Wappentier des 1. FC Köln: War der erste Hennes ein Düsseldorfer?

Köln | Seit 1950 ist ein Geißbock das Maskottchen des 1. FC Köln, der Fußballverein, der gerade mal zwei Jahre davor gegründet worden ist. Inzwischen unterstützten neun Tiere den Verein am Spielfeldrand. Sie sind weit mehr als nur einfache Geißböcke – sie sind Schutzheilige und Fürsprecher, für ihren Verein und für die FC-Fans. Dabei waren diese anfangs nicht wirklich von der Idee des mächtigen Vereinsbosses Franz Kremer begeistert. Es wurde befürchtet, dass man sich mit einem Geißbock am Spielfeldrand lächerlich machen könnte. Heute ist Hennes das Markenzeichen des FC und wohl der bekannteste Ziegenbock der Welt. Auch Zeitungen wie die Washington Post haben schon über ihn schon berichtet.

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Präsentiert wurde Hennes 1950 an Karneval im Williamsbau am Aachener Weiher zum zweiten Geburtstag des Vereins. Zu den Gästen im Publikum zählen Fußballlegenden wie Sepp Herberger. Der Zirkusbock wurde wohl in Düsseldorf bei einem Williams-Gastspiel auf den Rheinwiesen gezeugt – somit wäre Hennes I. ein Düsseldorfer. Seine Mutter stammte aus Thüringen. Natürlich wurde der Bock am selben Tag auch noch mit einer Klobürste getauft – im Haus Unkelbach, dem Stammlokal des FC. Von diesen und anderen Geschichten berichtet Autor Johannes Schröer in seiner jetzt im Greven-Verlag erschienen Biografie der neun FC-Geißböcke.

Sein Nachfolger Hennes II. ist schon früh verstorben. Es wurde vermutet, dass Gladbacher Fans ihn nach einer schmerzhaften Niederlage gegen den FC ermordet haben. Dabei war wohl eher ein streunender Schäferhund der Täter, wie der Autor recherchiert hat. Berüchtigt war auch Hennes VII. – in seine Amtszeit fallen vier Abstiege des FC. So erhielt der Bock den Beinamen Fahrstuhl-Hennes. „Es ist aber trotzdem nie ein Sündenbock gewesen, die Fans standen immer zu ihrem Maskottchen“, sagt Schröer.

Sein Buch hat er der dem jüngst verstorbenen Hennes VIII. gewidmet. Sein Nachfolger muss derzeit die Heimspiele von seinem Zuhause im Kölner Zoo beobachten und teilt damit das Schicksal der FC-Fans, die wegen Corona auch nicht ins Stadion dürfen. Dort kennt sich Hennes IX. gut aus. Alle Abläufe am Spieltag sind ihm geläufig, das gilt auch für seine Wege durch die Katakomben zum Spielfeld. Normalerweise verlässt der Bock das Stadion immer vor dem Spielende, damit er nicht durch Gedränge der Fans muss.

Der Autor selbst stammt ursprünglich aus dem Münsterland und lebt seit 20 Jahren in Köln. Dort hat er nicht nur die Liebe zur Stadt und zum FC für sich entdeckt – auch Hennes ist Teil seines Lebens geworden. „Er ist allgegenwärtig – in den Schaufenstern genauso wie als Wasserspeier am Kölner Dom.“ Für sein Buch hat er mit viele Menschen gesprochen, darunter war auch ein Professor für zoologische Theologie aus Münster. Auch bekannte Kölner kommen zu Wort, darunter ist der bekennende FC-Fan Manuel Andrack, der Psychologe Stephan Grünewald und die Musiklegende Ludwig Sebus, der den Karneval im Williamsbau noch selbst erlebt hat. Eine besondere Erfahrung war es für den Autor, an Karneval im Hennes-Kostüm durch die Kneipen der Stadt zu ziehen.

Hennes ist heute übrigens das einzige vierbeinige Maskottchen in der Bundesliga. Nur Frankfurt hat noch ein Tier am Start – einen Adler. Dabei waren solch tierische Markenzeichen früher durchaus üblich. Hennes IX. nimmt das während der Buchpräsentation im Zoo ziemlich gelassen und gönnt sich eine Wohlfühlmassage an seiner Bürstenstation.

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Johannes Schröer: Patron Hennes – die Geißbocklegende des 1. FC Köln, Greven-Verlag, 240 Seiten, 18 Euro

Autor: Von Stephan Eppinger
Foto: „Patron Hennes – die Geißbocklegende des 1. FC Köln“ ist der Titel des Buches von Johannes Schröer, hier mit Hennes IX im Kölner Zoo.

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