Interview mit dem Kölner Comedy-Star Carolin Kebekus
Köln | Am 27. Mai startet die zweite Staffel der Carolin-Kebekus-Show um 22.50 Uhr in der ARD. Für die Show gab es gerade den renommierten Grimme-Preis. Wir haben mit dem Kölner Comedystar vorab gesprochen.

Sie haben schon mehrfach den Comedy-Preis bekommen, jetzt werden Sie für „Die Carolin Kebekus Show“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

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Carolin Kebekus: Der Grimme-Preis ist für Fernsehschaffende das Größte in Deutschland. Das Timing dafür ist perfekt, da wir jetzt mit der zweiten Staffel unserer WDR-Show starten. Der Preis ist eine große Wertschätzung für unser Team und unsere Arbeit. Die Begründung der Jury zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Menschen haben Lust auf gutes Fernsehen.

Wenn Sie sich die Nachrichten im Moment anschauen, bekommen Sie ständig Steilvorlagen für Ihre Show.

Kebekus: Das stimmt. Als das Gutachten zum Missbrauchsskandal der katholischen Kirche im Erzbistum Köln veröffentlicht wurde, dachte ich schon schade, dass unsere Show noch nicht im Fernsehen ist. Dazu hätte ich gute Ideen gehabt. Ich war überzeugt, dass Woelki zurücktreten wird und das Thema an Brisanz verliert. Doch der Kardinal trotzt allen Erwartungen und bleibt im Amt. Leider! Das ist zwar schön für unsere Sendung, aber schrecklich für die Thematik an sich. Für mich gab es im Leben immer zwei rote Fäden – das war die katholische Kirche und der Kölner Karneval. Es ist eine schmerzliche Erfahrung, dass man in beiden Institutionen als Frau ein minderwertiges Mitglied ist. Erschreckend finde ich auch, dass es trotz der Missbrauchsfälle keinerlei Veränderungen der Strukturen gibt, die die Ursachen für diese Vorfälle darstellen.

Sie sind inzwischen aus der Kirche ausgetreten.

Kebekus: Das war 2013. Es ist für mich unglaublich, dass in einem Land wie Deutschland der Täterschutz wichtiger ist, als den Opfern zuzuhören. Die haben ein Recht zu erfahren, wie das, was man ihnen angetan hat, geschehen konnte. Bei dem Thema muss ich ein paar Mal tief durchatmen. Ich bin in einer katholisch geprägten Familie aufgewachsen und habe inzwischen den Eindruck, dass die Botschaft, dass Jesus alle Menschen liebt, irgendwie verschütt gegangen ist.

Der Glaube ist Ihnen aber geblieben?

Kebekus: Der Glaube ist etwas sehr Individuelles. Ich habe die Gemeinschaft, in der man gemeinsam singt und gemeinsame Werte pflegt, durchaus genossen. Ich wurde christlich erzogen und die ganze Familie ist eng mit der Kirche verbunden. Ich war zum Beispiel in der Kolping-Jugend aktiv. Für mich geht es beim christlichen Glauben um Menschlichkeit und Liebe. Gott ist für mich mit der Liebe gleichzusetzen. Aber ich habe auch durch meine Urgroßmutter und meine Großmutter die strafende Seite kennengelernt. Als Kind hatte ich immer Angst, wenn ich gesehen habe, wie Jesus als Leichnam am Kreuz hängt. So hat der Glaube etwas Schönes und etwas Beängstigendes gleichermaßen. Es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie frauenfeindlich sich die Kirche verhält, die sich auch weigert homosexuelle Paare zu segnen und die es stoisch hinnimmt, wenn die Menschen in Scharen austreten. Bei Homosexuellen wird von Sünde gesprochen und trotzdem bleiben die eigenen Sünden beim Missbrauch weiter ungestraft. Ich bin mir gleichzeitig bewusst, wie wichtig die Kirche und der Glaube als moralischer Anker für die Menschen ist. Meine Urgroßmutter und meine Großmutter hätten den Weltkrieg ohne ihren Glauben nicht überlebt. Umso mehr tut es einem als Christin weh, wenn man sieht, welches Bollwerk der Macht da seit dem Mittelalter die Zeiten überdauert hat. Ich habe große Sympathien mit der Bewegung Maria 2.0. Diese gebildeten Frauen sind vielen Bischöfen haushoch überlegen.

Wie wichtig ist in diesen Zeiten Fernsehen mit Haltung?

Kebekus: Fernsehen mit Haltung ist sehr wichtig, gerade bei einer wöchentlichen Sendung, die Dinge für die Zuschauerinnen einordnen kann. Mit Humor und Satire kann man sehr komplizierte Sachverhalte auf das Wesentliche herunterbrechen und auf den Punkt bringen. Es ist toll, dass es so eine Kunstform gibt.

Was hat sich bei der zweiten Staffel der Show im Vergleich zur ersten verändert?

Kebekus: Wir können nun unsere Arbeit ganz anders machen. Bei der ersten Staffel während des ersten Lockdowns gab es noch keine Tests. Da war vieles bei den Dreharbeiten nicht möglich. Natürlich beachten wir weiterhin sämtliche Coronaschutz-Maßnahmen, aber durch die Tests sind wir jetzt freier bei unserer Arbeit und können auch wieder eine Band ins Studio holen, sodass ich nicht alleine im Raum stehen muss.

Worum geht es bei der ersten Sendung am 27. Mai?

Kebekus: Da liegt der Fokus auf dem Fußball mit dem DFB und der EM. Man stellt sich die Frage, was für ein System man da als Fan unterstützt. Allein die Äußerungen von der DFB-Spitze sind nur sehr schwer auszuhalten. Deshalb haben wir für enttäuschte Fans mit dem Sportball eine neue Sportart erfunden. Die hat hoch komplizierte Regeln, die kein Mensch versteht.

Sie sind ja bekanntlich selbst Fußballfan.

Kebekus: Ich bin leidenschaftlicher FC-Fan und gehe, wenn das möglich ist, auch regelmäßig ins Stadion. Jetzt wird der FC wie andere Traditionsclubs vielleicht absteigen. Die Kölner befinden sich sowieso in einer Parallelwelt, die irgendwo zwischen Erster und Zweiter Bundesliga angesiedelt ist.

Ihre Tour musste immer wieder verschoben werden. Wie sehr fehlt Ihnen das Publikum?

Kebekus: Durch den Lockdown und die Veranstaltungsverbote ist ein Hauptlebensinhalt von mir weggebrochen. Ich bin als Künstlerin aber durchaus privilegiert, weil ich ein Buch schreiben kann und mich mehr aufs Fernsehen konzentriere. Das können nicht alle so machen. Meine Live-Crew hat seit einem Jahr Arbeitsverbot. Der eine oder andere hat sich beruflich schon umorientiert und arbeitet zum Beispiel im Landschaftsbau. Die Situation ist eine große psychische Belastung für die Menschen, weil ihnen die Wertschätzung fehlt. Jetzt haben wir ein wenig Hoffnung, dass es im Herbst wieder losgehen könnte.

Sie haben die Zeit im Lockdown genutzt und ein Buch geschrieben. Worum geht es im Buch?

Kebekus: Das Buch, das am 7. Oktober erscheinen wird, hat den Titel „Es kann nur eine geben“ und handelt von der Konkurrenz unter Frauen. Diese haben gefühlt in der Gesellschaft deutlich weniger Platz und müssen deutlich mehr für ihre Karriere kämpfen. Das beginnt schon beim Krippenspiel im Kindergarten. Da gibt es mit der Maria nur eine weibliche Hauptrolle und 20 Mädchen in der Bärchengruppe, die diese haben wollen. Da wird die Stutenbissigkeit schon in der Kindheit gesät. Auch Prinzessinnen sind einsam, alle anderen sind nur böse Königinnen oder fiese Stiefschwestern. Selbst bei den Schlümpfen gibt es nur ein Schlumpfinchen und die hat anders als die Schlümpfe keine Charaktereigenschaft. Sie ist nur Frau. Im Berufsleben durfte ich die Konkurrenz auch erleben. So gab es in den Mixed-Shows immer nur eine Frau und wenn die gefunden worden war, hatten alle anderen das Nachsehen. Bei so einer großen Konkurrenz fällt es Frauen schwer untereinander solidarisch zu sein.

Was bedeutet für Sie Ihre Heimatstadt Köln?

Kebekus: Auch wenn man als Frau im Karneval und in der Kirche ständig herabgewürdigt wird, liebe ich Köln und identifiziere mich mit der Stadt. Ich liebe das Kneipengefühl, die Sentimentalität und die ständige Selbstverliebtheit der Kölner. Zudem lebt meine gesamte Familie hier.

Autor: Von Stephan Eppinger
Foto: Pressefoto zur Carolin Kebekus Show. Foto: WDR

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