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Julia Stoschek erhält den ART COLOGNE-Preis 2018

Fokus der renommierten Sammlerin liegt auf zeitbasierter Medienkunst
Köln | Die Koelnmesse und der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler freuen sich sehr, in diesem Jahr die hoch engagierte und herausragende Kunstsammlerin Julia Stoschek mit dem ART COLOGNE-Preis auszuzeichnen. Die Preisverleihung findet mit geladenen Gästen am Donnerstag, den 19. April 2018 um 10:00 Uhr im Historischen Rathaus zu Köln statt.

Die Initialzündung, die zum konsequenten Sammeln von „zeitbasierter Medienkunst“ führte, fand 2003 durch Stoscheks Begegnung mit Douglas Gordons Arbeit Play Dead - Real Time in einer New Yorker Galerie statt. Seither erwirbt die renommierte, exzellent vernetzte Sammlerin im ständigen Austausch mit Galeristen, Künstlern und Kuratoren zeitgenössische Medienkunstwerke, die sie seit 2007 regelmäßig in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Düsseldorf-Oberkassel im Rahmen musealer Ausstellungen präsentiert.
Die Kunst des bewegten Bildes gilt Julia Stoschek als die primäre kulturelle Ausdrucksform ihrer Generation, die sie fördern, wissenschaftlich aufbereiten und bewahren will – und zwar in der gesamten Bandbreite von den klassischen Trägermedien bis hin zu allerneuesten netzbasierten und digitalen Technologien. Das Multimedia-Environment genießt dabei ihr Interesse ebenso wie eine raumgreifende, skulpturale Installation oder das kleine solitäre Format einer Einzelprojektion.

Davon kann sich das Publikum auch seit Juni 2016 in Berlin überzeugen, wo Julia Stoschek mit der ersten Ausstellung „Welt am Draht“ ein Coup gelang. Im eigens umgestalteten ehemaligen Tschechoslowakischen Kulturzentrum in der Leipziger Straße waren rund drei Dutzend Hauptwerke ihrer Sammlung in einer atemberaubenden Show zu sehen: In einer Architektur voller Patina wurden unterschiedlichste Medienkunstwerke ebenso stimmig wie mit überraschenden Effekten in einem großen Filmsaal, in Fluren und lichten Foyers, in Büroräumen und verwinkelten Kellerecken inszeniert. Ein kuratorische Glanzleistung, die in der Berliner Kunstszene den Wunsch nach einer dauerhaften Präsenz der Julia Stoschek Collection aufkommen ließ.

Julia Stoschek (*1975) entstammt einer Coburger Unternehmerfamilie. Ein Betriebswirtschaftsstudium gab zunächst den Weg einer Karriere in der Firma Brose vor, die ihr Urgroßvater 1919 gründete. Doch es kam etwas anders, wenngleich sie heute als Gesellschafterin für den Traditionsbetrieb ebenfalls aktiv ist. Denn zum familiären Erbe zählt eine ausgeprägte kreative Seite: eine schauspielernde und filmende Großmutter, ein Vater, der eigentlich Fotograf werden wollte und ein Großvater, der Generalmusikdirektor am Coburger Landestheater gewesen ist. Diese Funken sprangen über.

„Vor allem bin ich Archivarin der aktuellen Kunstproduktion“ betont Julia Stoschek und übernahm damit eine Verantwortung, die weit über das Ankaufen und Ausstellen ihrer einzigartigen Kunstsammlung hinausweist. Mit ihrem Team widmet sie sich der – sowohl technologisch als auch finanziell extrem aufwändigen – Konservierung und Digitalisierung ihres gesamten Sammlungsbestandes. Darüber hinaus unterstützt sie vielfach Restaurierungsprojekte, etwa der Super-8-Filme von Derek Jarman.

Der Schwerpunkt der Julia Stoschek Collection liegt – neben Klassikern wie Gordon Matta-Clark und Nam June Paik – im zeitgenössischen Bereich, in dem sich fast alle maßgeblichen und innovativen Medienkünstler unserer Zeit finden: Marina Abramovic, Ed Atkins, Francis Alys, Doug Aitken, Björk, David Claerbout, Keren Cytter, Simon Denny, Olafur Eliasson, Cyprien Gaillard, Isaac Julien, Bruce Nauman, Pipilotti Rist, Christoph Schlingensief, Ryan Trecartin, Jon Rafman und viele andere, auch jüngere, (noch) unbekannte Künstler, die Stoschek durch Atelierbesuche, viele Reisen und Szenekontakte entdeckt.
„Ich bin überzeugt davon, dass die Zukunft in der Zusammenarbeit liegt und nicht in der Konkurrenz“ – betonte sie jüngst in einem Gespräch. Das Ethos der Kooperation hat in den letzten Jahren mit vielen Leihgaben und internationalen Ausstellungsprojekten, in denen Arbeiten ihrer mittlerweile auf 700 Werke angewachsenen Sammlung gezeigt wurden, Gestalt angenommen.

Eine besondere Rolle spielte eine Ausstellung, die 2015 auf Einladung des Tel Aviver Museum of Art stattfand. Mit der Julia Stoschek Collection wurde in Israel erstmals überhaupt eine deutsche Privatsammlung präsentiert – und dies zum besonderen Anlass des 50. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland seit 1965. Da in den 60er Jahren erste Videokunstwerke produziert wurden, lag der Gedanke einer Verknüpfung nahe, zumal das Medium Film für Künstler viele Möglichkeiten unmittelbarer oder subtiler Positionierung zu gesellschaftlichen relevanten Themen bietet. Der politische Kontext der Medienkunst ist Julia Stoschek sehr bewusst und wird von ihr in Interviews und Statements immer wieder reflektiert.

Julia Stoschek steht in einer exklusiven Reihe von Persönlichkeiten, die mit profundem Engagement eigenwillige Sammlungen zusammengetragen, diese in ihren Museen dem Publikum zugänglich gemacht haben und sich nicht scheuen, für die Erhaltung von Kulturobjekten und für den Betrieb ihrer Ausstellungsinstitutionen erhebliche private Mittel aufzubringen. Zu diesen Sammlern zählen Charlotte Zander (1997), Ingvild Goetz (2001), Frieder Burda (2002) und Harald Falckenberg (2009), die den mit 10.000 Euro dotierten ART COLOGNE-Preis in den zurückliegenden Jahren ebenfalls erhalten haben.

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