Wirtschaftsnachrichten Wirtschaft Deutschland

behandlungszimmer_pix_28062020

Ärzteverbände kritisieren Wartezeiten-Studie

Berlin | Mehrere Ärzteverbände haben eine neue Studie des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen kritisiert, der zufolge Fachärzte in Deutschland Privatversicherten vielfach deutlich schneller einen Termin gegeben haben als Kassenpatienten. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Die Wissenschaftler hatten "strukturelle Ungleichheiten beim Zugang zum Gesundheitssystem" festgestellt, nachdem sie bei knapp 1.000 Arztpraxen in ganz Deutschland unter einem Vorwand Termine angefragt hatten.

Wenn sich die Forscher am Telefon als Privatpatienten ausgaben, bekamen sie nicht nur häufiger einen Termin angeboten als die vermeintlichen Kassenpatienten, sie mussten darauf auch nur halb so lange warten. Der Versicherungsstatus des Patienten habe für viele Ärzte demnach einen "signifikanten Einfluss auf die Bereitschaft, einen Termin zu vereinbaren", heißt es in der Studie. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sieht in den unterschiedlichen Wartezeiten kein Problem.

"Objektiv betrachtet haben wir keine generelle Wartezeitenproblematik", sagte Gassen der FAS. "International betrachtet stehen wir spitzenmäßig da." Zudem stellte er die Aussagekraft der Studie infrage. Die Daten wurden vor einer Gesetzesreform erhoben, die niedergelassene Ärzte verpflichtet, mehr Sprechstunden anzubieten.

Das Gesetz aus der Feder von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) war vor gut einem Jahr in Kraft getreten. Nach Auffassung von Lars Lindemann, dem Geschäftsführer des Spitzenverbands der Fachärzte, zeigen sich Unterschiede bei der Terminvergabe nur bei Untersuchungen, die nicht dringlich sind. Ausschließlich solche Untersuchungen hatte auch die Studie aus Essen in den Blick genommen.

"Da erleidet niemand einen Nachteil, der unzumutbar ist", sagte Lindemann der FAS. Viele Facharztpraxen könnten ihre Leistungen ohne die zusätzliche Vergütung durch Privatpatienten kaum aufrechterhalten. Gesundheitspolitiker der Großen Koalition beurteilen die Ergebnisse der Studie unterschiedlich. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist überzeugt, dass die jüngste Reform das Problem unterschiedlicher Wartezeiten noch nicht gelöst hat. "Es bleibt dabei, dass gleiche Leistung unterschiedlich vergütet wird", sagte Lauterbach der FAS. Für ihn ist es "unsinnig", dass es zwei konkurrierende Versicherungssysteme gebe und die Wartezeiten für Kassenpatienten höher seien als nötig. Anders sieht es der CDU-Gesundheitspolitiker Erwin Rüddel. Er sagte der Sonntagszeitung: "Wir müssen von der Neiddebatte wegkommen." Rüddel ist Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag. Würden die Fachärzte die Privatpatienten nicht mehr vorziehen, würde die Mehrheit der gesetzlich Versicherten rechnerisch nur einen Tag Wartezeit sparen und dafür höhere Beiträge zahlen müssen, sagte Rüddel.

Zurück zur Rubrik Wirtschaft Deutschland

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Wirtschaft Deutschland

Düsseldorf | Angesichts des Wirecard-Skandals fordert der Vorstandsvorsitzende des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), Klaus-Peter Naumann, die eigene Branche zu intensiveren Prüfungen auf. "Man könnte Forensik verstärkt einsetzen und mit Hilfe von modernen IT-Systemen Auffälligkeiten prüfen", sagte Naumann dem Focus. Darüber werde in den Fachgremien derzeit diskutiert.

Wiesbaden | Die deutschen Exporte sind im Mai 2020 in Folge der Coronakrise erneut stark zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken sie um 29,7 Prozent auf 80,3 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnisse am Donnerstag mit. Auch die Importe gingen deutlich zurück.

Wolfsburg | Der VW-Konzern hat mit dem Aufbau einer zweiten Elektrofabrik in Deutschland begonnen. "Wir wandeln Emden zu einer der modernsten Fabriken unserer Industrie und entwickeln den Standort zu einem weiteren Leuchtturm-Projekt für E-Mobilität", sagte Volkswagen-Produktionsvorstand Andreas Tostmann dem "Handelsblatt".

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >