Wirtschaftsnachrichten Kölner Wirtschaft

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Das Pressefoto zeigt Johann Maria Farina.

Interview mit Johann Maria Farina, dessen Familie das Eau de Cologne nach Köln gebracht hat

„Eine grüne Altstadt mit viel Außengastronomie ist eine Zukunft“

Wie erleben Sie gerade die Situation im zweiten Lockdown?

Johann Maria Farina: In den vergangenen zwölfeinhalb Monaten war und ist das Duftmuseum im Farina-Haus überwiegend aufgrund der Corona-Schutzverordnung geschlossen. Es gab im Sommer eine kurze Öffnungsphase, mit wenigen Besucher aus dem Umland, die aber Ende November endete. Eine Öffnung des Museums ohne Riechen, Haptik und Dialog ist nicht möglich, deshalb konnten wir auch im März nicht wieder mit Führungen durch das Duftmuseum beginnen.

Was hat sich im Vergleich zum Frühjahr 2020 geändert?

Farina: Die Situation ist seit dem März 2020 nahezu unverändert. Es gibt keine internationalen Touristen, keine Messebesucher und selbst die Kölner bleiben ihrer Altstadt fern.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Farina: Die Motivation meiner Mitarbeiter und Kunden sowie das Nutzen der Zeit, um sich für das Ende der Pandemie zu rüsten, sind große Herausforderungen. Unsere Depositäre wie die Parfümerien oder Museumsshops haben im Moment ebenfalls alle geschlossen. In London, Mailand oder Florenz fehlen die kaufkräftigen Touristen genauso wie hier in Köln. Und der Kauf von Parfüm ist eine Stimmungsfrage. Gerade beim Reisen, sei es im Urlaub oder geschäftlich, ist die Kauflust hoch. Jetzt während der Pandemie bei reduzierten Sozialkontakten wird weniger Parfüm und Schminke gekauft und benutzt.

Welche Rolle spielt das Digitale beim Vertrieb für Farina?

Farina: Neu sind für mich die Kontakte über Zoom und andere Konferenzplattformen. Dies ist eine echte Bereicherung und wird auch nach der Corona-Pandemie einige Reisen ersetzen. Für Schulungen und Seminare eröffnet sich hier auch ein sehr effizienter Bereich, den wir jetzt schon ausgiebig nutzen. Digitale Kanäle sind für unsere bestehenden Kunden gerade in Zeiten der Schließungen ein idealer Weg, um Eau de Cologne und andere Parfüms nachzubestellen. Insgesamt sind unsere Onlineumsätze wesentlich höher als vor der Krise. Sie können aber das Kaufgefühl und das Verlangen, Düfte auszuprobieren, nicht ersetzen.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

Farina: Die meiste Zeit verbringe ich am Computer, oft im Gespräch mit Kunden oder Lieferanten in Meetings am Bildschirm. Ich bin seit einem Jahr nicht mehr gereist. Sonst war ich immer die Hälfte der Woche unterwegs, um Messen sowie Kunden und Lieferanten zu besuchen.

Wie wichtig ist die staatliche Unterstützung in der Krise?

Farina: Sie ist natürlich sehr willkommen, deckt aber nur einen Teil der Verluste ab. Die staatlichen Hilfen greifen nicht für alle Verluste, insbesondere Personalkosten im Teil-Lockdown sind dadurch nicht erfasst. Die noch kommenden Phase der Wiedereröffnung wird für viele sehr verlustreich werden. Erst wenn Besucher und Touristen wieder annähernd wie vor Corona kommen, kann kostendeckend gearbeitet werden.

Wie sehen die Perspektiven für das laufende Jahr aus?

Farina: Vielleicht werden wir im Herbst wieder eine begrenzte Reisetätigkeit bekommen, wie sie schon letzten Sommer stattfand. Aber erst, wenn wieder alle Attraktionen zugänglich sind, werden auch wieder Besucher in größerer Zahl kommen. Und bei uns wird vor Ort in Köln 70 Prozent des Umsatzes mit internationalen Touristen gemacht.

Welche Rolle spielt Ihr Parfüm als Markenbotschafter für Köln?

Farina: Wir haben mit Eau de Cologne den Namen der Stadt im 18. Jahrhundert weltberühmt gemacht. Cologne als Duft ist heute bekannter als Köln. Die Stadt tut sich damit etwas schwer. Die Stadt Köln sollte gerade, weil das Internet momentan zum wichtigsten Kommunikationsweg geworden ist, ihre Top-Level-Domain „.cologne“ aktiv nutzten und nicht unter „stadt-koeln.de“ auftreten.

Wie wichtig sind traditionelle Werte oder Produkte in Krisenzeiten?

Farina: Der schnelle Wandel durch Computer und Internet hat schon in den vergangenen 20 Jahren eine Rückbesinnung und neue Wertschätzung für traditionelle Produkte geschaffen. Die Corona-Pandemie verstärkt dies. 2003 haben wir das Duftmuseum im Farina-Haus eröffnet. Damit haben wir ein kulturelles Highlight geschaffen, das den Geburtsort der Eau de Cologne und seine durchgehende Geschichte von über 310 Jahren nach außen trägt. Dies ist aber momentan durch die Schließung beeinträchtigt. Wir arbeiten deshalb aktuell an einem neuen Buch über Farina Eau de Cologne mit vielen noch nie veröffentlichen Dokumenten und Bildern. Wir hoffen, dass das Buch bis Ende Juni fertig wird.

Wie verändert sich die Innenstadt durch die Pandemie?

Farina: In den letzten Monaten sind alle öffentliche Parkplätze in der Altstadt entfernt worden. Jetzt muss dies aber auch genutzt werden, um die Straßen zu begrünen und nicht nur mit Pollern abzusperren. Auch Hauswände und Laternen bieten sich dazu an, wie viele italienische Städte das bereits vormachen. Der traditionelle Einzelhandel in der Kölner Innenstadt verschwindet durch die Pandemie schneller als bisher. Umso mehr muss Kultur, Gastronomie und der Eventbereich dies ersetzen. Eine grüne Altstadt mit viel Außengastronomie ist eine Zukunft.

Welche Rolle spielen Neubauten wie das MiQua oder das Laurenz Carré?

Farina: Die Ärchäologische Zone gegenüber dem Farina-Haus ist eine europaweit einmalige historische Gelegenheit für Köln. Als Teil der Via Culturalis mit 2000 Jahre Kölner Geschichte zwischen dem Kölner Dom und Maria im Kapitol wird hier eine Attraktion geschaffen, die sich mit anderen europäischen Kulturstädten messen kann. Hier treffen in Zukunft gleich mehrere Weltkulturerbe zusammen: Der Kölner Dom, der rheinische Limes und Eau de Cologne als Teil des immateriellen Weltkulturerbes Parfüm. Das Laurenz Carre wird die bauliche Verbindung schaffen zwischen dem neuen Stadtmuseum und der MiQua, um so der gesamten Via Culturalis eine Durchgängigkeit zu geben.

Was macht Ihnen derzeit Hoffnung und was Sorge?

Farina: Wenn ich in unserem Archiv auf unserer Firmengeschichte zurückblicke, gab es immer wieder schwere Krisen und auch Pandemien. Vor 300 Jahren ging zum Beispiel gerade eine Pest-Epidemie in der Provence zu Ende. Damals, wie heute eine der wichtigsten Regionen für Duftstoffe. Es brauchte Durchhaltevermögen, um solche Krisen zu bestehen. Nachzulesen wie meine Vorgänger Krisen gemeistert haben, macht mir am meisten Hoffnung. Das Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft ist vorhanden.

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