Wirtschaftsnachrichten Kölner Wirtschaft

excelsior_PR_foto_nichtverwenden_27032020

Corona-Krise in Köln: "Ein Familienunternehmen hält zusammen"

Köln | Der Direktor des Excelsior Hotel Ernst, Georg Plesser, erklärt im Interview wie sein Haus die schwierige Zeit meistern will und wie man hinter den eigenen Mitarbeitern steht.

Wie erleben Sie gerade Ihr leeres Hotel mitten im Zentrum Kölns

Georg Plesser: Für mich ist das auch nach gut 30 Jahren Erfahrung in der Hotellerie eine Premiere. Noch während des Karnevals hat Corona gerade einmal im Hinterkopf eine Rolle gespielt und erst an Aschermittwoch ging es mit der Absage der Eisenwarenmesse dann schlagartig los. Das, was da in den vergangenen drei Wochen alles passiert ist, ist wirklich einzigartig und ich hoffe, dass sich so etwas nie wiederholen wird. Das mit dem leeren Hotel war ein schleichender Prozess – wir hatten durch die Krise immer mehr Absagen. Dann mussten wir das erste Restaurant schließen und durften wenig später nur noch Geschäftskunden als Übernachtungsgäste beherbergen. Am vergangenen Freitag kam dann die Schließung des Hotels. Das ist an einem so zentralen Platz zwischen Hauptbahnhof und Dom schon eine sehr ungewöhnliche Situation. Normalerweise sind hier unglaublich viele Menschen unterwegs, heute Morgen hat man dagegen kaum einen Passanten gesehen.

 

Welche Folge hat die Krise für Ihr Hotel?

Plesser: Momentan bedeutet die Krise für uns einen Totalausfall. Es gibt so gut wie keinen Umsatz mehr. Einzige Ausnahme ist unser Gourmetrestaurant Hanse Stube, das nun auch während der Schließung einen Liefer- und Abholservice anbietet. Damit wollen wir vor allem unseren Stammgästen zeigen, dass wir noch da sind. Den größten Teil unserer Mitarbeiter mussten wir zwar seit Montag in Kurzarbeit schicken, ich konnte mich mit der Eigentümerfamilie um Charles Roulet aber auf eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes von den üblichen 60 Prozent auf nun 80 Prozent verständigen. Wir werden auch keinen unserer Mitarbeiter entlassen. Für diese Zusagen, die wir trotz dieser Krise machen durften, gab es in der Personalversammlung anhaltenden Applaus – ein sehr emotionaler Moment in dieser schwierigen Situation. Irgendwann wird es wieder losgehen und dann brauchen wir unsere Mitarbeiter in alter Mannschaftsstärke und mit vollem Engagement für unsere Gäste und unser Haus. Natürlich hoffen wir derzeit auf die angekündigte finanzielle Unterstützung durch Bund, Land und Kommunen. Da werden gerade die ersten Gespräche geführt. Denn ewig können auch wir so einen Totalausfall nicht schultern.

 

Wie nutzen Sie aktuell die Zeit im Hotel?

Plesser: Wir sind mit einem kleinen Kernteam vor Ort, natürlich gelten für uns dabei alle Kontakt- und Abstandsregeln, die in diesen Zeiten dringend eingehalten werden müssen. Wir nutzen die Situation eines leeren Hotels für Arbeiten, die in einem normalen Hotelalltag oft gar nicht so einfach durchzuführen sind. Da sind wir natürlich auch auf Handwerker von außerhalb angewiesen. Wir hoffen natürlich sehr, dass die Handwerker in diesen Zeiten noch zu uns finden.

 

Welche Folgen hat die Krise für die Hotellerie ganz allgemein?

Plesser: Die Gastronomie und die Hotellerie gehören zu den am stärksten betroffenen Branchen. Natürlich denkt man jetzt intensiv über mögliche Szenarien nach - was passiert, wenn die Krise vorbei ist und wir wieder öffnen können? Wird dann alles nachgeholt oder wird man sich, um Kosten einzusparen, eher zurückhalten? Auch das berufliche Reisen wird dann sicherlich häufiger in Frage gestellt, da man jetzt in der Krise sieht, dass Telefon- und Videokonferenzen oft eine gute Alternative bieten. Bei der Gastronomie bin ich mir aber sicher, dass unsere Stammgäste auf jeden Fall wieder zurückkehren werden. Die wollen gerne wieder raus nach der langen Zeit in den eigenen vier Wänden.

 

Wie wird sich die Gesellschaft durch die Krise verändern?

Plesser: Vieles in unserem Leben wird sicherlich hinterfragt werden, es werden sich Einstellungen ändern, Werte neu definieren. Müssen wir immer allem hinterherhecheln? Jetzt ist die Zeit, zu reflektieren.

 

Wie gehen Sie privat mit der Bedrohung durch das Virus um?

Plesser: Ziemlich konsequent – zwischen meiner Arbeit im Hotel und der Freizeit zu Hause gibt es außer Joggen und Einkaufen im Supermarkt derzeit nichts mehr. Zu den nun geltenden Regeln gibt es absolut keine Alternative. Für mich selbst bedeutet die Krise zumindest in meiner Freizeit definitiv eine Entschleunigung.

 

Welchen Tipp haben Sie für die Menschen zu Hause?

Plesser: Ich habe meinen freien Sonntag jetzt dazu genutzt, um mit vielen Freunden und Bekannten telefonisch oder über WhatsApp Kontakt aufzunehmen. Da gab es viele Mut machende Gespräche und gute Reaktionen. Von manchen hatte ich über ein halbes Jahr nichts mehr gehört. Kontakt aufzunehmen und sich zu versichern, dass es dem anderen gut geht und zu unterstützen, wo es notwendig ist - das zählt immer, aber nun mehr denn je. Wichtig ist auch der engste Familienkreis, der bringt mir jetzt die Stärke, die ich brauche. Da wird gerade in der Familie sehr viel kommuniziert und diskutiert.

 

Sie sind seit Anfang des Jahres neuer Direktor des Excelsior Hotel Ernst. Was bedeutet das für Sie?

Plesser: Das Excelsior ist ein gehobenes Luxushotel und das erste Haus am Platz. Seine lange Geschichte wurde von einer Familie geprägt und so sind wir ein echtes Familienunternehmen, wobei sich der Begriff Familie auch auf die Belegschaft bezieht, die auch jetzt in der Krise unglaublich gut zusammenhält. Das habe ich schon bei den Vorstellungsgesprächen hier im Haus gespürt. Erlebt habe ich bislang nur zwei extreme Phasen, im positiven Sinne den Karneval und jetzt die Corona-Krise.

Zurück zur Rubrik Kölner Wirtschaft

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Kölner Wirtschaft

rheinenergie_pixa_21072021

Köln | aktualisiert | Jetzt jubeln sie sich selbst in warmen und unkonkreten Worten zu: Die Aktivisten des Bündnisses Klimawende Köln, das kommerzielle städtische Unternehmen Rheinenergie und bisher wenig grün sowie die Verwaltung der Stadt Köln selbst in einer Mitteilung an die Öffentlichkeit. Es wird so wenig konkret wie möglich ein Hinterzimmerkompromiss zur Dekarbonisierung des Kölner Energieversorgers Rheinenergie in blumige Worte gefasst.
--- --- ---
Redaktioneller Hinweis: Mittlerweile gibt es erste schriftliche Statements der Ratsfraktionen, die am Ende des Textes eingefügt, beziehungsweise ergänzt werden.

BAHNKNOTEN_STEP_09072021

Bund finanziert Machbarkeitsstudie mit 800.000 Euro

Köln | Die Hohenzollernbrücke gehört zu den meist genutzten Eisenbahnbrücken Deutschlands. 440.000 Züge mit 100 Millionen Fahrgästen sind dort jedes Jahr unterwegs – dabei ist die Brücke mit ihren sechs Gleisen ein echtes Nadelöhr, dessen Kapazität immer mehr an seine Grenzen kommt. Täglich sind dort mehr als eine halbe Million Pendler unterwegs. „Das ist die Hauptschlagader im Bahnknotenpunkt Köln. Wenn es hier Störungen gibt, hat das Auswirkungen auf das Fahrgeschehen in ganz Deutschland. Wir müssen hier mehr Kapazitäten schaffen, die dringend benötigt werden“, sagt der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Ronald Pofalla auch mit Blick auf große Verkehrsprojekte wie die jüngst vorgestellte Westspange der Bahn oder der Ausbau der S11 und der Erft-S-Bahn.

innenstadt_pixa_09072021

Berlin | Der Deutsche Städtetag will die Innenstädte vor der Verödung bewahren.

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >