder unserer Gruppe befanden sich zum Zeitpunkt der Geschehnisse bereits in Köln und wurden erst einen Tag später durch die Medien über die Vorfälle informiert.“ Da man den Wahrheitsgehalt nicht prüfen könne, aber eben Vorwürfe im Raum stünden, werde man sich nicht äußern. Journalisten wirft man vor, die Unschuldsvermutung zu missachten, die Fans des 1. FC Kölns bittet man, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, und mit der Vereinsführung will man persönlich sprechen. Kein Wort des Bedauerns oder Nachdenkens darüber, wie man in Zukunft mitwirken will, dass es solche Vorfälle nicht mehr gibt. Neben den Kampfutensilien der "Wilden Horde 1996"-Aktivisten hat die Polizei auch diverse Mobiltelefone und Laptops beschlagnahmt. Auf diesen hofft sie nun Videos oder andere Beweise für die Tat am Rastplatz Siegburg zu finden. Auch Farbe wurde sichergestellt, denn die Kölner Hooligans hatten den Bus mit selbstangemalten rot-weißen Steinen beworfen.

18:00 Uhr > "Wilde Horde 1996" verliert Fanclub-Status

Der 1. FC Köln hat der "Wilden Horde 1996" heute den Status als Fanclub entzogen. Dies gab der Verein nach der heutigen Razzia bekannt. Claus Horstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung des 1. FC Köln, erklärte auf der Homepage des Vereins dazu: „Für die neuen Tatverdächtigen werden wir wie bereits bei den bekannten Fällen mit einem langjährigen bundesweiten Stadionverbot und im Falle der Mitgliedschaft mit einem Vereinsausschlussverfahren reagieren. Angesichts der aktuell im Raume stehenden massiven Vorwürfe gegen Mitglieder der ‚Wilden Horde 1996’ und weiterer Vorfälle in der Vergangenheit müssen sich alle Mitglieder jetzt die Frage stellen, ob sie ihre Mitgliedschaft in der Gruppierung aufrechterhalten wollen, oder ob sie durch eine Kündigung nicht ein klares Signal der Distanzierung senden möchten. Die verantwortlichen staatlichen Organe sollten aus unserer Sicht zudem ernsthaft prüfen, ob ein Verbotsverfahren nach dem Vereinsrecht eingeleitet werden kann. Der Club wird der ‚Wilden Horde 1996’ im Rahmen der eigenen Zuständigkeit nach den neuen vorliegenden Erkenntnissen den Status des offiziellen FanClubs des 1. FC Köln entziehen.“

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