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Die ewige Diskussion um die Zukunft der Marke schadet Opel

Bochum | Eine Strategie nach dem Motto "Neue Produkte und neue Märkte" hat der Autoanalyst Willi Diez dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) empfohlen. Anders könne er kaum die Präsenz in Europa sichern, die für einen Welt-Autokonzern aber unabdingbar sei. Ministerpräsidentin Hannelöore Kraft hat unterdessen ein Ende der Spekulationen über das Bochumer Werk gefordert.

Wegen der "ewigen Diskussion um die Zukunft der Marke" gelinge es Opel nicht, das angeschlagene Image zu reparieren, kritisierte der Direktor des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft am Montag im dapd-Gespräch. Diez brachte aber auch Verständnis für die GM-Entscheidung auf, die Produktion des Kompaktwagens Astra unter anderem nach Polen zu verlagern. "Polen ist eine andere Liga", sagte er, "da sind die Löhne schon erheblich niedriger." Dennoch müsse man sich deswegen keine Sorgen um das Qualitätsniveau machen. "Opel braucht bei dem Volumenmodell höheren Profit, um Verluste bei anderen Produkten ausgleichen zu können." Auf die Frage, wie es Volkswagen schaffe, mit dem Golf den größten Astra-Konkurrenten erfolgreich und profitabel in Deutschland herzustellen, verwies er darauf, dass der Golf etwa zehn Prozent teurer sei. Dass er dennoch gekauft werde, habe er dem besseren Markenimage zu verdanken.

Beispiel Plattformstrategie

Diez erinnerte auch an das Ford- und VW-Beispiel der Plattformstrategie, also mehrere Fahrzeuge für verschiedene Zielgruppen mit einem möglichst hohen Anteil gleicher Baugruppen zu produzieren. Und überdies: "Warum sollte man den Astra nicht auch in den USA verkaufen, dann eben unter einem anderen Namen?" Ford vermarkte ja auch das Golf-Klassen-Modell Focus weltweit. Als neue Märkte für Opel empfahl Diez Osteuropa und Russland. Das werde zwar auch von General Motors immer wieder proklamiert. Aber deshalb verstehe er nicht, wieso die Marke Chevrolet gerade in Osteuropa zurzeit besonders vorangetrieben werde.

"Man kann Opel nicht retten, indem man die Kosten senkt und Werke schließt", erklärte er. In Europa müssten Kapazitäten bleiben; dazu reichten nicht die rund 160.000 GM-Autos jährlich. Das Image bessere sich etwa durch neue Produkte. Als Beispiel führte er den Insignia an, der sich am Markt etabliert habe, den Meriva und den Ampera, der als Elektroauto mit einem Benzinmotor zur Reichweitenverlängerung den Zukunftsaspekt betone. Es gebe zahlreiche weitere Lücken im Programm, die gefüllt werden müssten.

"Die wollen ein gutes Auto zum vernünftigen Preis"

"Aber die guten Nachrichten werden immer wieder kaputt gemacht durch solche Dinge wie die Diskussion um die Zukunft des Bochumer Werks", sagte Diez. Dass eine eventuelle Schließung und Verlagerung der Produktion zu boykottartigem Verhalten bei den Kunden führe, schloss er aus. "Die wollen ein gutes Auto zu einem vernünftigen Preis." Anders sei es mit der Unsicherheit des Fortbestands der Marke. "Ich werde immer wieder gefragt: Kann man sich denn überhaupt noch einen Opel kaufen? Wie lange gibt es dann noch Ersatzteile?"

Kraft fordert Ende der Spekulationen

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft fordert ein Ende der Spekulationen über die Zukunft des Opel-Werks in Bochum. "Wir wollen, dass endlich das Totenglöckchen vergraben wird", sagte die SPD-Politikerin am Montag auf einer Opel-Betriebsversammlung in Bochum. Es erzeuge viel Frust und Hoffnungslosigkeit, wenn ein Werk immer wieder totgeredet werde. Kraft betonte, die Landesregierung werde an der Seite der Opel-Mitarbeiter kämpfen. "Wir wissen, dass sich das Kämpfen lohnt, Herr Stracke", sagte sie in Richtung des Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke. Kraft fügte hinzu, die Zeit bis zur Aufsichtsratssitzung am 28. Juni, in der über die Zukunft des Werks entschieden werden soll, werde genutzt, um an alle Beteiligten zu appellieren.

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