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Coronavirus: Die Situation in den Schulen und Kitas

Köln | Das Land Nordrhein-Westfalen wird die Weihnachtsferien zwei Tage vorher beginnen. In Deutschland sind mehr als 3.000 Schulen nicht mehr im Regelbetrieb und an 116 Kölner Schulen gibt es 223 infizierte Schülerinnen und Schüler und an 75 Schulen 89 Infizierte im Personal. Zur aktuellen Situation und der Diskussion um Schulen in der zweiten Welle der Corona-Krise.

Dazu kommen in 33 Kindertagesstätten 38 infizierte Kinder und 52 Infizierte aus dem Personal. Die Stadt Köln hat aus dem Bildungsumfeld und dem dortigen Infektionsgeschehen 3.748 Personen aktuell zur Quarantäne verpflichtet.

Die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, FDP, bestätigte gegenüber der "Rheinischen Post", dass die Weihnachtsferien in NRW bereits am 18. Dezember starten sollen und verlängert werden. Eine entsprechende amtliche und offizielle Stellungnahme ist vom NRW-Schulministerium allerdings noch nicht veröffentlicht worden.

Mehr als 3.000 Schulen in Deutschland nicht mehr im Regelbetrieb

Wegen steigender Infektionszahlen bei Schülern und Lehrern müssen immer mehr Schulen den Regelbetrieb aufgeben. Das zeigen Zahlen aus 14 Bundesländern, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) berichten. Danach findet der Präsenzunterricht an 3.240 Schulen nicht mehr vollständig statt.

Allein in Nordrhein-Westfalen befinden sich Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und werden digital unterrichtet, teilte das Kultusministerium in Düsseldorf den Funke-Zeitungen mit. In Bayern findet der Präsenzunterricht an 255, in Baden-Württemberg an 273 Schulen nicht mehr regulär statt. In Niedersachsen wurden an 347 Schulen einzelne Klassen oder Jahrgänge vorübergehend aus dem Präsenzunterricht genommen und ins Homeschooling geschickt.

221 Schulen in dem Bundesland unterrichten im sogenannten Wechselmodell mit geteilten Klassen, bei dem ein Teil zum Unterricht in die Schule kommt und ein Teil zu Hause lernt. In Hamburg sind 213 Schulen nicht mehr im vollständigen Regelbetrieb. Nach Angaben aus den jeweiligen Landesregierungen sind in Thüringen derzeit 109 Schulen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen, in Rheinland-Pfalz 216, in Brandenburg 170 und in Sachsen-Anhalt 120. In Mecklenburg-Vorpommern findet an 30 Einrichtungen der Schulbetrieb nur noch eingeschränkt in Präsenz statt, in Schleswig-Holstein sind 71, im Saarland 128 und in Sachsen 170 Schulen betroffen.

In Berlin wurden 365 Lerngruppen geschlossen. Hessen und Bremen machten keine Angabe, wie viele Schulen teilweise oder vollständig per Distanzunterricht lehren. Im Gegensatz zum Frühjahr sind die Schulen vom Teil-Shutdown im November ausgenommen und sollen den Regelbetrieb mit Präsenzunterricht aufrechterhalten.

Bundeselternrat wirft Kultusministern "Versagen" vor

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, hat den Kultusministern in der Corona-Politik Versagen vorgeworfen. "Mir scheint die Schätzung des Deutschen Lehrerverbandes, dass 300.000 Schüler in Quarantäne sind, nicht unrealistisch", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Wassmuth forderte von den Kultusministern eine eindeutige Linie in der Corona-Politik ein.
"Das, was wir von den Ländern erwarten: Es muss - wie im Rest der Gesellschaft - verlässliche Kriterien geben, ab welchem Punkt beim Infektionsgeschehen man die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und etwa mit der ganze Schule in geteilte Klassen wechselt", sagte er. Daran müsse man sich dann auch tatsächlich halten. Es sei ein "Versagen der Kultusminister", dass es hier an einer klaren Linie fehle.

"Uns als Eltern ist ein geplantes Vorgehen lieber als ein Kuddelmuddel, bei dem jeder macht, was er will, und niemand weiß, was als Nächstes passiert", so der Elternvertreter. Wenn es um die Gesundheit der Kinder gehe, müsse man notfalls auch in Kauf nehmen, dass der Schulbetrieb wieder eingeschränkt werde, so Wassmuth. Es müsse dann alles getan werden, um vor allem für die Kinder Betreuung zu organisieren, für die sie anders nicht sichergestellt werden könne.

Zu der von Lehrerverbands-Chef Heinz-Peter Meidinger geschätzten Zahl von 300.000 Schülern in Quarantäne sagte Wassmuth: "Am Ende ist es ein Skandal, dass die Länder nicht längst dafür gesorgt haben, dass es eine verlässliche Statistik gibt." Eigentlich seien wir in Deutschland doch Statistik-Weltmeister - nur in dieser Frage spiele man offenbar absichtlich Kreisklasse. "Es fehlt am Willen, offen, ehrlich und transparent mit der Lage umzugehen."

Zur von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) ins Spiel gebrachten Maskenpflicht auch in der Grundschule sagte Wassmuth: "Uns ist Unterricht ohne Masken lieber als mit. Aber wenn die Infektionslage es erfordert, müssen auch im Klassenraum eben Masken getragen werden. Notfalls auch in der Grundschule."

GEW bemängelt Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht angesichts mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen die Gesundheit von Schülern und Lehrern gefährdet und hat die Kultusminister aufgefordert, aus den hohen Corona-Infektionszahlen Konsequenzen zu ziehen. "Für uns ist klar: Die Infektionszahlen sind in großen Teilen Deutschlands längst so, dass in den Klassenzimmern Abstände eingehalten werden müssen", sagte Tepe dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Donnerstagausgaben). So wie im Moment unterrichtet werde, seien die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch.

"Das heißt: Die Klassen müssen geteilt werden. Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause." Für die Schüler sei es besser, rechtzeitig Klassen zu teilen und so im Unterricht Abstände einzuhalten, als zu riskieren, dass immer mehr Klassen komplett in Quarantäne müssten, so die Gewerkschaftsvorsitzende.

"Wenn Schüler den einen Tag zu Hause arbeiten und den anderen in die Schule kommen können, führt das auch dazu, dass sie besser Nachfragen stellen können", sagte Tepe. "Alles ist besser, als komplett ins Homeschooling wechseln zu müssen." Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, verwies zudem darauf, dass die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden sehr unterschiedlich seien.

"Wird in dem einen Landkreis die ganze Klasse in Quarantäne gesetzt, sind es in dem anderen nur die direkten Banknachbarn - wenn überhaupt, weil ja gelüftet wurde", sagte er dem RND. "Das ist nicht nachvollziehbar und führt zu Unmut und Verunsicherung." Deshalb brauche es klare und transparente Regelungen, wann wer in Quarantäne gehen muss. "Und übrigens auch, wie das dann für Familienmitglieder gehandhabt wird. Wenn der kleine Bruder oder die große Schwester weiter in die Schule gehe, können Sie sich jede Quarantäneanordnung sparen." Sowohl Beckmann als auch Tepe äußerten sich skeptisch zu der Schätzung des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, es seien 300.000 Schüler in Quarantäne. Es gebe keine verlässlichen Angaben zu der Frage, sagte Tepe. "Die Zahl von 300.000 ist aus der Luft gegriffen." Auch Beckmann sagte: "Spekulieren und skandalisieren hilft in dieser Situation nicht. Die Wahrheit ist schlicht: Wir wissen nicht, wie viele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in Quarantäne sind."

Spahn offen für Ausweitung der Maskenpflicht auf alle Schulen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich offen für den Vorstoß von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) gezeigt, die Maskenpflicht auf alle Schulen auszuweiten. Er wisse, dass Masken im Unterricht belastend seien, sagte Spahn der RTL/n-tv-Redaktion. Die einzige Alternative sei in vielen Regionen aber nur, die Schulen zu schließen.

"Und ich bin sehr sicher, wenn die Wahl ist Maske tragen oder keine Schule, dann lieber Maske tragen." Eine Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen werde ein Thema bei der Ministerpräsidentenrunde am Montag sein, so Spahn weiter.

Wirtschaftsweise warnt vor Schulschließungen

Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung zur Wirtschaftsentwicklung, warnt davor, Schulen angesichts steigender Corona-Infektionszahlen zu schließen. "Das hätte signifikante Auswirkungen auf die Zukunftschancen junger Menschen", sagte die Volkswirtin der Universität Nürnberg-Erlangen dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Donnerstagausgaben). Schüler kämen sehr unterschiedlich gut mit dem Homeschooling zurecht.
"Das hängt stark davon ab, wie bildungsnah das Elternhaus ist, ob zuhause Platz zum Lernen ist und ob die notwendige IT vorhanden ist", sagte Grimm. Sie gehe deshalb davon aus, dass die Schere bei der Bildungsgerechtigkeit "noch weiter" auseinandergehen würde, sollten Schulen erneut flächendeckend schließen müssen. "Wenn Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind, stehen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer den Unternehmen nur eingeschränkt zur Verfügung", so Grimm.

Das sei ein durchaus signifikanter Effekt im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, sagte die Wirtschaftsforscherin. Grundsätzlich schließt Grimm erneute Schulschließungen allerdings nicht aus. Wenn es gar nicht geht, müsse noch viel mehr als bisher darauf geachtet werden, jeden Schüler mitzunehmen und sie in die Lage zu versetzen, das Homeschooling bestmöglich zu nutzen, sagte die Ökonomin.

Sie ist seit April Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, dem höchsten Beratergremium in Wirtschaftsfragen.

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