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Creditreform: Schuldnerquoten in Kölns Problemvierteln nehmen weiter zu

Köln | Die Deutsche Wirtschaft boomt, die Zahl der Arbeitslosen ist auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Dennoch können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht bezahlen. Das zeigt der „SchuldnerAtlas 2017 – Metropolregion Köln/Bonn“. Im Oktober 2017 zählt Deutschland 6,91 Millionen überschuldete Privatpersonen – eine Schuldnerquote von 10,04 Prozent. Doch auch in den meisten Gebieten in der Metropolregion Köln/Bonn hat sich die Schuldnerquote gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert. Zudem kommt hinzu, dass in Kölner Stadtteilen in denen bereits besonders viele überschuldete Menschen wohnen, der Anteil an überschuldeten Personen weiter zunimmt.

Fast jeder achte in Köln gilt als überschuldet

105.130 Personen gelten in der Stadt Köln als überschuldet. Das geht aus dem heute veröffentlichten „SchuldnerAtlas 2017 – Metropolregion Köln/Bonn“ hervor. Demnach gelten 1.530 Personen mehr als im Jahr 2016 in Köln als überschuldet, da im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl zugenommen hat, bleibt die Schuldnerquote mit 11,78 Prozent gegenüber 2016 (11,84 Prozent) nahezu unverändert, erklärt Moritz von Patberg, Geschäftsführer der Creditreform Köln. Somit gelte fast jeder achte in Köln als überschuldet.

Köln über dem Bundesdurchschnitt

In Köln ist die Schuldnerquote gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, um 0,06 auf 11,78 Prozent. Im linksrheinischen fällt die Schuldnerquote mit 10,27 Prozent deutlich niedriger aus als diejenigen im rechtsrheinischen Köln, wo 14,43 Prozent der privaten Haushalte überschuldet sind, fasst Padberg zusammen.

Die wenigsten Schuldner gibt es in Widdersdorf, Lindenthal und Libur: Hier belaufen sich die aktuellen Schuldnerquoten auf 4,65, 5,23 und 5,33 Prozent. Dem stehen Stadtteile mit sehr vielen Schuldnern gegenüber. Die höchste Schuldnerquote verzeichnet mit 27,4 Prozent Gremberghoven. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Meschenich mit 24,52 Prozent und Kalk mit 20,99 Prozent.

Schere zwischen arm und reich öffnet sich weiter in Köln

Fast jeder achte erwachsene Kölner kann also seine Zahlungspflichten nicht oder nur teilweise nachkommen. Am höchsten sind die Quoten in Gremberghoven mit 27,4 Prozent, Meschenich mit 24,5 Prozent und Kalk mit 21 Prozent, wo jede fünfte bis jede vierte Person überschuldet ist. „Auffällig ist zudem, dass sich die Schere zwischen wohlsituierten und schwierigeren Vierteln offenbar weiter öffnet“, betont von Padberg.

Die stärksten Zuwächse finden sich in Meschenich mit einem Plus von 0,82, in Chorweiler mit 0,65 und in Klettenberg mit 0,52 Prozentpunkten. Während Klettenberg mit einer aktuellen Schuldnerquote von 5,82 Prozent aber dennoch die viertniedrigste in Köln verzeichnet, ist der Anstieg in Meschenich und Chorweiler problematisch, weil dort ohnehin bereits sehr viele Privathaushalte überschuldet sind.

Stadt Bonn zeige jedes Jahr starkes Interesse am SchuldnerAtlas

Die Stadt Bonn zeige starkes Interesse an den Zahlen der Creditreform – die alljährlich im Herbst nach der Veröffentlichung des bundesweiten Schuldneratlasses erscheint – wohingegen derzeit noch kein Austausch mit der Stadt Köln stattgefunden haben soll.

Der nächste „SchuldnerAtlas 2018 – Metropolregion Köln/Bonn“ erscheint im November 2018

Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle gehören zu Hauptauslösern

Aufgrund der guten Konjunktur haben sich die Gründe für den Sturz in die Überschuldung in den vergangenen Jahren in Deutschland verändert, erklärt Jörg Rossen, Geschäftsführer der Creditreform Bonn. Zwar ist nach wie vor Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser für Überschuldungsprozesse, doch er verläuft nach Angaben der Experten rückläufig.

Stattdessen gewannen in den letzten Jahren Erkrankungen, Suchtprobleme und Unfälle, aber auch sonstige Überschuldungsauslöser, wie zum Beispiel Zahlungsverpflichtungen aus Bürgschaft, gescheiterte Immobilienfinanzierung, Haushaltsgründung/Geburt eines Kindes, immer größere Bedeutung als Auslöser für Überschulungsfälle, so Rossen.

Infobox

Der „SchuldnerAtlas 2017 – Metropolregion Köln/Bonn“ richtet seinen Fokus speziell auf die beiden Städte Köln und Bonn, auf den Rhein-Erft-Kreis, den Rhein-Sieg-Kreis, den Kreis Ahrweiler sowie Teile des Oberbergischen Kreises, des Rheinisch-Bergischen Kreises und des Kreises Euskirchen.

Der „SchuldnerAtlas 2017 – Metropolregion Köln/Bonn“ von Creditreform Bonn und Creditreform Köln bietet einen Überblick zur Überschuldung von Privatpersonen. Die Analyse basiert auf den Daten und Karten der Creditreform-Tochterfirmen Creditreform Boniversum GmbH und microm Micromarketing-Systeme und Consult GmbH, beide mit Sitz in Neuss. Die zugrunde liegenden Einwohnerzahlen stammen aus den „Kölner Statistischen Nachrichten“, der Statistik „Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken“ der Statistikstelle der Bundesstadt Bonn sowie vom Statistischen Bundesamt.

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