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Klaus Tipke: Der Kölner Vordenker der Steuergerechtigkeit ist tot

Köln | Normale Steuerzahler werden eher erstaunt sein, dass es auch eine Steuerrechtswissenschaft gibt, Kölner noch mehr, dass es so etwas wie eine „Kölner Schule" der Steuergerechtigkeit gibt. Deren Begründer, der langjährige Uni Köln-Professor Klaus Tipke ist nun im hohen Alter von 95 Jahren gestorben.

Die Rahmendaten sind einfach erzählt: 1925 auf einem Bauernhof in Niedersachsen geboren und noch kurz vor Kriegsende eingezogen und schwer verwundet, wurde Klaus Tipke in der jungen Bundesrepublik jüngster Finanzrichter in Deutschland, dann 1967 auf einen Lehrstuhl für Steuerrecht an der Universität Köln berufen. Hier etablierte er die Steuerrechtswissenschaft als eigenes akademisches Fach. Es folgten zahllose Publikationen und mehrere Standardwerke.

„Die Steuerrechtsordnung", drei voluminöse Bände erstmals 1993 Kölner Dr. Otto Schmidt Verlag erschienen, gilt bis heute als die wissenschaftliche Untermauerung des Fachs. Der „Tipke/Lang", das mittlerweile auf 1800 Seiten angewachsene Standardwerk in Steuerrecht ist jüngst in 24. Auflage im gleichen Verlag erschienen – inklusive Covid 19-Steuerhilfegesetze.

Doch Klaus Tipke war nicht nur der Begründer eines akademischen Fachs. Er war so etwas wie ein Steuer-Moralist. Sein Credo, der Kernsatz seiner Steuerrechtslehre: „Die gerechte Verteilung der Gesamtsteuerlast auf die einzelnen Bürger ist ein Imperativ der Ethik." Es ging Tipke um Steuergerechtigkeit, Besteuerungsgleichheit. Nicht darum, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auszubilden, die (nur) dabei helfen, Steuerzahlungen zu vermeiden. Manchmal bestritt der Steuerrechtslehrer auch ungewöhnliche Wege, so als er 2004 vor dem Bundesverfassungsgericht klagte – und gewann. Der Ehrliche sollte nicht länger der Dumme sein.

Heute wird das von Klaus Tipke begründete Institut für Steuerrecht der Universität Köln von Johanna Hey geleitet. Von der Professorin, auf der Website der Universität als „Vertreterin der Kölner Schule in dritter Generation" betitelt, wünschen sich manche ein offensiveres Eintreten für Steuerreform und Steuergerechtigkeit in Deutschland und Europa. Hey wurde soeben auch für sechs Jahre zur Prorektorin für Internationales der Universität zu Köln gewählt.

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