NBA-Star Dennis Schröder bejubelt den Sieg der deutschen Mannschaft über Litauen bei der Basketball-EM in Köln. Foto: Bopp

Köln | Was für ein Thriller, was für eine Dramatik!

Deutschland besiegt bei der Basketball-Europameisterschaft Litauen mit 109:107 nach zweimaliger Verlängerung und feierte den dritten Sieg im dritten Spiel. Damit hat die Mannschaft von Trainer Gordon Herbert bereits das Ticker für das Achtelfinale in Berlin in der Tasche.

Jedoch mussten Besucher und Spieler zuvor bange Minuten überstehen. Als Ignas Brazdeikis eine Sekunde vor der Sirene einen Wurf in Richtung Korb abgab, stockte den über 18.000 Fans in der Lanxess-Arena der Atem. Hätte der Litauer getroffen, wäre die Partie im letzten Moment verloren gegangen. Doch der Versuch flog an den Ring und von dort aus ins Feld zurück.

Basketball-EM: Deutschland besiegt Litauen

Danach brachen bei den Spielern und den Zuschauern alle Dämme, ein sensationelles Basketballspiel hatte nach intensiven 50 Minuten einen Sieger gefunden. Garant dafür war Franz Wagner. Der Star der Orlando Magic erzielte unter Beobachtung von Mats Hummels und Niko Schlotterbeck von Borussia Dortmund 32 Punkte. Dazu war Maódo Lô (21 Punkte), der mit zwei Dreiern am Stück das deutsche Team auf die Siegerstraße brachte, ungemein wichtig.

„Es war auf jeden Fall wild, aber es war richtig geil. Die Stimmung ist krass hier. Dass wir so zurückgekommen sind: Solche Spiele sind immer noch ein bisschen geiler“, sagte Wagner mit einem breiten Grinsen. NBA-Star Dennis Schröder lobte seinen Kollegen: „Wenn er so weitermacht, wird er ein sehr, sehr Großer.“

Johannes Thiemann hängt nach einem Wurfversuch auf Korb. Foto: Bopp

Und auch Johannes Thiemann konnte die Mega-Leistung von Wahnsinn-Wagner nicht fassen: „Das ist unglaublich. Der Typ ist geisteskrank. Mit was für einem Selbstverständnis er spielt. Das ist wirklich beeindruckend.“

Basketball-EM: Litauen legt Protest ein

Der knappe Erfolg könnte jedoch noch ein Nachspiel haben, denn der Verlierer hat beim europäischen basketballverband bereits Protest gegen die Niederlage eingelegt. Der Grund: Die Schiedsrichter hatten im dritten Viertel vergessen, einen dritten Freiwurf für die Litauer ausführen zu lassen. Danach gab es hitzige Diskussionen rund um den Kampfnehmertisch, doch die Verantwortlichen entschieden sich dazu, im Nachhinein den Freiwurf nicht durchführen zu lassen.

„Ich verstehe immer noch nicht, wie uns die Schiedsrichter einen Freiwurf beim technischen Foul nicht ausführen lassen“, sagte Litauens Nationaltrainer Kazys Maksvytis auf der Pressekonferenz verärgert. Sein Frust wird sicherlich noch größer werden, denn Protest hat nur geringe Chancen auf Erfolg. Denn laut Regelwerk ist der Freiwurf nicht nachholbar, so dass es eine Tatsachenentscheidung war.

Nach einem freien Montag geht es für die deutsche Mannschaft am Dienstag in der Lanxess-Arena weiter. Dann wartet mit Slowenien der nächste schwere Brocken. Wenn das Team mit der gleichen Leidenschaft und einem Franz Wagner in Bestform aufläuft, sind auch gegen den Titelverteidiger wieder Wagner-Festspiele möglich.