Wirtschaftsnachrichten Bildung

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Paul Ketz hatte eine geniale Idee: Den Pfandring - eine Zusatzkonstruktion zum klassischen Stadtmobiliar Mülleimer, die den Lebensgewohnheiten des modernen urbanen Menschen entgegenkommt. Flasche kaufen, auf der Straße leicht vorglühen, aber wohin dann mit dem Pfandgut?

ecosign-Präsentation 2012: Design & Ideen made in Kölle - Spitzenklasse in Nachhaltigkeit

Präsentation der Abschlussarbeiten der ecosign 2012. Wo? Natürlich da, wo junges Top Design aus Köln zu Hause ist: in Ehrenfeld im Cinenova. Der Kinosaal, in dem die Präsentation stattfand, völlig überfüllt. Mit dabei auch die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe, die nachhaltige Arbeiten prämierten. Darunter eine geniale Idee: Der Pfandring für Mülleimer, der einsatzfähig entwickelt ist. Den Pfandring sollte die Kölner Politik einmal ernsthaft diskutieren, denn er ist erfolgversprechender als ein Flaschenverbot auf öffentlichen Plätzen und könnte in normalen Zeiten eine ideale Ergänzung etwa zum Glasverbot an den jecken Tagen sein.

Bürgermeisterin Spizig prämiert Pfandring

Der Pfandring ist eine geniale Idee von Paul Ketz, die der Student im 7. Semester an der  ecosign / Akademie für Gestaltung sogar schon zur Produktreife geführt hat. Die AWB gab ihm dafür den zweiten Preis, die Akademie selbst verlieh ihm dafür den Froschkönig. Seine Idee könnte auch so manche Diskussion in den Kölner Bezirksvertretungen reduzieren, etwa in Ehrenfeld. Denn dort im In-Ausgehviertel sind Scherben von Pfandflaschen nach jedem Partywochenende Problem und Thema. Aber nicht nur in Ehrenfeld, sondern auch das Kwartier Lateng, Südstadt, Friesenviertel oder Altstadt haben an jedem Wochenende ein Problem mit abgestellten oder zerbrochenen Pfandflaschen. Paul Ketz hat die Lösung: Ein Ring rund um die Mülleimer, wo man seine Pfandflasche oder Dose einfach einstellen kann. Dort können die Pfandsammler dann die Flaschen einfach mitnehmen und monetarisieren. Aktuell wühlen die Pfandsammler die Papierkörbe der AWB durch, dann auch in Kotbeuteln für Hunde, Glasscherben, Spritzen und Restmüll. Sammeln die Pfandsammler die Flaschen nicht heraus, wird der wichtige Rohstoff Glas als Restmüll verbrannt. Im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft unerfreulich.

Paul Ketz hat seine Erfindung erst per CAD gezeichnet. Die Zeichnung wurde dann in Stahl, der gelasert ist, umgesetzt und an einem Mülleimer verschweißt. Diesen Mülleimer hat Paul Ketz, wie man so schön sagt, schon ins Feld gestellt und seine Wirkung getestet. Auf youtube kann man sich das Ergebnis ansehen, anzusteuern via pfandring.de. Das Fazit: In der Nacht, in der der Mülleimer aufgestellt war - übrigens ohne Plakat oder Hinweis - wurde er intuitiv von Nachtschwärmern und Pfandsammlern angenommen. Pfandflaschen wanderten nicht in den Eimer, oder wurden zerbrochen, sondern wurden im Pfandring abgestellt und kurze Zeit später von Pfandsammlern eingesammelt. Angela Spizig, grüne Bürgermeisterin der Stadt Köln, übergab Paul Ketz den Froschkönig. Spizig begleitet seit vielen Jahren die Präsentationen der ecosign Akademie, die übrigens auch in Ehrenfeld zu Hause ist: „Ich vergebe den Froschkönig seit vielen Jahren gerne, denn hier werden ökologische, alltagstaugliche Produkte vorgestellt. Dass die AWB mittlerweile hier sind, zeigt wie gut die Projekte sind. Das Modell Pfandring von Paul Ketz ist so überzeugend, dass ich mir das gut im städtischen Raum vorstellen kann. Die AWB sollten eine Kosten/Nutzen-Rechnung erstellen und die städtischen Gremien wie der Umweltausschuss, aber auch der Stadtentwicklungsausschuss sollten sich mit diesem Vorschlag einmal konstruktiv auseinandersetzen.“

Social Media Kampagne für die AWB mit inhaltlichen Schwächen

Die AWB gab den ersten Preis dem Designer Michael Hennemann, der eine Kommunikationskampagne zur Sensibilisierung mit dem Umgang mit Müll für Kinder entwickelt hatte. Die war zwar von A-Z gut durchgestaltet, hatte durchaus aber auch inhaltliche Schwächen. Mit Avataren, die man im Netz selbst zusammenstellen kann, die Hennemann "Müllmo" nennt, will er Kinder überzeugen, sich auf einer Website anzumelden und virtuelle Patenschaften für Mülleimer in ihrer näheren Umgebung zu übernehmen. Das Projekt richtet sich vor allem an Grundschüler. Inhaltlich schwach und inhaltlich nicht wirklich durchdacht - auch wenn das sicher den AWB Machern gefällt, da man dann früh Daten sammeln kann - ist der Anmeldemechanismus auf einer Website für Minderjährige, die die Erziehungsberechtigten und deren Einverständnis ignoriert. Nachhaltig und sozial ist das nicht. Der Spot übermüllt einen der Müllmo-Avatare mit Sauger mit Zigarettenkippen, das fanden die anwesenden Studenten witzig. Problematisch, denn das Jugendschutzgesetz in Deutschland erlaubt Rauchen in der Öffentlichkeit erst ab 18 Jahren. Warum also Kinder mit Problemen konfrontieren, die sie eigentlich noch nicht haben? Bekannt ist auch, dass eigene soziale Netzwerke zumindest aktuell nicht neben dem Platzhirsch Facebook funktionieren. Als studentische Arbeit aber, die solche Probleme sicher noch ausblenden darf - anders als reale Kampagnen - war die Arbeit von Hennemann in sich aber konsistent optisch gestaltet und daher durchaus lobenswert.

Maximilian Helldörfer, Michael Sasse und Jonathan Schäper beschäftigten sich auch mit dem Thema AWB. Darunter eine überzeugende Plakat- und Objektkampagne, eine auch inhaltlich durchdachte Müllappfuhr und witzige Anregungen, silberne Mülleimer als Butler, Liftboy oder Dienstmädchen zu gestalten. Eine auch inhaltliche gelungen Arbeit präsentierte eine Studentin zum Thema Kernkraft: Sie gestaltete ein Buch, dass sich auf mehreren Ebenen mit der Kernkraft und ihrer friedlichen Nutzung nach Fukushima und Tschernobyl inhaltlich auseinandersetzte, aktuelle wissenschaftliche und politische Diskussionen aufgriff und sogar beeindruckend illustrierte. Etwa bei der Frage, wie man ein Endlager und dessen Gefahren über die vielen tausenden Jahren kommunizieren will, dass die dort gelagerten Stoffe strahlen.

Nicht nur bei den Arbeiten für die AWB zeigte sich wieder die exzellente Qualität der Studenten, aber auch der Lehre an der ecosign und dass deren Fokussierung auf nachhaltiges Design ein sehr guter Weg ist. Die ecosign ist ein Leuchtturm der Lehre in Köln und dies seit Jahren. Dem Projekt von Paul Ketz wünscht man die Erstrealisierung an exponierten Orten in Köln. Denn damit könnte Köln zeigen, dass gute Ideen erdacht in Kölle auch am Ende Made in Kölle sind, denn Ketz denkt schon weiter für andere deutsche Städte - und warum nicht sogar Europa? Ketz wünscht man, da sich leider gutes Design und gute Designideen nicht von alleine wie Samen von Löwenzahn mit dem Wind selbstständig verbreiten, den Mut und die Kraft, seine herausragende Idee marktreif - auch gegen deutsche Bürokratien und Allzeitbedenkenträger - zu bekommen und auch zu unternehmerischem Erfolg zu führen. Oder einen guten und fairen Partner zu finden, der die Marktreife und Eroberung mit ihm gemeinsam schafft.

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