Köln | Sie war eine herausragende, vielseitige und erfolgreiche Fotografin. Dass man Evas Besnyö (1910-2003) heute noch – besser wieder – kennt, ist Marion Beckers und Elisabeth Moortgat zu verdanken. Sie gründeten 1986 in Berlin „Das verborgene Museum“, um vergessene Künstlerinnen bekannt zu machen. Sie entdeckten auch die Ungarin. Jetzt zeigt das Käthe-Kollwitz-Museum fast 100 ihrer Arbeiten.

Schon mit 18 Jahren entschloss sich die Budapesterin, Fotografin zu werden – damals einer der wenigen künstlerischen Berufe, der auch Frauen offenstand. Sie ging bei dem international bekannten Fotografen Joszef Pecsi in die Lehre. Ihre großen Vorbilder wurden dann Albert Renger-Patzsch und Bauhaus-Mitglied Maholy-Nagy.

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Die Fotos sind streng komponiert, Diagonalen sorgen für Dynamik

Unter deren Einfluss entwickelte sie bald ihre eigene Bildsprache, das Bauhaus-Motto „Neues Bauen“ ergänzte sie mit „Neues Sehen“. Selbst „Schnappschüsse“ sind sorgfältig komponiert, sie arbeitete mit dem Gegensatz von Sonnenlicht und Schlagschatten, Diagonalen beherrschen den Bildaufbau und sorgen für Dynamik, viele Aufnahmen zeichnen sich durch einen ungewöhnlichen Blickwinkel aus, etwa eine leichte Frosch- oder Vogelperspektive.

Anfangs fotografierte sie Straßenszenen, immer mit einem Blick für das Detail. Später kamen Porträts dazu, Architektur, Freizeit und Arbeitswelt (in Köln zu sehen sind unter anderem Aufnahmen vom Umbau des Berliner Alexanderplatzes um 1931), in den Niederlanden bisweilen auch Landschaften. Am besten, so die beiden Ausstellungskuratorinnen, war sie, wenn sie sich die Motive selber suchte: „Ihre Auftragsarbeiten waren nicht so gut.“.

Ihre Aufnahmen erschienen unter dem Namen des Ateliers Peter Weller

In Besnyös Leben spiegeln sich die politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts wider. Für viele Künstler war damals Paris das Ziel, sie aber ging 1930 nach Berlin, arbeitete dort lange für das Atelier von Peter Weller, unter dessen Namen ihre Fotos in vielen Zeitungen veröffentlicht wurde. Heute ist die wahre Urheberschaft kaum zuzuordnen. Weil ihr Name „jüdisch“ klang, erhielt sie keine Aufträge mehr . Sie ging nach Amsterdam.

Hier machte sie sich bald einen Namen als Porträtistin von Künstlern. Mit ihren Ausstellungen bereitet sie der Fotografie den Weg als eigenständiges Kunstgenre den Weg in die Museen. 1940 fotografierte sie das nach einem deutschen Bomberangriff zerstörte Rotterdam – Aufnahmen von beeindruckender ästhetischer Nüchternheit. Nach dem deutschen Einmarsch wurden auch in den Niederlanden Juden zunehmend systematisch ausgegrenzt. Sie tauchte ab, mit einem fingierten Stammbau gelang ihr 1944 die offizielle „Arisierung“.

Nach Kriegsende dauerte es einige Jahre, bis Besnyö wieder als Fotografin arbeitete. Und wieder waren ihre Porträts gefragt. In den 1970er Jahren wurde sie zur Dokumentaristin der militanten niederländischen Frauen-Bewegung „Dolle Minna“.

„Eva Besnyö – Photographin: Budapest, Berlin, Amsterdam“ – bis 9. Dezember 2018. Käthe-Kollwitz-Museum, Neumarkt 18-24/Neumarkt-Passage, 50667 Köln. Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr. Eintritt: 5/2 Euro, Katalog: 18 Euro. Umfangreiches Begleitprogramm. www.kollwitz.de

Autor: ehu
Foto: Berlin 1931, Strandbad Wannsee: Eva Besnyö fotografierte diese Szene 1931.

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