Sonderausstellung im Kölner Ludwig zeigt die Rezeptionsgeschichte in Ost und West

Köln | Pablo Picasso gehört weltweit zu den bekanntesten Künstlern der Moderne. Dass der Künstler in seiner Wahlheimat Frankreich Mitglied der Kommunistischen Partei war und dass er sich für deren Ziele intensiv engagierte, wissen heute zumindest in den alten Bundesländern nur noch wenige Menschen. In der ehemaligen DDR war der politische Picasso dagegen deutlich präsenter. Dort nahm man ihn als Unterstützer von Befreiungskämpfen und Friedenskongressen intensiver wahr.

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Auch ein Künstler wie Bertolt Brecht interessierte sich für den politischen Menschen hinter dem Künstler und gestaltete einen Theatervorhang in seinem Berliner Ensemble mit der berühmten Friedenstaube seines „Bruders Picasso“ – ein Motiv, das auch im Westen durchaus bekannt war. Der Theatervorhang ist eines der mehr als 150 Exponaten, die ab heute in der Sonderausstellung „Der geteilte Picasso“ im Kölner Museum Ludwig zu sehen ist. Neben Werken aus der umfangreichen Sammlung des Hauses sind bis zum 30. Januar auch Plakate, Kataloge, Presseberichte, Briefe, Akten, Filme und Fernsehberichte in Köln zu sehen.

„In dieser Ausstellung steht der Besucher und seine Rezeption im Mittelpunkt. Es gibt keine objektive Rezeption, da die Wahrnehmung von Kunst immer vor dem sozialen Hintergrund des Betrachters passiert. Es hängt davon ab, in welchen politischen System dieser lebt und in welcher Zeit er den Werken begegnet. Das haben wir in dieser Ausstellung auf den Punkt gebracht“, sagt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior.

Entsprechend hat man bei „Der geteilte Picasso“ auch auf die frontale Präsentation der Exponate an weißen Wänden verzichtet. Die Architektur des Künstlers Eran Schaerf, sorgt dafür, dass der Besucher sich um die schräg im Raum stehenden Wände bewegen muss. Diese sind teilweise transparent und präsentieren ihre Informationen und Ansichten auf der Vorder- und auf der Rückseite. So kann der Betrachter seinen Standort immer wieder ändern und sucht sich so seinen eigenen Weg durch die Ausstellung. Extra für diesen Anlass drehte Peter Nestler seinen Film „Picasso in Vallauris“, der das Wandgemälde „Krieg und Frieden“ in die Ausstellung überträgt.

Zentraler Bestandteil der Schau ist die Picasso-Sammlung von Irene und Peter Ludwig. Sie ist weltweit nach Paris und Barcelona die drittgrößte. Peter Ludwig, der 1950 über Picasso promovierte, erwarb 1967 das erste Werk des Künstlers und erweiterte später kontinuierlich die Sammlung, die heute im Besitz des Museums ist. Peter Ludwig war es auch, der ab dem Ende der 70er Jahre dafür sorgte, dass die Menschen in der DDR mehr Originale von Picasso zu sehen bekamen. Dazu dienten zum Beispiel Dauerleihgaben an die Nationalgalerie in Ostberlin. Zu sehen sind im Ludwig auch Leihgaben wie das politische Gemälde „Massaker in Korea“ aus dem Pariser Musée Picasso.
Während in der DDR von Anfang an der politische Picasso im Mittelpunkt des Interesses stand, ging es im Westen ab den 50er Jahren vor allem um die kunsthistorische Betrachtung. Später kam es zu einer gewissen Angleichung bei der Rezeption des Künstlers. So thematisierte die 68er-Bewegung das Werk „Guernica“ aus einem politischen Standpunkt und fragt nach, was damals wirklich passiert war. In der DDR rückte dagegen in den 80er Jahren die kunsthistorische Interpretation mehr in den Vordergrund.

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Ort Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln
Schau „Der geteilte Picasso. Der Künstler und sein Bild in der BRD und in der DDR“, 25. September bis 30. Januar
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 bis 20 Uhr, jeder 1. Donnerstag im Monat 10 bis 22 Uhr
Eintritt 14,80 (ermäßigt 9.85) Euro. Es müssen vorab Zeitfenster gebucht werden.
www.der-geteilte-picasso.de

Autor: Von Stephan Eppinger
Foto: Ein Blick in die Ausstellung im Museum Ludwig.

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