Crocodiles-Headcoach David Odenthal in seinem Element. Foto: Petro Cologne

Köln | Nicht mehr lange und es heißt: Playoff-Zeit in der GFL (German Football League). Die Cologne Crocodiles müssen bei den Munich Cowboys ran (10.9., 15 Uhr) und bereiten sich in der Woche auf das Duell in Bayern vor.

Im Interview mit report-K spricht Headcoach David Odenthal über die Chancen seiner Überraschungstruppe in den Playoffs und über die Rolle des US-Sports in Köln.

David, gehen Sie nach drei Siegen am Stück wirklich als Außenseiter ins Duell mit Munich?

David Odenthal: Wenn ich mir München angucke, haben die eine sehr gute Verteidigungsstruktur, sie sind defensiv sehr stark. Offensiv so einzuordnen wie Berlin Adler und Rebels. Klar ist: Wenn du so weit kommst und reifst und drei Spiele gewonnen hast hintereinander, dann gehst du mit einem gewissem Selbstbewusstsein da rein, wir fahren ganz klar nach München, um auch weiterzukommen.

Headcoach David Odenthal spricht zu seiner Truppe. Foto: Hubert Baedorf

Wie ist die Stimmung momentan?

David Odenthal: Wir haben ja ein junges Team und da ist das Ganze ein sehr zerbrechliches Ding. Ich sehe, da ist was entstanden bei uns in der Zeit. Man muss ja realistisch sein: Keiner dieser Jungs hat zuvor eine ganze Bundesligasaison gespielt, die sind physisch zwischen Himmel und Hölle, da versuchen wir die Belastung runterzuschrauben in der Trainingswoche. Wir gucken uns München an, wir haben Lücken identifiziert. Die Playoffs haben ihre eigenen Gesetze, es ist alles möglich.

wir können an einem guten Tag jeden schlagen, sogar ganz weit gehen, wenn wir perfekt spielen.

David Odenthal

Können die Crocodiles ein Footballwunder schaffen und Meister werden?

David Odenthal: Wir haben ja in der Liga schon den Beinamen „Cinderella Team“ bekommen. Ich weiß noch wie schwer die Anfänge der Saison waren: Es verging keine Woche, dass nicht ein Kandidat von uns nicht bei Fire oder den Centurions gelandet ist.

In Amerika heißt es: any given Saturday, jedes Team kann jedes Team schlagen, bei uns heißt es any given Sunday, da müssen wir liefern, der Druck ist da, wir können an einem guten Tag jeden schlagen, sogar ganz weit gehen, wenn wir perfekt spielen.

Ausnahmespieler: Jarvis McClam gilt als Touchdown-Maschine. Foto: Bopp

Sind Jarvis „Big“ McClam und AJ Jackson die beiden, auf die es jetzt ankommt?

David Odenthal: Jarvis und AJ sind natürlich zwei Monster, die gehören zu den Top Spielern der Liga, der Dreh und Angelpunkt ist für mich aber Chris Strong. Auch weil er härter als jeder Spieler arbeitet, wir treffen uns fast täglich, nach meiner regulären Arbeit, wir korrigieren Sachen, der ist nicht nur der Ballverteiler, sondern Kopf der Offense.

In Köln regiert der FC, es gibt die Haie. Braucht man als Coach einer Football-Mannschaft fast ein sportliches Wunder, um die Kölner vom American Football zu begeistern?

David Odenthal: Der Football hat mir vieles gegeben. Ich bin 2000 in die USA gegangen, habe vier Jahre College gespielt, Freunde und Beziehungen gefunden, so dass ich sage: ich muss das Spiel zurückgeben. und was gibt es schöneres als in der Stadt, die ich liebe?

Klar: Es gibt den KEC und den FC; ich fiebere auch mit denen mit. Mit Baumgart, der so authentisch ist, der so reinpasst. Auch wenn es jedes Jahr Startup Charakter bei uns hat, freue ich mich immer wieder, wenn Leute, die das erste Mal bei einem unserer Spiele waren, sagen: „Ich war zum ersten Mal da, ich komme wieder“. Seit ein paar Jahren sehe ich auch überall NFL-Fans.

Unser Sport ist schön, jeder ist gleich, die kleinen, dicken, starken, großen. Es ist eine Mammutaufgabe, aber egal wo ich bin, ich werde immer versuchen die Begeisterung weiter zu pushen. König Fußball regiert, doch wir haben auch eine Kooperation mit den Haien, es sind beides US-amerikanische Sportarten. Dann hast du zwei Mannschaften, die sich um die Fans streiten, das ist schade, dass man es in Köln nicht schafft sich auf ein Team zu konzentrieren und ein Familienfest draus zu machen.

Wie kann ein Klub wie die Crocodiles Gesichter schaffen und Typen wie McClam und AJ halten?

David Odenthal: Keiner wird im Football so reich, dass er für immer davon leben kann. Es geht darum langfristig zu spielen, sich vielleicht etwas nebenbei aufzubauen als Coach.

Für uns ist das schon familiär, es gibt auch wenige Anlaufstellen, die so viele Beziehungen haben in die NFL wie das bei uns der Fall ist. Das spricht sich rum, die Amis werden sehr gut behandelt. Es geht darum sie heimisch fühlen zu lassen, dann bleiben sie auch standhaft wenn spontan Angebote kommen.