Köln | In den Kölner Stadtteilen Seeberg, Bilderstöckchen, Bocklemünd/Mengenich und Longerich durchsucht die Kölner Polizei Wohnungen von 5 Männern im Alter zwischen 24 bis 32 Jahren. Sie wirft den Tatverdächtigen vor gewerbsmäßig mit Kokain gehandelt zu haben. Die Ermittlungen beruhen auf Auswertungen von EncroChat-Daten.

Kryptodienst EncroChat von französichen Ermittlern geknackt

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Versetzen Sie sich einmal in die Lage von Kriminellen, die mit Drogen handeln. In unserem normalen Leben ist alles so easy: Wir kommunizieren über Messengerdienste, bestellen mit dem Smartphone, bekommen Lieferzeiten dort angezeigt oder navigieren uns damit in das nächste Ladengeschäft. Unser Leben wird durch digitale Kommunikation an vielen Stellen und vor allem im Bereich Handel und Logistik einfacher. Wäre das nicht super, wenn das auch für kriminelle Machenschaften so easy funktionieren würde, wenn es ausgeschlossen ist, dass die Polizei oder Strafverfolgungsbehörden diese Kommunikation auslesen könnte.

Mit EncroChat-Mobiltelefonen und dem dazugehörigen Kryptodienst konnten Kriminelle und vor allem der illegale Drogenhandel im Verborgenen stattfinden, denn die Kommunikation war so verschlüsselt. Das war vor allem für die Manager der Deals bequem. Die Kontakte zu den Produzenten, die Absprachen bei Preis und Lieferung sowie die Transportkoordination vom Containerhafen bis zum Drogenkäufer konnten bequem aus dem Ledersessel organisiert werden. Die Ermittler kannten den Dienst und wussten, dass Kriminelle diesen nutzten, aber sie konnten den Code nicht knacken. 2020 konnten französische und niederländische Ermittler sich Zugang zu einem Server der in Roubaix stand verschaffen. Zudem gelang es ihnen die verschlüsselten Nachrichten zu entschlüsseln. Ein Ergebnis: Der Dienst wurde fast ausschließlich von Kriminellen genutzt. Die Chats aus Deutschland bekam das Bundeskriminalamt.

Über 2.000 Ermittlungsverfahren

In der vergangenen Woche zog das Bundeskriminalamt (BKA) eine erste Bilanz der Razzien von Anfang Juli am 6. Juli: Mehr als 2.250 Ermittlungsverfahren und 750 Haftbefehle wurden vollstreckt. Bein den Razzien stellten die Beamten zudem beachtliche Drogenmengen sicher. Das BKA wertet dies als „nachhaltigen Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität“. Das BKA führt seit März 2020 im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main – Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) ein Ermittlungsverfahren gegen die Nutzer von kryptierten Mobiltelefonen des Providers EncroChat insbesondere wegen des Verdachts des bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Die Kölner Razzia

In diesem Zusammenhang stehen die Ermittlungen und Razzien am heutigen Morgen in den Kölner Stadtteilen Seeberg, Bilderstöckchen, Bocklemünd/Mengenich und Longerich. Es handele sich in Köln, so die Beamten, um zwei unabhängig voneinander operierenden Gruppen von Beschuldigten, die in getrennten Verfahren geführt werden. Die Polizei Köln geht von einem gewerbsmäßigen Handel mit Kokain aus. In beiden Fällen seien Mitglieder der Rockergruppierung „Hells Angels“ involviert, so die Mitteilung der Kölner Polizei. Die Beamten: „Die Ermittlungen gegen die deutsch-türkischen Tatverdächtigen waren nach Auswertungen von EncroChat-Daten ins Rollen gekommen.“ Bei den Durchsuchungen der Wohnungen setzte die Kölner Polizei Spezialeinheiten ein.

Autor: red

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