Wirtschaftsnachrichten Kölner Wirtschaft

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Foto: Forderten mehr Investitionen für Klinikbauten: (v.l.n.r.) Patientenfürsprecherin Ursula Babilas, Krankenhausgeschäftsführer Dieter Kesper, OB Henriette Reker, IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt, IPOV-Geschäftsführer Wilfried Jacobs und KGNW-Geschäftsführer Matthias Blum.

Kölner Krankenhäuser benötigen Investitionsmittel in Millionenhöhe

Köln | Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) sind unterfinanziert, weil das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, berichtet der Zweckverband gemeinnütziger Krankenhäuser Köln. 500 Millionen Euro investierte NRW 2014 in die Infrastruktur und Technik seiner Kliniken. Der tatsächliche Investitionsbedarf aber soll jährlich bei 1,5 Milliarden Euro liegen. Im Ergebnis beträgt die jährliche Förderlücke damit eine Milliarde Euro. Dieses Fazit zog Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft NRW, der zur Veranstaltung „Bündnis für gesunde Krankenhäuser – Investieren aus Verantwortung“ am heutigen Dienstag, 6. September, in die Kölner Flora gekommen war.

Über 200 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen waren dort, um sich über die Auswirkungen der Finanzierungslücke zu informieren, die die RWI-Studie aktuell ermittelt hat. Für Köln bedeutet das: 83 Millionen Euro sollte das Land den 21 Krankenhäusern zur Verfügung stellen. Nur ein Drittel davon, rund 27 Millionen. Euro, sollen gewährt worden sein. Dadurch sei laut Studie aus den vergangenen Jahren ein Investitionsstau in Höhe von 800 Millionen Euro erwachsen, den auch Kölner Unternehmen durch rückläufige Aufträge zu spüren bekommen.

„In Köln hat sich ein breites Bündnis kommunaler und freigemeinnütziger Krankenhäuser formiert, die den Investitionsbedarf in NRW kritisieren. Wir benötigen bedarfsgerecht ausgestattete Kliniken, deren Räumlichkeiten und medizinische Infrastruktur auf der Höhe der Zeit sind“, erläutert Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die die Gäste begrüßte und an der Podiumsdiskussion teilnahm.

Beispiele

Der Geschäftsführer der Kliniken der Stadt Köln, Roman Lovenfosse-Gehrt, erläuter: „Die Menschen erwarten von uns zu Recht nicht nur Top-Mediziner und Pflegekräfte, sondern auch ansprechende Räumlichkeiten und moderne Technik. Die Investitionszyklen in der Medizintechnik werden immer kürzer. Damit wir auch in Zukunft innovative medizinische Diagnostik anbieten können, sind weitere Investitionen notwendig. Gleiches gilt für die Informationstechnik. Die Gesundheitspolitik fordert zu Recht eine engere Zusammenarbeit der verschiedenen Sektoren. Hierzu ist eine stärkere Digitalisierung und Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen notwendig. Um dies zu erreichen, muss das Land seiner Aufgabe nachkommen und die dringend benötigten Investitionsmittel zur Verfügung stellen.“

Stefan Dombert, Geschäftsführer der Hospitalvereinigung St. Marien GmbH, ist verantwortlich für vier Häuser in der Stadt. „Alle unsere Krankenhäuser haben mit der Förderlücke zu kämpfen. Das St. Marien-Hospital in der Innenstadt hat sich beispielsweise zu einem Zentrum für Geriatrie entwickelt, weshalb uns die Bezirksregierung eine Erweiterung um 49 Planbetten bewilligt hat. Aufgrund der hohen Inanspruchnahme werden nun weitere investive Mittel vom Land für ein neues Bettenhaus benötigt.“

Auch Geschäftsführer Dieter Kesper, Stiftung der Cellitinnen. kann mit Beispielen aufwarten: „Im St. Agatha Krankenhaus in Köln-Niehl waren wir gezwungen die Krankenhausküche kurzfristig zu schließen und fremd zu vergeben, da der gesamte Baukörper des Küchen- und Verwaltungsgebäudes trotz laufender Instandhaltung nicht mehr für den Betrieb geeignet war. Die zu geringen Fördermitteln reichten nicht aus, um neben den medizinisch „unbedingt“ notwendigen Baumaßnahmen am Krankenhausgebäude auch die Servicebereiche entsprechend zu erneuern. Und im Krankenhaus der Augustinerinnen im Severinsviertel haben wir nur mit erheblichem Einsatz von Eigenmitteln Stationen modernisieren können. Nun steht die Erneuerung der Funktionsdiagnostik mit einem Kostenvolumen von 2,5 Millionen Euro an.“

Die heute zur Verfügung stehenden Fördermittel seien für die Daseinsvorsorge der Krankenhäuser unzureichend, sind sich die Experten einig. Ohne Eigenmittel, die aus dem laufenden Betrieb erwirtschaftet werden müssen, sei der für Kölner heute als selbstverständlich geltende Standard nicht zu gewährleisten.

Hintergrund

Die Krankenhäuser in Deutschland werden dual finanziert: Die investiven Kosten trägt das Land, die laufenden die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die Beteiligung des Landes NRW wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgesenkt, während die Anforderungen und der Investitionsbedarf weiter steigen. Dadurch müssen Neuanschaffungen, Anbauten und Renovierungen geschoben oder über Gewinne und Spenden finanziert werden. Da derzeit jedes zweite Krankenhaus in Deutschland rote Zahlen schreibt, ist der Einsatz erwirtschafteter Überschüsse allerdings kaum möglich.

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