Köln | Es erinnert ein wenig an das großen Sprachengemisch am berühmten Turm von Babylon, wenn aus den Lautsprechern im Ausstellungsraum der Artothek Stimmen in verschiedenen, unbekannten Sprachen an das Ohr des Besuchers gelangen. Die direkte Übersetzung auf Englisch läuft, der jeweiligen Sprachgeschwindigkeit angepasst, als raumgreifende Projektion über die weißen Wände.

Zwei Jahre hat die Videokünstlerin Tessa Knapp in Deutschland und weltweit Stimmen für ihre Installation „Voices“ gesammelt. Gefragt wurden die Menschen nach einem Moment, an dem sie sich besonders lebendig gefühlt haben. „Es ging mir dabei um ihr subjektives Empfinden. Es waren Menschen, die als Flüchtlinge gerade in Köln angekommen sind, aber auch Menschen, die schon jahrelang hier in der Stadt leben“, erläutert Knapp.

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Gesammelt wurden wurden die O-Töne, die in der Installation nach Themen geordnet sind, auch in anderen Ländern wie beispielsweise in Kenia, das mit drei im Land gebräuchlichen Sprachen vertreten ist. Insgesamt gab es 34 Teilnehmer und 25 verschiedene Sprachen. Auf einen deutschen Beitrag hat Knapp ganz bewusst verzichtet. „Es ging mir um das Nichtverstehen der Vielsprachigkeit, durch das man die Stimmen eher musikalisch nach ihrem Klang hören kann. Das Erleben der Stimmen soll frei bleiben von dem, was bestimmte Konnotationen bei Hörer hervorrufen könnten.“ Somit stellt die Arbeit die sinnlich-ästhetische Wahrnehmung dem differenziert-begrifflichem Denken gegenüber.

Auch Künstlerkollegen von Knapp sind dabei. „Das sind oft nomadische Menschen, die zwischen Paris, Istanbul oder anderen Metropolen pendeln.“ Insgesamt drei Projektoren werfen die Übersetzungen an die Wand des Ausstellungsraums. Diese stammen direkt von den Sprechenden. Der Text an der Wand läuft wie ein Nachhall den Stimmen aus den drei Lautsprechern hinterher. Zu den Sprachen gehören Japanisch und Thailändisch genauso wie Syrisch und Afghanisch oder Finnisch und Ungarisch. Die Altersspanne reicht von jungen Erwachsenen bis zu Menschen mit Ende 50.

 

Infobox „Voices“

Zur Person: Tessa Knapp wurde 1981 in Stuttgart geboren, studierte Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln und schloss 2007 ihr Studium bei den Professoren Marcel Odenbach, Matthias Müller und Siegfried Zielinski mit Auszeichnung ab.

Termin: Zu sehen ist die Installation in der Artothek, Am Hof 50, noch bis zum 20. Februar. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 13 bis 19 Uhr und samstags 13 bis 16 Uhr.

www.museenkoeln.de/artothek

Autor: Stephan Eppinger

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