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Ecosign-Gründerin Simone Fuhs am Tag der Ausstellungseröffnung von „Design braucht eine Haltung“ im MAKK.

„Unkonventionelle Wege gehen“: Simone Fuhs zu 20 Jahren ecosign

Köln | Die Kölner ecosign Akademie für Gestaltung feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Das Museum für Angewandte Kunst (MAKK) zeigt hierzu eine Ausstellung. Im Interview mit report-k.de spricht ecosign-Gründerin Simone Fuhs, was sie 1994 dazu bewog, eine private Hochschule für nachhaltiges Design ins Leben zu rufen und verrät, wie es in den nächsten 20 Jahren weitergehen soll.

Report-k.de: Was gab den Ausschlag zur Gründung Ihrer Hochschule 1994?

Fuhs: Ausschlaggebend für die Gründung von ecosign, war die Lehre von Joseph Beuys, mit der ich –einige Jahre zuvor – durch meinen Kunstprofessor in Berührung kam. Beuys’ Idee zur freien Universität inspirierte mich und ließ mich einfach nicht mehr losgelassen. Außerdem machte ich währende meines Designstudiums die Erfahrung, dass Nachhaltigkeit überhaupt keine Rolle in der Lehre spielte. Das konnte ich nicht verstehen und empfand es als logische Konsequenz eine eigene Lehre mit dem Schwerpunkt entwickeln zu müssen.

Wie, wo und mit wie vielen Studierenden haben Sie begonnen?

Die Vorbereitung zur Gründung begann bereits zwei Jahre vorher, also 1992. Die ersten Räumlichkeiten, es waren ca. 400 qm Fläche, mietete ich im Maarweg 68 hier in Köln. Juli 1994 musste dann alles parallel laufen. In dieser Zeit führte ich die ersten Bewerbungsgespräche sowohl mit Dozenten als auch mit Studenten. Wenn ich mich recht erinnere startete das erste Semester mit 18 Studierenden im Oktober 1994.

Wie war anfänglich die Reaktion auf Ihr Hochschulangebot?

Die Reaktionen auf ecosign waren zur Gründungszeit wirklich sehr gut. Nachhaltigkeit war ein wichtiges und großes Thema, besonders bei den 20 – 30 jährigen. Mit der rasanten Entwicklung der neuen Medien und dem steigenden Kapitalismus um 1999 änderte sich das jedoch. Die Gesellschaft orientierte sich am wachsendem Konsum und finanziellem Wohlstand. Die Zukunft wurde nicht im kreativen Bereich gesucht sondern in ökonomisch verankerten Berufen. Der Wunsch nach kreativer und philosophischer Bildung im Nachhaltigkeitsbereich verstärkte sich erst wieder nach den Anschlägen von 2001 und auch die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre sorgen für ein vermehrtes Interesse in dem Bereich.

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ konkret für Sie?

Mein ganz persönliches Verständnis von Nachhaltigkeit ist es, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln. Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen in seinem persönlichen Umfeld vorzunehmen. In die Zukunft zu blicken und auch unkonventionelle Wege zu gehen, wenn es eine gute Lösung zu sein scheint. Neugierig zu sein, sich zu bilden und die eigenen Gewohnheiten regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen.

Was sind Ihre Ziele und Pläne für die kommenden 20 Jahre?

Ganz vorne steht unser Masterstudiengang. Mit unserem Kooperationspartner, der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft möchten wir dieses Ziel sehr bald erreichen. Außerdem möchte ich den Forschungsbereich ausbauen. Hierbei stehen uns die großen Think Tanks Deutschlands zur Seite. Mit dem Wuppertal Institut und dem Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production arbeiten wir seit Jahren erfolgreich zusammen und möchten besonders im Bereich Nachhaltiger Lebensstile forschen und gestalten. Ein ecosign-shop mit nachhaltigen Produkten unserer Studierenden ist auch bereits angedacht und soll in den nächsten Jahren, (erst einmal) als virtueller Shop entstehen und die Entwürfe unserer Designer verfügbar machen. Ein weiteres großes Ziel von mir ist es, dass sich das Thema Nachhaltigkeit in der Gesellschaft noch mehr verankert. Immer häufiger kommen deutsche aber auch internationale Professoren und Rektoren zu uns an die ecosign, um sich von unserer Lehre inspirieren zu lassen. Ich wünsche mir sehr, dass dieser Austausch untereinander, zu einer Verankerung von Nachhaltigkeit in Lehre und Forschung führt.

Zahlreiche Ihrer Absolventinnen und Absolventen haben namhafte nationale und internationale Designpreise gewonnen? Gibt es eine Person, ein Projekt, das Sie in den vergangenen 20 Jahren besonders beeindruckt hat?

Bei dieser Frage neige ich natürlich dazu, die jüngsten Projekte hervorzuheben. Jedoch sind im laufe der 20 Jahre so viele, wirklich sehr gute Arbeiten, von tollen Menschen entstanden, dass ich keine einzelne Arbeit, sondern ganz viele aufzählen möchte.

Mit ihrer Abschlussarbeit „Archipel“ hat Claudia Hüskes, ein herausragendes Kindermöbel gestaltet, das jetzt sogar – brandaktuell, einen der wichtigsten Designpreise – den Red Dot gewonnen hat. Der „Pfandring“ von Paul Ketz ist in Köln ja bereits bekannt und kommt besonders in Ehrenfeld allerdings mittlerweile sogar deutschlandweit zum Einsatz. Auch das Fachbuch „Das Kernkraftwerk“ von Anna Süß ist eine großartige und visionäre Arbeit. Hierbei wird das Thema „Atomkraft“ von allen erdenklichen Seiten beleuchtet und sorgt für Aufklärung und Wissensvermittlung mit Zukunftsausblicken. Wo wir gerade dabei sind, wir suchen noch einen Verlag.

Die interaktive Mindmap von Michael Marks „beuyslab“ hat mich persönlich sehr berührt, da er mit seiner Arbeit, die Beuys’sche Idee für jedermann verständlich präsentiert und somit nachhaltige Entwicklung in der Gesellschaft fördert. Auch die Fotoarbeit von Gloria Lauterbach „Vor den Wäldern Montenegros“, die Imagekampagne und Produktserie von Emanuel Steffens „Trinken statt tragen“ oder die Bilder von Nico Wallfarth „Omegalpha“ sind Arbeiten, die mich bewegt und beeindruckt haben. Sie alle sind in unserer momentanen Ausstellung im Museum für angewandte Kunst zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28.9.2014.

Der Titel Ihrer Jubiläumsausstellung im MAKK lautet „Design braucht eine Haltung“. Was verstehen Sie darunter?

Der Designphilosoph Victor Papanek, sagte einst, dass es nur wenige Berufe gibt, die so viel Schaden anrichten können, wie der des Designers. Wenn Designer Schaden anrichten können, liegt es aber auch in ihrer Hand gegenteiliges zu erlangen. Designer müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein um einen positiven Einfluss auf die Umwelt auszuüben. So kann jeder Mensch etwas zur Verbesserung der Lage tun. Ich habe ecosign gegründet, weil ich an eine Welt mit Zukunft glaube.

Frau Fuhs, vielen Dank für das Interview.

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