„Impulse für Kinder und Jugendliche fehlen“

Köln | „Wir machen uns Sorgen um Kinder und Jugendliche. In Zeiten, in denen die Schulen schließen müssen, fehlen Impulse und emotionale Erlebnisse. Es fehlt die Lebendigkeit. Hier stehen wir als Kinder- und Jugendtheater in der Pflicht“, sagt die künstlerische Leiterin des Comedia-Theaters in der Südstadt, Jutta M. Staerk. Beim digitalen Weltkongress der Kinder- und Jugendtheater habe sich gezeigt, dass Deutschland beim Umgang mit der Pandemie noch verhältnismäßig gut unterwegs sei. „Eine Erhebung in den Niederlanden hat beispielsweise gezeigt, dass dort schon ein Drittel der Kulturschaffenden ihren Beruf aufgegeben habe.“

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„Deshalb ist es notwendig, dass wie weiterplanen, damit wir bereit sind, wenn es wieder losgeht“, erklärt Staerk bei der Präsentation der Spielzeit 2021/22. Insgesamt neun Premieren wird es ab August geben. Neu ist dabei, dass es erstmals junges Musiktheater im Programm gibt. Neu ist auch, dass die Probebühne unter dem Dach der früheren Feuerwache an der Vondelstraße als Spielstätte für kleinere Produktionen mit einbezogen wird. Früher hatte die Feuerwehr dort ihre eigene Turnhalle.

Die erste Premiere ist für den 14. August geplant. Dann kommt die „Fem-Fame-Night“ von Manuel Moser und Sibel Polat auf die Bühne. Die Regisseurin wird selbst durch die Late-Night-Show führen, die auch schon mal früh morgens für Schüler angeboten wird. Vorgestellt werden 33 Frauen, die die Welt verändert haben und Frauen, die daran arbeiten die Welt zu verändern. Diese Frauen sind Vorbilder und Persönlichkeiten, die für die Gesellschaft gerade jetzt von großer Bedeutung sind.

Weiter geht es einen Tag später mit einem Klassiker der Jugendliteratur von Jules Verne, der in einer neuen Fassung von Markolf Naujoks inszeniert wird. „20.000 Meilen unter dem Meer“ ist eine vor Jahrzehnten entwickelte Vision für künftige Gefahren für den Planeten, die nun aus heutige Sicht neu betrachtet wird. Der Gründer des Comedia-Theaters, Klaus Schweizer, übernimmt die Rolle von Kapitän Nemo. Naujoks hatte seine Karriere als Regieassistent im Comedia-Theater begonnen und ist heute ein gefragter Regisseur.

Am 11. September kommt „Das Geheimnis der wilden Gans“ als internationale Koproduktion mit dem belgischen Agora Theater auf die Bühne. Als Basis dient die von Hannah Arendt verfasste Geschichte „Die weisen Tiere“, in der sich ein kleines Mädchen auf die Reise macht, um die Gans mit dem schönen schwarzen Fleck zu finden, die ihr einst begegnete und davonflog. Die jungen Zuschauer können sich auf besonders kraftvolle und farbenfrohe Bilder freuen.

Stehen zu Beginn der Spielzeit weibliche Vorbilder im Mittelpunkt, geht es bei „Linea alba“ am 23. Oktober um die tänzerische Auseinandersetzung mit Bildern der Männlichkeit. Inszeniert wird dieses Stück mit drei Tänzern von Lin Verleger. Die Linie selbst ist bei durchtrainierten Körpern ein Schönheitsmerkmal. Junges Musiktheater gibt es ab dem 20. November erstmals in der Südstadt mit „Schrödingers Oper“ als Koproduktion mit dem Jungen Nationaltheater Mannheim. Das Stück versteht sich als Zufallsperformance, bei der die jungen Zuschauer auf der Probebühne zum Mitmachen aufgefordert werden.

„Im Wald“ von Ruth Johanna Benrath erzählt als skurrile Umweltsatire ab dem 15. Januar die Geschichte einer Familie, die sich in der Corona-Pandemie aufs Land flüchtet und ein Leben im Wald beginnt. Darüber sind die Bewohner des Waldes alles andere als begeistert und setzen sich zur Wehr. „Eltern im Outer Space“ ist der Arbeitstitel eines Stücks, das am 5. März seine Premiere feiert. In zehn Episoden werden zehn verschiedene Leben von jungen Menschen erzählt, die mit den Schwächen ihrer Eltern zurechtkommen müssen.

„Was wäre wenn“ ist eine Koproduktion mit Toboso aus Essen, die am 23. April 2022 Premiere feiert. Im performativen Stück geht es um Visionen und den Umgang mit Unvorhergesehenem. Bei „Die sich nicht fürchten“ ist die Premiere im Januar geplant. Die theatrale Stadtteil-Installation wird nicht im Theater, sondern an Orten in Kalk und Mülheim aufgeführt. Zuvor werden dort Themen gesammelt. Es geht bei den sogenannten „Brave-Spaces“, um einen Gegenentwurf und der Utopie zu gesellschaftlich geprägten Angsträumen.

Weiter im Repertoire sind Klassiker wie „Emil und die Detektive“ oder „Kohlhaas“, aber auch Stücke wie „Ikar“ oder „Satelliten am Nachthimmel“, die wegen Corona kaum zur Aufführung kamen. Geplant sind zudem Festivals wie „Westwind“ vom 19. bis zum 25. August und „Spielarten“ vom 3. bis zum 8. Oktober. „Bohei“ wird es in der geplanten Form erst Ende Juni 2022 geben. In diesem Jahr ist ein zweitägiges Kurzprogramm vorgesehen, das sich über das gesamte Haus verteilt.

comedia-koeln.de

Autor: Von Stephan Eppinger

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