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Der Kölner Erzbischof und bekennende FC-Fans Rainer Maria Kardinal Woelki hielt die neunte Kölner Sportrede.  Bild: DOSB

Kölner Sportrede: Acht Kapitel für den Sport

Köln | Bei der zurückliegenden neunten Ausgabe der Kölner Sportrede gab es in diesem Jahr einen besonderen Gast. Die Festrede hielt der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Er ging in die Verlängerung.

Dabei differenzierte er das Thema „Wert des Sports“ in acht Kapiteln, die durchaus dialektisch zu betrachten sind. So sehr Sport und seine gesundheitsfördernde Wirkung zu begrüßen seien, so sehr warnte der Kirchenmann vor der Diskriminierung derjenigen, die aus welchen Gründen auch immer keinen oder nur wenig Sport ausüben können. Auch die integrierende Wirkung des Sports war für den bekennenden FC-Fan Woelki unbestritten. Als er über die Aussagen einiger Ewiggestriger referierte, brandete sogar Applaus auf. Er würde sich jedenfalls glücklich schätzen, Jerome Boateng als Nachbarn zu haben. „Auf dem Platz zählt nicht der Pass, der die Herkunft erklärt, sondern nur der Pass, der ankommt“, so der Kölner Erzbischof weiter.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der gesellige Wert. In Zeiten zunehmender Individualisierung könnte der Wert von Geselligkeit als Baustein für Gemeinschaftserleben und Solidarität nicht hoch genug geschätzt werden; gerade dann, wenn viele heutzutage abgeschottet mit Musik im Ohr für sich alleine joggen. Auch das Thema Doping („ein vielseitiger Betrug“) schnitt er in seiner Festrede an, zeige es den Januskopf des Strebens nach immer neuen Bestleistungen.

Dialektischer Charakter von Leistungssort

Kritisch setzte sich Rainer Maria Kardinal Woelki mit dem Preis auseinander, der oftmals für den Erfolg im Leistungs- und Hochleistungssport zu zahlen ist. Besonders kritisch zu betrachten sei der frühe Ruhm. Wo und wie lernen extrem erfolgreiche Jungsportler, mit dem Ruhm so umzugehen, dass er nicht alles überblendet; und mit dem Geld so zu wirtschaften, dass es für das Leben danach reicht? Ruhm darf nicht dazu führen, dass weitere Lebensfragen überlagert und verdrängt werden. Wenn der Ruhm dann auch noch einhergeht mit immer größeren Risiken im Sport, ist die Perspektive besonders kritisch einzustufen.

Eine weitere Forderung ist die nach parallelen Wettkämpfen von Menschen mit und ohne Handicap. Er erinnerte an den Olympischen Gedanken, auch wenn nach den Spielen nur die Siegerinnen und Sieger noch bekannt sind. Doch hinter der Idee Olympia stecke mehr als nur der Beste zu sein. Olympia sei vielmehr eine Lebensphilosophie, die die Freude an der Leistung mit erzieherischen Werten und dem Respekt vor universalen und fundamentalen ethischen Prinzipien verbinden sollte.

Im siebten Abschnitt seiner Festrede blickte der Kardinal auf die politische Neutralität des Sports. Gibt es sie? Wie war das mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin? Mögliche Beispiele der jüngeren Geschichte, obwohl sicherlich auch aktuellere politische Signale hätten erwähnt werden können, sprach Woelki nicht an. Aber er begrüßte das politische Signal des Präsidenten des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, der jüngst die Eintracht zwar parteipolitisch neutral einstufte, was aber nur für Parteien gelte, die im Einklang mit den Werten der Eintracht stünden. Dies sei aber nach Fischer Meinung bei der Alternative für Deutschland nicht der Fall. Der Kölner Kardinal meinte, es würde sich lohnen, diesen spannenden Gedanken weiter zu verfolgen.

Sport - die neue Religion?

Auch in Sachen Kommerzialisierung sieht Woelki zwei Seiten. So begrüßte er die Entscheidung einiger FC-Profis, trotz des Abstiegs in Köln bleiben zu wollen. Allerdings führe der Kommerz gerade im Fußball dazu, dass die Besten von ihnen mit astronomisch hohen Summen bewertet werden. Zum Schluss kam der Kirchenmann auf den religiösen Aspekt zu sprechen. So versteht sich zwar der internationale Sport sakral. Auf der anderen Seite sind Stadien aber für viele Fans, für die Fußball zur Religion wurde, Pilgerstätten geworden. Dort folgt man einer gemeinsamen Zeremonie, singt, jubelt und trauert. Und vor allem: Die Fußballfans pflegen wie in der Religion eine weitverbreitete Erinnerungskultur.

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