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Pressefoto Deutsches Sport- und Olympiamuseum Köln, aufgenommen am 1. Dezember 2020. | Foto: Deutsches Sport- und Olympiamuseum/Höfer

Interview mit dem Direktor des Deutschen Sport- und Olympiamuseums, Dr. Andreas Höfer

„Wir brauchen aktuell sehr viel Geduld“

Wie erleben Sie die Situation jetzt im zweiten Lockdown?

Dr. Andreas Höfer: Unser Haus ist seit November geschlossen. Das ist bedauerlich und das nervt uns auch. Wir brauchen aktuell sehr viel Geduld. Anderseits muss es uns aller Anliegen sein, die Pandemie durch geeignete Maßnahmen einzudämmen. Dies funktioniert wohl dann am besten, wenn alle mitmachen und verantwortlich handeln. Dabei müssen berechtigte Partikularinteressen mit dem Gemeinwohl abgeglichen werden. Dies ist und bleibt ein schmaler Grat. Gleichwohl ist es zu hinterfragen, wie lange solche Einrichtungen geschlossen bleiben sollen, die nachweislich keine Hotspots beim Infektionsgeschehen darstellen. Natürlich hoffen wir darauf, bald wieder öffnen zu können. Diesbezüglich geht es uns nicht anders, als vielen anderen Branchen auch.

Was ist anders im Vergleich zum Frühjahr 2020?

Höfer: Im Frühjahr war die Pandemie eine komplett neue Situation, die mit sehr viel Unsicherheit einherging. Bis dahin war es für uns unvorstellbar gewesen, unser Haus jenseits einiger Feiertage zu schließen, geschweige denn über einen längeren Zeitraum. Gleichwohl haben wir das hingenommen, weil die besondere Herausforderung besondere Maßnahmen erforderlich machte. Zudem bestand die Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung. Umso größer war die Enttäuschung, mit einem erneuten Lockdown konfrontiert zu werden. Zumal niemand wusste und weiß, wie lange es dieses Mal dauern wird. Für die kulturellen Einrichtungen hat das natürlich gravierende wirtschaftliche Folgen. Dabei stehen wir als privates Museum deutlich mehr unter Druck als die Kollegen in den staatlichen oder städtischen Häusern.

Welche konkreten Folgen hat die erneute Schließung?

Höfer: Gravierende, wie gesagt. Schließlich sehen wir uns mit einem kompletten Wegfall unserer Einnahmen konfrontiert. Dabei fehlen uns nicht nur die Besucherinnen und Besucher. Ebenso ins Gewicht fällt, dass uns die Möglichkeit genommen ist, Veranstaltungen durchzuführen. Erschwerend hinzukommt, dass sich aus der unübersichtlichen Lage keinerlei Planungssicherheit ableiten lässt. Das zehrt an den Nerven, zumal unser Handeln auch auf die Sicherung von Arbeitsplätzen ausgerichtet ist. So bauen wir natürlich auf die verfügbaren staatlichen Hilfsleistungen, wobei aufgrund des sehr komplizierten Verfahrens nur bedingt absehbar ist, viele Mittel am Ende des Tages tatsächlich in unserem Haushalt zu Buche schlagen werden. Gleichwohl bleiben wir zuversichtlich, auch wenn der Geduldsfaden dünner wird. Wir bereiten uns vor auf die Wiederöffnung und freuen uns auf einen wieder hoch aktiven Museumsbetrieb.

Wie fällt die Bilanz nach der Wiedereröffnung im Sommer 2020 aus?

Höfer: Die Bilanz des vergangenen Sommers ist durchaus positiv. Nachdem wir mit einer zunächst schrittweisen Öffnung der spürbaren Verunsicherung der Menschen Rechnung getragen haben, hat sich die Situation schnell auf sehr erfreuliche Weise entwickelt. Gerade in der Zeit der Sommerferien haben wir uns über einen sehr regen Besuch gefreut. Insbesondere viele Familien haben den Weg zu uns gefunden, übrigens auch solche, die etwa aus Bayern oder Baden-Württemberg angereist waren und ihren Sommerurlaub dieses Mal offenbar nicht in Italien oder Mallorca verbracht haben. Diese Erfahrung hat uns in der Gewissheit bestärkt, dass der Charakter und das Angebot unseres Hauses auf vielfältige Resonanz stößt und wir als ein Erlebnismuseum für die ganze Familie wahrgenommen und genutzt werden.

Wie sieht zurzeit Ihr Berufsalltag als Museumsdirektor aus?

Höfer: Die zentrale Prämisse unsers Handelns betrifft zurzeit nolens volens die wirtschaftliche Situation und Perspektive des Hauses. Gleichwohl nutzen wir die Zeit der uns auferlegten Ruhe im musealen Alltag auch dazu, konzeptionell zu arbeiten und das Haus fit zu machen für eine neue Normalität. So sind wir etwa dabei, eine neue, barrierefreie Website oder auch neue digitale museale Angebote wie interaktive Führungen zu entwickeln. Natürlich sind wir im Sinne von Krisenmanagement gefordert, doch gerade jetzt ist es ebenso wichtig, mit Zuversicht nach vorne zu schauen.

Gibt es Pläne für Sonderausstellungen in diesem Jahr?

Höfer: Konkret planen wir etwa eine Sonderausstellung im Kontext der Olympischen Spielen von Tokio, die wir eigentlich für das Vorjahr vorgesehen hatten. Es geht um Porträts deutscher SpitzensportlerInnen und damit um eine künstlerisch wertvolle Präsentation der biografischen Vielfalt einer Mannschaft, die unter deutscher Flagge an den Start geht, um das Bestmögliche für sich und das Team zu erreichen, um dabei zu sein und um Medaillen „für Deutschland“ zu gewinnen. Da wir in diesem Kontext auch den Umgang der Betreffenden mit den Unwägbarkeiten und Einschränkungen der Pandemie thematisieren, wollen wir die Ausstellung auch in dem Fall realisieren, dass die Spiele erneut verschoben oder gänzlich abgesagt werden.

Welche Bedeutung hat das Museum für die Sportstadt Köln?

Höfer: Wir fühlen uns sehr wohl in Köln, wo wir jetzt seit mehr als 21 Jahren in exponierter Lage im Rheinauhafen als ein ambitionierter und viel beachteter Aktivposten in der sportlichen und kulturellen Landschaft der Stadt fungieren. Wir haben auch den Eindruck, dass sich die Stadt sehr bewusst ist, mit unserem Haus über ein Alleinstellungsmerkmal zu verfügen, das weit über den städtischen Kontext hinaus wirkt und rezipiert wird. Im Übrigen sind wir gut mit den Institutionen und Akteuren im Kölner Sport vernetzt. Zudem bringen wir uns bei vielen Gelegenheiten, etwa sportlichen Großereignissen wie vor Ort ausgetragenen Welt- oder Europameisterschaften mit musealen Angeboten aktiv ein. Ich erinnere auch an eine sehr erfolgreiche Sonderausstellung zum 70-jährigen Bestehen des hiesigen FC.

Wie wird sich der Museumsbesuch durch die Pandemie verändern?

Höfer: Das ist im Einzelnen noch nicht absehbar. Klar ist aber, dass sich die Erwartungen und Rezeptionsgewohnheiten von MuseumsbesucherInnen stetig ändern und sich Museen in ihren Angeboten ebenso stetig anpassen und weiterentwickeln müssen. Was die Folgen der Pandemie betrifft, ist davon auszugehen, dass digitale oder hybride Präsentationsformen mehr Gewicht und Raum erhalten werden. Dieser Entwicklung tragen wir, wie gesagt, in Form entsprechender Projekte Rechnung. Dessen ungeachtet sind wir davon überzeugt, dass Museen auch in Zukunft Orte direkter Inspiration und persönlicher Begegnungen bleiben werden – Begegnungen mit präsentierten Objekten und Themen, aber auch mit anderen Menschen zwecks gemeinsamer und interaktiver Reflektion. Und wenn unser Thema der Sport ist, dann sind Bewegung und Begegnung ja ohnehin impliziert.

Was halten Sie davon Geimpften Sonderrechte zum Beispiel bei Museumsbesuchen einzuräumen?

Höfer: Das ist eine Frage, die im gesellschaftlichen Diskurs in nächster Zeit an Gewicht gewinnen wird. Klar ist, dass wir uns auch diesbezüglich in jeder Hinsicht an gesetzliche und behördliche Vorgaben halten werden. Dabei ist es für mich im Moment schwer vorstellbar, beim Einlass Impfpässe zu kontrollieren. Eher schon halte ich es für möglich, die Wahrnehmung musealer Angebote, etwa die Teilnahme an größeren Veranstaltungen an Schnelltests zu binden. Doch jenseits solcher spezifischen Überlegungen stellen wir uns darauf ein, dass auf absehbare Zeit abgestimmte Hygienemaßnahmen unseren musealen Alltag begleiten werden.

Wie wichtig ist es, gerade Kinder und Jugendlichen wieder den Zugang zum Museum zu ermöglichen?

Höfer: Als Vater eines 15-jährigen Sohnes fällt es mir nicht schwer zu realisieren, dass die Pandemie auch und gerade für junge Menschen gravierende Folgen hat. Gerade im Blick auf Kinder und Jugendliche wünsche ich mir sehr, dass bald wieder eine möglichst uneingeschränkte Entfaltung junger Persönlichkeiten möglich sein wird. Dabei ist Bildung ein zentrales Stichwort. Aber auch soziale Kontakte, Sport und Bewegung sowie Kultur in ihren jeweils unterschiedlichen Spielarten und Facetten sind wichtige Parameter eines selbstbestimmten und erfüllten Lebens. Dass dabei Museen eine wichtige Rolle als außerschulische Orte freudvollen Lernens spielen, steht wohl außer Frage. Im Übrigen darf ich Ihnen sagen, dass unser Haus in hohem Maße von Schülerinnen und Schülern frequentiert wird. Schließlich ist der Sport ein zentraler Bezugspunkt der Lebenswirklichkeit junger Menschen. Zudem bieten wir zahlreiche Möglichen, Bewegung aktiv zu erleben. So laden wir etwa dazu ein, die Spielflächen auf dem Dach des Hauses zu nutzen oder sich an der Torwand oder am Tischkicker zu versuchen oder sich auf dem Rad im Windkanal abzustrampeln. All dies und vieles andere sollte man Kindern und Jugendlichen nur so lange vorenthalten, wie es unbedingt notwendig ist.

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