Die Weidenpescher Galopprennbahn wurde originalgetreu in Rath/Heumar nachgebaut. Foto: Bopp

Köln | Am kommenden Sonntag, 22. Mai steht mit dem 37. Mehl-Mülhens-Rennen (Preisgeld 153.000 Euro) der erste Klassiker der Kölner Turfsaison auf der Galopprennbahn in Weidenpesch auf dem Programm. Besonders für das Gestüt Röttgen ist das Rennen über die Distanz von 1.600 Metern etwas ganz Besonderes, schließlich ist die Mehl-Mülhens-Stiftung Hauptsponsor des Gruppe II-Rennens.

Zuvor öffnete das Gestüt für report-K seine Türen im Stadtteil Rath/Heumar. Das Gestüt ist ein echtes Idyll am Rande von Köln. Eine malerische Oase mit viel Wald, großen Koppeln, durchzogenen Alleen und einer Mauer nach irischem Vorbild.  Mit über 250 Hektar ist das Paradies für Pferde flächenmäßig größer als der Kleinstaat Monaco. 

Gegründet wurde das Gestüt 1924 von Peter Paul Mülhens und ist Teil der Land- und Forstwirtschaftlichen Betriebe Röttgen. Nachdem Maria Mehl-Mülhens, die Tochter des Gründers, Gestüt und Rennstall geleitet hatte, ging nach ihrem Tod das Gestüt auf die von ihr gegründete Mehl-Mülhens-Stiftung über.

Das Gestüt Röttgen in Rath/Heumar ist ein Paradies für Pferde. Foto: Bopp

„So eine Anlage sucht seinesgleichen in Deutschland. Es ist einer der populärsten Ställe in Deutschland“, sagt Erfolgstrainer Markus Klug, der seit dem 1. August 2010 verantwortlich für den reibungslosen Ablauf auf dem Gestüt ist. 88 Pferde sind jeden Tag zu trainieren und zu versorgen, dazu kommen 30 Mutterstuten, die für die weitere erfolgreiche Zucht verantwortlich sind. 

Es herrschen perfekte Bedingungen für Trainer, Jockey und auch Pferde. Um die besten Voraussetzungen zu haben, wurde sogar die Weidenpescher Galopprennbahn originalgetreu in Rath/Heumar nachgebaut. Zudem haben die Pferde viel Auslauf und können im
Sommer sehr lange auf den Koppeln verweilen. 

Die von Architekt Ludwig Paffendorf entworfene Gestütsanlage beinhaltet 16 Boxen im beeindruckenden Mutterstall, sowie weiterhin mehr als 90 Boxen auf dem Gestütsgelände, verteilt auf alten Rennstall, Durchhäuserhof, Hengststall und diverse Nebengebäude. 

Jockey Andreas Helfenbein striegelt sein Pferd Schwarzer Peter in einer Pferdebox. Foto: Bopp

„Der Arbeit ist schon sehr stressig, es ist ein Sieben-Tage-Job. Aber ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und bin sehr dankbar, hier bei diesem traditionsreichen Gestüt arbeiten zu dürfen“, verrät Klug.

Markus Klug fühlt sich im Gestüt Röttgen pudelwohl

So verschlug es ihn aus der Heimat Baden Baden ins Rheinland, wo er sich mittlerweile wie zuhause fühlt. „In den ersten Jahren habe ich noch von Rastatt als meiner Heimat gesprochen, jetzt ist es nicht mehr so.“ 

Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen stammt der 45-Jährige nicht aus einer Galopper-Familie. Er war nie Jockey und hatte auch keine näheren Kontakte zum Sport. Klug: „Trotzdem wollte ich immer Rennpferde zu trainieren! Ich habe eigentlich Versicherungskaufmann gelernt, aber mein Herzblut hängt an den Pferden.“

Markus Klug wurde vier Mal zum Trainer des Jahres gewählt

Der Lohn: Vier Mal wurde er zum Trainer des Jahres gewählt, drei Mal durfte er einen Derbysieger aus seinem Stall bejubeln. Hinzu kommen 54 Erfolge bei Gruppe-Rennen. Insgesamt fuhr er 656 Siege ein. „Aber oftmals nur Zweiter geworden. Häufig auch nur aufgrund einer Nasenlänge. Nach solchen Rennen fühlt man sich wie ein Letzter. Der Unterschied ist nur, dass man als Zweiter noch Preisgeld einstreicht.“

Galopptrainer Markus Klug mit Ehefrau Susanne und Sohn Maximilian. Foto: Bopp

Damit in der Zukunft weitere Erfolge eingefahren werden, hat Klug einen anstrengenden Tagesablauf zu bewältigen. Der Trainer, dem rund 70 Mitarbeiter zur Seite stehen, ist bereits jeden Morgen um 5.30 Uhr im Stall und kommt erst abends zu seiner Frau Susanne und Sohn Maximilian nach Hause. Das steht mitten auf dem Gestüt. „So wohnen wir direkt am Arbeitsplatz. Zum Glück hat meine Frau viel Verständnis und ist von Pferden auch begeistert. Sonst würde es nur schwer funktionieren.“

Da die Mehl-Mülhens-Stiftung Sponsor des Klassikers ist, steht Klug ein wenig unter Druck. Denn ein Heimsieg wäre ein frühes Statement in der noch jungen Saison. Um diesen Traum zu erreichen, hat Klug zwei heiße Eisen im Feuer. „Mylady“ und „Schwarzer Peter“ gehen an den Start und sollen den drei favorisierten Pferden aus England Paroli bieten. 

Die Stute Mylady geht am Sonntag unter Jockey Andrasch Starke an den Start. Foto: Bopp

Die Stute Mylady geht am Sonntag unter Jockey Andrasch Starke genauso an den Start wie „Schwarzer Peter“, der von Andreas Helfenbein geritten wird. Trainer Markus Klug räumt seinem Duo gute Chancen ein. „Das Trio aus England ist sicherlich favorisiert, aber an einem guten Tag können beide Pferde für eine Überraschung sorgen. Sie haben beide eine gute Form.“

Das wohl bekannteste Pferd aus dem Gestüt Röttgen war der Hengst Star Appeal, der 1975 als erstes und lange Zeit einziges deutsches Pferd den Prix de l’Arc de Triomphe gewann. Weitere erfolgreiche Pferde sind Aspros, Lord Udo, Wauthi, Sternkönig und Kallisto. 

Die Mülhens Stiftung dürfte vielen auch durch ein anderes Produkt bekannt sein. Seit 1792 produziert Mülhens das Eau de Cologne, das weltweit als „4711“ Bekanntheit erlangte.