Wirtschaftsnachrichten Wirtschaft Deutschland

Lufthansa-Chef schließt Preiserhöhungen nicht aus

Frankfurt/Main | Lufthansa-Chef Carsten Spohr schließt Preiserhöhungen auf einzelnen Strecken nach einer Teil-Übernahme von Air Berlin nicht grundsätzlich aus. "In unserer Branche sind die Preise wie in keiner anderen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Teilweise sind sie so niedrig, dass Airlines nicht mehr überleben konnten. Das zeigen die vergangenen Wochen sehr deutlich", sagte der Lufthansa-Chef dem "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe).

Am Vormittag werden Sachwalter und Generalbevollmächtigter der insolventen Air Berlin wohl den Verkauf großer Teile von Air Berlin an Lufthansa bekannt geben. Spohr zeigte sich davon überzeugt, dass es auch künftig Wettbewerb geben wird, wenn auch nicht auf allen Strecken: "Monopole gibt es in unserer Branche nicht: Wenn eine Strecke mehr als 200.000 Passagiere pro Jahr hat, etabliert sich sehr schnell ein zweiter Anbieter", sagte der Lufthansa-Chef und fügte hinzu: "Ich bin mir sicher, dass wir insgesamt einen noch härteren Wettbewerb von gesunden Airlines erleben werden. Und wenn Sie uns mit anderen Branchen vergleichen, werden Sie feststellen, dass der Wettbewerb unter den Airlines einer der härtesten überhaupt ist." Zugleich wies er Vorwürfe zurück, im Bieterverfahren um Air Berlin sei die Lufthansa bevorzugt behandelt worden. "Wir haben nie bestritten, dass wir uns seit über einem Jahr auf einen möglichen Marktaustritt von Air Berlin vorbereitet haben. Auf diesen Gedanken hätte aber auch jeder andere Wettbewerber nach einem Blick in die öffentlich zugänglichen Bilanzen kommen können", sagte Spohr. Lufthansa habe frühzeitig Gespräche geführt und ausgelotet, wie ein solcher Schritt gelingen könne. "Jetzt wollen wir insgesamt 1,5 Milliarden Euro in das Wachstum der Eurowings investieren und damit 3.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen", sagte Spohr.

Das sei eine halbe Million Euro pro Arbeitsplatz. "Seitdem diese Zahlen im Markt bekannt sind, sind diejenigen, die uns vorwerfen, dass es im Bieterverfahren keinen vernünftigen Wettbewerb gegeben habe, recht ruhig geworden. Denn nach allem, was bekannt ist, wollte keiner der anderen Mitbieter auch nur ansatzweise in dieser Dimension investieren", so Spohr.

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