Gerhard Richter ist kein Künstler, der (gerne) über seine Arbeit spricht. Damit scheint er gut beraten. Immer wieder gern zitiert wird Richters Selbstäußerung: „Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung. Ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen.“ Das kann man glauben oder auch nicht; Richter jedenfalls trägt dies wie eine Rüstung, die ihn vor Fragen schützt. Einen geradezu sensationell zu nennenden Einblick in den Schaffensprozess des notorisch medienscheuen Kölner Weltkünstlers ermöglicht jetzt ein neuer Film. „Gerhard Richter Painting“, der in dieser Woche in Köln Premiere hat, zeigt Richter bei der Arbeit und lässt den Zuschauer gleichsam miterleben, wie ein Richter-Werk entsteht. Dies ist bislang noch nie gefilmt worden.
 
Der Film, gedreht zwischen April und September vorletzten Jahres (2009) zeigt etwa das Entstehen zweier abstrakter Bilder (Abstraktes Bild 910-1  und Abstraktes Bild 910-2)
in Richters Atelier in Köln. Beide Bilder wurden danach bereits Ende 2009/Anfang 2010  in der Marian Goomann Gallery (http://www.mariangoodman.com/) in New York zum Kauf angeboten.
 
Kunst von der Trittleiter
Wer immer geglaubt hat, dass Richter seine abstrakten Bilder mit dem Pinsel „malt“, wird hier eines Besseren belehrt und kann gleichsam live erfahren, wie diese Arbeiten wirklich entstehen. Man sieht wie Richter die Farbe anrührt und auf die Leinwand aufträgt und wie er dann die verschiedenen Farbschichten, auf der Trittleiter stehend, mit einem Abstreichholz, dem Rakel, verteilt. Aber mehr noch: Man sieht, worüber Richter sonst nicht sprechen mag. Für den Zuschauer mag ein Bild „fertig“ sein, für Richter ist es eben oft nicht. Für den Zuschauer mag es „gut“ aussehen, für Richter ist es misslungen. Pointiert könnte man sagen, Gerhard Richter verweigert eine Aussage darüber, was er als Künstler will; in diesem Film sieht man, was er will daran, was er nicht will. Nennen wir es implizite Ästhetik.
 
Der berühmteste Künstler-Film aller Zeiten dürfte "Le Mystère Picasso" des französischen Filmemachers Henri-Georges Clouzot sein. Der Dokumentarfilm aus dem Jahr 1955, der auch heute noch als DVD im Handel ist (http://www.amazon.de/Picasso), zeigt aber nicht wirklich, wie Picasso arbeitete, sondern Picasso demonstrierte vor der Kamera, dass er ein Genie ist. In "Gerhard Richter Painting" geht es bescheidener zu, wenn auch hier natürlich klar ist, dass sich Richter jederzeit der Anwesenheit einer Kamera bewusst war. Hier sieht man einen Malprozess, der eben auch ein Denkprozess ist. Man sieht nicht nur, wie Richter malt, sondern auch wie er dann seine Bilder betrachtet und beurteilt, wie er überlegt, abwartet, verwirft, überarbeitet, manchmal auch zerstört und neu beginnt.
 
Und man sieht zum ersten Mal auch einige Leute aus dem Richter-Umfeld: seine zwei Assistenten, seine Kölner Atelierleiterin, seine New Yorker Galeristin Marian Goodman (http://www.mariangoodman.com/), den an der Harvard University lehrenden, deutschen Kunsthistoriker Benjamin Buchloh, selbst Autor von Texten zu Gerhard Richter – und Kasper König, den Leiter des Kölner Museum Ludwig, das 2008/2009 eben genau eine Ausstellung mit Richters „Abstrakten Bildern“ veranstaltete (http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig).

Realisiert hat den Film die Kölner Filmemacherin Corinna Belz, die bereits 2007 einen Film über das Richter-Fenster im Kölner Dom (http://www.koelner-dom.de) gemacht hat und dabei wohl das Vertrauen des Künstlers erlangte. Möglich gemacht hat den Film die Berliner Produktionsfirma Zero one film (http://www.zeroone.de/zero), co-finanziert von den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR, MDR und ARTE.
 
In Köln ist der Film am kommenden Samstag, 3. September 2011 als Preview im Filmforum im Museum Ludwig zu sehen, danach eine Woche lang (8.-12.09.) in der Filmpalette (http://www.filmpalette-koeln.de/) und im Odeon Lichtspieltheater (http://www.odeon-koeln.de/).
 
Detailierte Informationen zum Film finden Sie hier:
http://www.gerhard-richter-painting.de

http://piffl-medien.de
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Die Spieltermine im Überblick
Premieren und Previews
Sa, 3.09.11
Köln, Filmforum im Museum Ludwig, 19:30 Uhr
NRW-Premiere in Anwesenheit der Regisseurin Corinna Belz

So, 4.09.11
Kassel, Bali–Kino im Kasseler Hbf, 11.30 Uhr
Matinée-Preview

So, 4.09.11
Berlin, Kino International, 15 Uhr
Premiere in Anwesenheit von Regisseurin Corinna Belz und Teammitgliedern

So, 4.09.11
Bremen, Schauburg Kino,

Mo, 5.09.11
Dresden, Programmkino Ost, 19:30 Uhr
Premiere in Anwesenheit der Regisseurin Corinna Belz

Di, 6.09.11
Hamburg, Abaton Kino, 20 Uhr
Premiere in Anwesenheit der Regisseurin Corinna Belz

Weitere Spieltermine
Berlin
Cinema Paris
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Berlin
 Hackesche Höfe Kino
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Berlin
 Kino International
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Berlin
 Yorck Kino
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Bochum
 Endstation Initiative Bahnhof Langendreer
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Bonn
 Rex–Kino
Start: 08.09.2011
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Bremen
 Atlantis
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Dresden
 Programmkino Ost
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Düsseldorf
 Bambi
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Duisburg
 Filmforum
Start: 22.09.2011
Ende: 27.09.2011
 
Erlangen
 Lamm – Lichtspiele
Start: 18.09.2011
Ende: 21.09.2011
 
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Start: 08.09.2011
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Frankfurt/Main
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Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
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Start: 12.09.2011
Ende: 18.09.2011
 
Hamburg
 Abaton Kino
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Hannover
 Hochhaus–Lichtspiele
Start: 16.10.2011
Ende: 16.10.2011
 
Hannover
 Hochhaus–Lichtspiele
Start: 23.10.2011
Ende: 23.10.2011
 
Hannover
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Start: 08.09.2011
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Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
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Ende: 14.09.2011
 
Kiel
 Die Pumpe Kommunales Kino
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Köln
 Filmpalette
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Köln
 Odeon Lichtspieltheater
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Leipzig
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Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Mannheim
 Odeon
Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
München
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Start: 08.09.2011
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Münster
 Cinema Filmtheater
Start: 08.09.2011
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Start: 08.09.2011
Ende: 14.09.2011
 
Osnabrück
 Cinema – Arthouse
Start: 25.09.2011
Ende: 25.09.2011
 
Regensburg
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Start: 06/10/2011
Ende: 11/10/2011
 
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 Filmhaus
Start: 06.10.2011
Ende: 12.10.2011
 
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 Atelier am Bollwerk
Start: 08.09.2011
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Tübingen
 Arsenal Kino
Start: 22.09.2011
Ende: 28.09.2011
 
Weimar
 Kommunales Kino im mon Ami
Start: 29.09.2011
Ende: 05.10.2011



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Christoph Mohr für report-k.de | Kölns Internetzeitung
Quelle für Spieltermine: Piffl Medien (www.piffl-medien.de)

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