Wirtschaftsnachrichten Kölner Wirtschaft

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Handwerk leidet unter Auswirkungen der Corona-Pandemie und hat klare Forderung

Köln | Die Handwerkskammer zu Köln (HWK) befragte ihre Unternehmen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Mehr als die Hälfte der Kölner Handwerksunternehmen, 57,7 Prozent, melden zurück, dass sie betroffen sind. Die HWK hat eine klare und deutliche Forderung an die Finanzwirtschaft.

Finanzwirtschaft darf nicht zum Flaschenhals werden

Garrelt Duin, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln, bewertete im Telefongespräch mit report-K die gestern angekündigten Maßnahmen der Landesregierung einen Rettungsschirm von 25 Milliarden Euro aufzuspannen als positiv. Dafür habe die Politik Lob verdient. Allerdings müssten die Hausbanken jetzt zügig arbeiten und dürften nicht Monate lang für die Prüfung von Kreditmitteln benötigen. Diese dürften jetzt nicht zum Flaschenhals werden. Die Finanzwirtschaft sei hier der Gesellschaft nach der Finanzkrise 2008 und 2009 etwas schuldig, vor allem da es für Kredite Landesbürgschaften bis zu 90 Prozent gebe und damit das Ausfallrisiko für Geschäftsbanken und Sparkassen nur noch bei 10 Prozent liege.

Dauert die Kreditzugabe zu lange?

Der Chef des Volkswagen- und Audi-Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, kritisierte gestern die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Hilfe für Unternehmen. Das KFZ-Handwerk in Köln meldete der HWK zurück, dass 60,2 Prozent des KFZ-Handwerks bereits Auswirkungen spüre. So sind zwar die Werkstätten geöffnet, aber der Vor-Ort-Verkauf von Gebraucht- und Neuwagen sowie der Ersatzteilverkauf ist eingestellt, wie ein großer Händler in Köln seinen Kunden schreibt. Von Knapp rechnete vor, dass eine Bonitätsprüfung bis zu 90 Tage dauere, die Unternehmen aber nicht mehr als 30 bis 40 Tage überleben könnten. "Am Ende hat der Autohändler dann die Kreditzusage, aber das Geld kriegt der Insolvenzverwalter", sagte der Händlerverbands-Chef.

Systemrelevante Versorgung

Duin sagt viele Handwerksberufe gehören zur systemrelevanten Versorgung der Bevölkerung. Vor allem die kleineren Betriebe bräuchten Zuschüsse und keine Kredite, denn sonst werden sie nicht überleben. Diese Zuschüsse müssten aber schnell fließen, denn bereits zum Ende des Monats fallen die nächsten laufenden Kosten an. Warum Kredite nicht bei den Kleineren passen erläutert Duin: Wenn ein Kleinbetrieb, etwa ein Tischler, für die Herstellung etwa eines Tisches einen Monat benötigt, dann kann er im Jahr 12 davon bauen und absetzen. Fehlen drei Monate, dann sind es nur noch neun. So ein Betrieb habe keine Gelder auf der hohen Kante und wird den entgangenen Umsatz nicht ein paar Monate später auffangen können, denn er kann nur eine bestimmte Anzahl bauen, vertreiben und damit Erlöse generieren. Man sei gespannt, wie das Paket gerade für die kleineren Unternehmen aussehe.

Mit der Agentur für Arbeit arbeite die HWK im Bereich des Kurzarbeitergeldes aktuell sehr gut zusammen, so Duin. Das könne er auch für die Kreishandwerkerschaft sagen. Die Kurzarbeitergelder seien derzeit sehr stark nachgefragt und auch die Kammer berate zum Thema.

Die Handwerksbetriebe in Köln spüren nach der Umfrage eine nachlassende Kundennachfrage. 60 Prozent von ihnen rechnen mit Liquiditätsproblemen und 47 Prozent sehen einen erhöhten Kapitalbedarf. 50 Prozent der Handwerksbetriebe in Köln sehen noch keine Notwendigkeit Personal abzubauen. Duin sagt, dass was in der Krise insolvent und damit verloren gehe, komme nicht mehr wieder, das wäre fatal. Denn das Handwerk sichere das Funktionieren der Wirtschaft und Industrie etwa bei den Teilezulieferern der Automobilindustrie.

Zur Umfrage

Die Handwerkskammer befragte ihre Unternehmen zwischen dem 13. und 18. März. Rund 1.600 Mitgliedsbetriebe haben sich beteiligt. Duin nennt dazu einen besorgniserregenden Fakt: „je länger die Umfrage andauerte, umso düsterer war die Einschätzung der teilnehmenden Unternehmen.“

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