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IG BAU erwartet 50.000 Entlassungen von Gebäudereinigern

Berlin | Die Gewerkschaft IG Bau und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks warnen vor einer Massenentlassung von Reinigungspersonal.

"Der Gebäudereinigung in Deutschland stehen dramatische Wochen bevor: Es wird massenhaft Kurzarbeit geben - insbesondere in dieser Karwoche und in der Woche nach Ostern. Sogar Massenkündigungen sind wahrscheinlich", sagte Ulrike Laux, Bundesvorstandsmitglied der IG BAU, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben).

Sie rechnet mit harten Einschnitten: "Bis Ende April erwartet die IG BAU, dass rund 200.000 der insgesamt 650.000 Beschäftigten der Gebäudereinigung ohne Arbeit dastehen werden: 150.000 mit Kurzarbeitergeld und 50.000 ohne Job - gekündigt", sagte Laux. Der Grund für die Prognose seien die wegbrechenden Aufträge, etwa in der Industrie oder in der Verwaltung. "Richtig hart trifft die Reinigungsbranche aber das Verhalten öffentlicher Auftraggeber: Etliche Behörden fahren ihre Büros leer und geben den Dienstleistern der Gebäudereinigung knallhart den Laufpass - und das trotz bestehender Verträge", sagte Laux.

Sie forderte, dass das Kurzarbeitergeld in der Reinigungsbranche auf bis zu 90 Prozent des Normalverdienstes erhöht werden sollte. Zudem sollten Reinigungskräfte, die für die Sauberkeit in systemrelevanten Einrichtungen sorgen und in Vollzeit arbeiten, einen Bonus von 300 Euro pro Krisen-Monat erhalten. Für geringfügig Beschäftigte schlug Laux einen Bonus von mindestens 150 Euro vor.

Die angespannte Lage bestätigt auch der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks: "Die jährliche Gewinnquote liegt in normalen Jahren bei 3 bis 3,5 Prozent. Schon jetzt gibt es einen Umsatzrückgang zwischen 30 und 40 Prozent, bei 80 Prozent Lohnkostenanteil. Da bleibt den Unternehmen kaum Spielraum, um zu kürzen, ohne den Personalstand zu reduzieren", sagte Bundesinnungsverbands-Geschäftsführer Johannes Bungart den Funke-Zeitungen.

Wenn nicht schnell etwas passiere, um insbesondere die Situation der rund 250.000 geringfügig Beschäftigten der Branche zu verbessern, "wird es zu einem Kahlschlag kommen", sagte Bungart. Problematisch seien derzeit auch die hohen Krankenstände. "Die Krankenstände sind enorm hoch. Normalerweise liegt der Jahresschnitt bei sechs bis acht Prozent. Jetzt liegt er zwischen 30 und 50 Prozent. Und die Tendenz ist steigend", sagte Bungart. Er forderte, dass die Gebäudereiniger in allen Bundesländern zu kritischen Infrastruktur gezählt werden müssten. "Wir sorgen dafür, dass Krankenhäuser gereinigt werden und Feuerwehrfahrzeuge nach Einsätzen und Flugzeuge, die Infizierte transportiert haben, desinfiziert werden. Ohne die Reinigung stehen diese Abläufe still, dann passiert nichts mehr. Das muss jedem bewusst sein", sagte Bungart.

Eine Umfrage des Forsa-Instituts, die den Funke-Zeitungen nach eigenen Angaben vorliegt, zeigt, dass Sauberkeit und Desinfektion stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt ist. 57 Prozent der Befragten gaben an, sich aktuell viel beziehungsweise etwas mehr als gewöhnlich mit den Themen Reinigung, Sauberkeit und Hygiene zu befassen. Die Arbeit der Gebäudereinigung in der aktuellen Krise halten 96 Prozent der Befragten für sehr wichtig (67 Prozent) oder wichtig (29 Prozent). Vor allem bei Jüngeren gewinnt die Gebäudereinigung an Bedeutung: 78 Prozent der 18-29-Jährigen halten die Gebäudereinigung für sehr wichtig.

Jeder Vierte hält die Gebäudereinigung laut der Forsa-Umfrage im Zuge der Coronakrise für wichtiger als zuvor. "Die Gebäudereinigung ist in normalen Zeiten im Hintergrund tätig, die Menschen schätzen uns, bekommen im Alltag aber wenig von uns mit. Die Coronakrise sorgt für eine deutlich höhere Wertschätzung für unser systemrelevantes Handwerk", sagte Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich den Funke-Zeitungen.

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