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Siemens-Aufsichtsrat Kerner: "Dahin gehen, wo es weh tut"

München | Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner vermisst im Streit um Standortschließungen echte Gesprächsbereitschaft der Konzernleitung. Er erwarte, dass nicht nur Arbeitsdirektorin Janina Kugel, sondern auch Vorstandschef Joe Kaeser und das für das Energiegeschäft zuständige Vorstandsmitglied Lisa Davis an die Standorte gehen und mit den Beschäftigten reden, sagte der IG-Metall-Vorstand dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). "Wer zu Analysten und Preisverleihungen geht, der muss auch dahin gehen, wo es wehtut."

Die Siemens-Beschäftigten wollten ja nicht die Uhr anhalten, sondern den Wandel aktiv mitgestalten. Aber niemand wolle ihre Vorschläge hören. "Wenn wir darüber reden wollen, wie wir Standorte neu aufstellen und effizienter werden können, sitzen wir morgen sofort am Verhandlungstisch", sagte Kerner.

"Wir sehen aber keinen Sinn darin, wenn die Schließung als alternativlos hingestellt wird." Siemens habe auch eine gesellschaftliche Verantwortung, betonte Kerner, der seit 2012 im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. Die Standorte im Osten, in Berlin oder im Ruhrgebiet lägen alle nicht in Regionen, denen es gerade wirtschaftlich richtig gut gehe.

"Wenn sich ein Großkonzern wie Siemens hier zurückzieht, müssen wir uns nicht wundern, wenn über das Versagen von Eliten diskutiert wird." Das erkläre auch den Einsatz von Politikern wie SPD-Chef Martin Schulz: Viele Großaufträge habe Siemens nur gewinnen können, weil sich die Politik bis hin zum Wirtschaftsminister und der Kanzlerin persönlich für den Konzern eingesetzt habe, sagte Kerner. "Wenn sie nicht aufpasst, muss sie sich jetzt vorwerfen lassen, Lobbyarbeit für einen Konzern zu machen, der Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet."

Statt mit Briefen auf die Schulz-Kritik zu reagieren, sollte Vorstandschef Joe Kaeser lieber "direkt an den Standorten mit den betroffenen Menschen reden". Als letztes Mittel schließe die IG Metall auch Streiks für einen Sozialtarifvertrag nicht aus, erklärte der Gewerkschafter. Der könnte die Schließungskosten so sehr erhöhen, dass der Standorterhalt für den Konzern günstiger wäre.

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