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System "Goldfinger": Ausmaß größer als bisher vermutet

Berlin | Das Ausmaß der vermuteten Steuerhinterziehungen mittels fingierter Goldhandelsfirmen ist größer als bisher vermutet. Die Staatsanwaltschaft sieht einen Fall systematischer Steuerhinterziehung in großem Ausmaß, berichtet das "Handelsblatt". Nach den Erkenntnissen der Ermittler hat eine Clique von Steueranwälten und -beratern ab 2007 ein regelrechtes Steuerhinterziehungsmodell entwickelt, welches unter dem Namen "Goldfinger" bekannt wurde.

Zunächst sollen sie das Modell selbst genutzt haben, dann haben sie es an einkommensstarke Mandanten verkauft. Die Staatsanwälte hegen den Verdacht, dass es sich bei den Goldhandelsfirmen in London lediglich um Scheingesellschaften handelt, für die Strohmänner eingesetzt wurden. Gesteuert wurden die Geschäfte indes aus München.

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Augsburg hatte Mitte Januar wegen des Falls eine Großrazzia veranlasst. Mit mehr als 800 Beamten wurden 200 Objekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsucht. Sieben Anwälte und Berater wurden in Untersuchungshaft genommen, zudem stehen rund 100 Investoren auf der Beschuldigtenliste.

Bei dem fragwürdigen Modell ging es darum, durch den angeblich professionellen Handel mit Gold oder anderen Edelmetallen den Steuersatz bis auf null abzusenken. Der Kauf der Goldes in einem Jahr konnte zur Ermittlung des Steuersatzes in Deutschland als Verlust geltend gemacht werden. Bei Steuerexperten ist dieses Prinzip unter dem Stichwort "negativer Progressionsvorbehalt" bekannt.

Für die restlichen Einkünfte etwa aus Job, Kapitalanlagen oder Immobilien wurden damit oftmals keine Steuern mehr fällig. Erst 2013 beendete der Gesetzgeber das Treiben. Die Verdächtigen im Augsburger Fall hielt das allerdings nicht davon ab, ein ähnliches Modell zu kreieren.

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