Düsseldorf | Im Jahr 2013 hat der Kampfmittelräumdienst in Nordrhein-Westfalen 918 Bomben entschärft. Die meisten Bomben würden heute durch Auswertung von Luftbildern der Alliierten gefunden und die wenigsten seien Zufallsfunde, so das NRW Innenministerium.

Im vergangenen Jahr entschärften die Fachleute 918 Bomben (Vorjahr: 706). Dazu zählen neben den 228 (239) Bomben mit einem Gewicht von 50 Kilogramm und mehr, auch Nebel-, Brand-, Splitter- und kleinere Sprengbomben. Insgesamt wurden 11.831 Kampfmittel (6.412) geräumt, darunter 8.345 Granaten (4.611), 861 Handgranaten (709), 144 Minen (63) und 1.563 (1.032) andere Sprengmittel. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl deutlich erhöht. Fünf Bomben mussten vor Ort wegen ihres Zünderzustands oder besonders kritischer Langzeitzünder gesprengt werden.

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Dortmund größte Evakuierung nach dem II. Weltkrieg

Im November 2013 fand in Dortmund die größte Evakuierung seit Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Dort war ein Blindgänger bei der Luftbildauswertung für ein Bauvorhaben auf dem Gelände eines Industrieunternehmens entdeckt worden. Die Kampfmittelräumer rückten aus und fanden eine britische Luftmine mit einem Gewicht von ca. 1,8 Tonnen vor. Wegen der Größe der Mine und der Menge des enthaltenen Sprengstoffs musste im Radius von 1500 Metern geräumt werden. Rund 20.000 Menschen verließen ihre Häuser, ein Krankenhaus und ein Altenheim wurden evakuiert.

Ein Toter in Euskirchen

Im Januar dieses Jahres geschah in einem Bauschutt-Recyclingbetrieb in Euskirchen ein tragischer Unfall. Ein Baggerfahrer kam bei der Explosion eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg ums Leben, 13 Menschen wurden verletzt. Wahrscheinlich kam die Luftmine zusammen mit Bauschutt unbemerkt auf das Betriebsgelände. Auch hier handelte es sich um eine britische Luftmine. Bei einer Größe von 76 Zentimetern Durchmesser und mehr als zwei Meter Länge ähnelt diese eher einem Industriebehälter als einer Weltkriegsbombe. Möglicherweise erkannte der Baggerfahrer deshalb nicht die Gefahr. Der exakte Unfallhergang konnte bisher nicht aufgeklärt werden.

Die Kosten

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs verursachen weiter hohe Kosten. Im vergangenen Jahr zahlte das Land rund 17,1 Millionen Euro, um Kampfmittel zu beseitigen und die Entsorgungstechnik zu modernisieren. Der Bund erstattete etwa 1,3 Millionen Euro für die Beseitigung der ehemals reichseigenen Munition. An private Räumfirmen vergab Nordrhein-Westfalen Aufträge in Höhe von 5,5 Millionen Euro.

Autor: ag
Foto: Anfang Januar starb ein Baggerfahrer in Euskirchen

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