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Kölner Hotelchef zum Lockdown 2.0: „Die Sprache der Politiker macht mir Angst“

Interview mit dem Direktor des Kölner Lindner Hotel City Plaza, Dirk Metzner

Wie erleben Sie die Situation jetzt während des zweiten Lockdowns?

Dirk Metzner: Ich erlebe die Situation deutlich intensiver, als das beim ersten Lockdown im Frühjahr der Fall war. Damals war alles neu und durchaus auch spannend, weil man beweisen musste, wie Krisenmanagement funktioniert. Damals hatten die Mitarbeiter viel Verständnis und haben den Lockdown nach einer sehr harten und erfolgreichen Wintersaison als kleine Auszeit verstanden. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Viele haben Angst um ihre Zukunft und wissen nicht, wie es weiter geht. Das wird auch durch die Sprache der Politiker noch deutlich verstärkt.

Welche folgen hat der zweite Lockdown für Ihr Hotel?

Metzner: Wir haben einen absoluten Umsatzeinbruch. Im Oktober hatten wir noch die Schweizer Fußballnationalmannschaft und die Filmcrew Til Schweigers zu Gast. Da waren wir auf etwa 55 bis 60 Prozent des Vorjahresniveaus wieder angelangt. Jetzt hat alleine die Rede der Kanzlerin und deren Aufforderung, zu Hause zu bleiben, binnen 48 Stunden für Stornierungen in einem Wert von 150.000 Euro gesorgt. Das war in allen Segmenten vom Tourismus bis zu den Geschäftsreisen der Fall. Im November rechnen wir mit einer Auslastung von nur noch etwa zehn Prozent. Es bleiben uns nur die Businessgäste. Aktuell arbeiten wir mit drei Leuten im Hotel: ich als Direktor, ein Techniker und ein Mitarbeiter, der sich um das Frühstück kümmert. Im Frontoffice gibt es noch einen Drei-Schicht-Betrieb, der Rest läuft auf Notbetrieb. Alle Mitarbeiter sind wieder in Kurzarbeit. Wir sind eigentlich nur noch da, um die Sicherheit im Gebäude zu gewährleisten.

Wie sieht derzeit Ihr Berufsalltag als Hoteldirektor aus?

Metzner: Das wichtigste ist es jetzt, eine transparente und ehrliche Kommunikation mit den Mitarbeitern sicherzustellen. Wir haben jetzt eine Phase, in der unser Personal akut Angst um die eigene Existenz hat. Im Frühjahr konnte man bei der Kurzarbeit noch auf Erspartes zurückgreifen. Das ist jetzt meist aufgebraucht. Die Menschen haben Angst um ihren Job und ihnen fehlt die Perspektive, wie es weitergeht. Da gibt es viele Gespräche, auch mit den Abteilungsleitern. Dazu kommt viel Arbeit bei Stornierungen und Verschiebungen. Die Kunden wollen mit uns reden, wenn es um ihren Aufenthalt und um ihre Veranstaltungen im Hotel geht. Man weiß auch noch nicht, was mit den Messen im ersten Quartal 2021 passiert. Das bedeutet reichlich Arbeit für uns.

Wie bereiten Sie sich auf den Neustart nach dem Lockdown vor?

Metzner: Wir haben Konzepte für alle Szenarien erarbeitet. Nur so können wir schnell den Betrieb wieder hochfahren. Es ist durchaus so, dass die Kunden etwas machen wollen. Das gilt zum Beispiel auch für die geplanten Weihnachtsfeiern. Insofern kommt unsere Gastronomie schnell wieder aus dem Loch heraus. Bei den Buchungen fangen wir aber wieder komplett von vorne an. Es ist frühestens im zweiten Halbjahr 2021 wieder damit zu rechnen, dass wir wieder den Betrieb haben werden, den wir uns wünschen.

Schwierig ist auch, dass in diesem Jahr die Weihnachtsmärkte und der Karneval wohl komplett ausfallen.

Metzner: Das ist für uns eine Katastrophe. Wir sind ein Karnevalshotel und haben viel Ideen und Kraft dafür investiert, dass wir zu einer Karnevalshochburg geworden sind. Dass jetzt alles wegfällt, ist für uns ein finanzielles Desaster. Das gilt auch für die Weihnachtsmärkte. Normalerweise sind wir im November und Dezember voll ausgebucht und haben sogar den höchsten Weihnachtsmarkt der Stadt auf dem Hoteldach. Auch das wird ausfallen müssen.

Können Sie die ruhige Zeit jetzt noch irgendwie nutzen?

Metzner: Jetzt beim zweiten Lockdown geht es nur noch darum, die Kosten möglichst gering zu halten. Wir machen nur kleinere Reparaturen in den Zimmern, die wir selbst durchführen können. Ansonsten konzentrieren wir uns jetzt auf die Dinge, die wirklich wichtig sind.

Wie wird die Pandemie die Hotellerie und das Reisen langfristig verändern?

Metzner: Die Zeit, in der Geschäftsreisende für einen Tag zu einem Termin in eine Stadt geflogen sind, wird es so nicht mehr geben. Da haben sich digitale Lösungen gefunden. Im Tagungsbereich erwarten wir einen leichten Einbruch, auch weil sich hybride Formate langfristig durchsetzen werden. Da wird sich auch vieles vereinfachen und günstiger werden. Der Städtetourismus wird sich wieder normalisieren und der Deutschlandtourismus wird weiter wachsen. Eine der ganz zentralen Fragen der Gäste wird sein, ob ein Gebiet wirklich sicher ist.

Wie gehen Sie persönlich mit der aktuellen Situation um?

Metzner: Ich bin durch ein Tal der Tränen gegangen und habe Dinge erlebt, mit denen ich so nie gerechnet hätte. Aber ich weiß jetzt, dass man Dinge, die man nicht ändern kann, einfach hinnehmen muss und das Beste daraus machen sollte. Da kommt mir die rheinische Art, nach vorne zu blicken, zugute. Wir werden noch zwei bis drei harte Monate vor uns haben. Wir waren vor der Krise sehr stark und erfolgreich. Das werden unsere Kunden auch nach der Krise honorieren.

Was macht Ihnen Sorgen und was Hoffnung?

Metzner: Sorgen bereitet mir die Sprache der Politiker und deren Art zu handeln. Das macht mir wirklich Angst. Das, was die sich angewöhnt haben, ist kein guter Stil, um ein Land wie Deutschland zu führen. Sorgen bereitet mir auch, dass wir eine Lösung finden müssen wie der Eigentümer und der Pächter gemeinsam durch die Krise gehen können, und die Politik hierfür eine Lösung erarbeiten muss. Hoffnung machen mir der Impfstoff und die Aussicht, dass wir im zweiten Halbjahr 2021 wieder Licht am Ende des Tunnels sehen können.

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