Das Logo der Kunstmesse "Artissima" 2021

Köln mit dabei

Von Christoph Mohr

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Turin | Endlich wieder Kunst und echte Menschen: In Kölns Partnerstadt Turin und Italien, dem Land des Grünen (Corona-Impf-)Passes, findet wieder die „Artissima“ statt, Italiens wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst. Strenge Auflagen, strahlende Menschen.

Die Artissima ist die wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst in Italien. Träger sind die Stadt Turin und die Region Piemont, denen es wichtiger ist, mit der Kunstmesse die regionale Kunst- und Galerienszene zu unterstützen als das Messegeschäft. Im Vergleich zu anderen internationalen Kunstmessen hat die Artissima eher günstige Konditionen für die teilnehmenden Galerien. Auch die Preise der angebotenen Kunstwerke sind eher günstig; schon für einige Tausend Euro sind hier an manchen Messeständen Kunstwerke zu bekommen.

Veranstaltungsort der Messe ist das Oval Lingotto, ein Glaspalast, in dem bei den Olympischen Winterspiele 2006 die Eisschnelllauf-Wettbewerbe stattfanden und der seitdem als Sport- und Veranstaltungshalle genutzt wird – eine freitragende Konstruktion ohne jegliche Säulen (Architekten Hok Sport, London und Studio Zoppini, Mailand).

154 Galerien

Die Ausgabe 2021 bringt 154 Galerien nach Turin (gegenüber 200 in Vor-Corona-Zeiten). Offiziell ist es die 28. Artissima, zum fünften Mal in Folge unter der Leitung von Ilaria Bonacossa. Trotz der regionalen Verankerung ist die Artissima weit davon entfernt, eine „Provinzmesse“ zu sein. Von den 154 Galerien kommen weniger der Hälfte (84) aus Italien, nur acht aus Turin; insgesamt sind 37 Länder vertreten.

Einer der großen Namen der Turiner (und italienischen) Galerienszene ist Giorgio Persano. Seine 1970 eröffnete Galerie ist auf US-amerikanische Pop art und italienische Arte Povera spezialisiert. Die Gallerie ist 2020 umgezogen und nunmehr im Palazzo Scaglia di Verua beheimatet, einem der wenigen Renaissance-Bauten in der vom Barock geprägten ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Savoyen.

Art Cologne

Auch auf der Art Cologne war die Galleria Giorgio Persano mehrfach vertreten, so etwa 2018, wo sie die monumental große Stahlskulptur „Il palazzo vuoto“ (etwa: der leere Palast) von Pedro Cabrita Reis zeigte.

Auf der Artissima 2021 zeigt Galerist Giorgio Persano die vielleicht ikonischste Arbeit der Messe: „Smartphone – Paar beim Essen“ (2018) von Michelangelo Pistoletto. Das ist durchaus bemerkenswert, ist Pistoletto, der in Turin lebt und arbeitet, doch als einer der Mitbegründer und Hauptvertreter der Arte Povera eine Figur der Kunstgeschichte – und mittlerweile 88 Jahre alt. Aber mit der großen (150×250 cm) Arbeit, die ein kommunikationsloses Ehepaar am Esstisch zeigt, an dem beide nur auf ihr Smartphone schauen, gelingt ihm ein visueller Ausdruck für die Jetztzeit wie kaum einem anderen Künstler.

Weitere Turiner Galerien auf der Artissima 2021 sind Biasutti & Biasutti, Norma Mangione, Mazzoleni, Franco Noero, Noire, Peola Simondi und In Arco.

Norma Mangione zeigt auf der Artissima mit Michael Bauer einen Künstler, der auch in Köln kein Unbekannter ist. Der 1973 in Erkelenz geboren Künstler lebte und arbeitete einige Jahre in Köln und lebt heute in New York. Auf der Artissima zeigt Norma Mangione farbenfrohe, durchaus dekorative Arbeiten des Künstlers, in der Galerie selbst läuft die Ausstellung „Visions 2019 -2021″, die korrespondierende Arbeiten der beiden heute in New York lebenden Künstler Michael Bauer und Raynes Birkbeck vereint.

Großes deutsches Kontingent

Auffallend das große deutsche Kontingent auf der Artissima 2021: 15 deutsche Galerien sind auf der Turiner Kunstmesse vertreten. Aus Berlin mit dabei ist Stargalerist Johann König, der Baumskulpturen der Schweizer Künstlerin Claudia Comte zeigt, aus Köln die Galerie Thomas Rehbein. In der Sektion „Back to the Future“ zeigt der Kölner Galerist Arbeiten der 1949 geborenen, in New York lebenden US-Künstlerin Dove Bradshaw. Arbeiten der Künstlerin waren 2011, 2014/15 und 2018/19 auch in Köln zu sehen.

Bemerkenswert auch einige Randaspekte der diesjährigen Turiner Kunstmesse: Einen kleinen Vorgeschmack gibt es auf die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten für die Kunstsammlung von Intesa Sanpaolo im nächsten Jahr. Die italienische Großbank zeigt unter dem Label „Galleria d’Italia“ bereits Teile ihrer Kunstsammlung in Neapel, Vicenza und Mailand. Am historischen Hauptsitz der Bank an der Piazza San Carlo in Turin werden nun drei Untergeschosse zu einer Art Ladengalerie umgebaut. Hier sollen in Zukunft vor allem Photographie-Arbeiten aus der Intesa Sanpaolo-Sammlung zu sehen sein. Die Eröffnung ist für April 2022 angekündigt. Intesa Sanpaolo ist auch Hauptsponsor der Artissima.

Initiative für ganz Italien

Eine interessante Initiative der Messe ist es, Unternehmen in ganz Italien zu motivieren, Künstler und Kunstwerke in den Räumlichkeiten der Unternehmen zu zeigen. Die gilt es zu vernetzen. In Turin etwa macht die Gruppo Ingegneria Torino (GIT) bei der Initiative mit, dessen Chef Cristiano Cavallo auch selbst Kunstsammler ist.

Mit Aufmerksamkeit verfolgt wurde auch jeder Schritt von Patrizia Sandretto Re Rebaudengo verfolgt, Italiens vielleicht wichtigster Kunstsammlerin, die selbst in Turin lebt. Natürlich wurde die Mäzenin auf der Artissima gesichtet, von einem Gala-Dinner mit wichtigen Größen der internationalen Kunstszene ist zu hören. Zeitgleich zur Messe eröffnete die Fondazione Sandretto Re Rebaudengo ihre neue Ausstellung „Safe House“.

Auf einer Diskussionsveranstaltung der in Turin erscheinenden überregionalen italienischen Zeitung „La Stampa“ auf der Artissima erklärte der neue Turiner Oberbürgermeister Stefano Lo Russo im Gespräch mit dem La Stampa-Vizedirektor Massimo Righi erstmals Grundzüge der Kulturpolitik der neuen Turiner Stadtregierung. „Kultur ist ein Faktor der Entwicklung der Stadt Turin“, erklärte Lo Russo und sagte der Kultur eine „aktive wirtschaftliche und politische Unterstützung“ zu. Bis 30. Januar 2022


Wer mehr wissen will

Galerie Thomas Rehbein in Turin
mehrere Videos zur US-Künstlerin Dove Bradshaw
https://xyz.artissima.art/en/projects/dove-bradshaw/

Galerie Thomas Rehbein Köln
Aachener Straße 5
50674 Köln
https://rehbein-galerie.de/

Bis 08.01.2022
William Anastasi
Rimbalzi
(Photo-Sammlung der Bank Intesa Sanpaolo)
bis 05.12.2021
https://www.artissima.art/rimbalzi/

Galerie Giorgio Persano
4, via Stampatori
10122 Turin
https://www.giorgiopersano.org/
Einige neueste Arbeiten von Michelangelo Pistoletto finden sich hier:
https://www.giorgiopersano.org/en/artista/michelangelo-pistoletto/opere/

Fondazione Sandretto Re Rebaudengo
Ausstellung „Safe House“
Kuratoren: Irene Calderoni und Bernardo Follini
Bis 30. Januar 2022
https://fsrr.org/mostre/safe-house/

Turin auf www.report-k.de

Der neue Oberbürgermeister Stefano Lo Russo
https://www.report-k.de/der-neue-von-turin/

European Song Contest 2022 in Turin
https://www.report-k.de/european-song-contest-2022-in-turin/

Neues Turin-Buch
https://www.report-k.de/kennen-sie-koelns-partnerstadt-turin

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