Köln | Die Handwerkskammer zu Köln hat 580 Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn zu ihrer aktuellen Wirtschaftslage befragt. Erstmals in diesem Herbst vergeben mehr als die Hälfte der Betriebe die Bestnote. Damit gibt die Konjunkturumfrage seit 38 Jahren das beste Ergebnis.

>>> Videobeitrag: Dr. Ortwin Weltrich im Interview über die Bestnote der Handwerksunternehmen und Konjunkturrisiken.

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Hochkonjunktur im Bau- und Ausbaugewerbe, der konjunkturelle Aufschwung erfasst fast alle Handwerksberufe

Erstmals vergeben mehr als die Hälfte der Betriebe die Bestnote

„Wir haben eine ausgesprochen positive Binnenkonjunktur, unverändert in Deutschland. Die privaten Haushalte haben mehr Finanzmittel zur Verfügung. Das wirkt sich positiv für das Handwerk aus. Hinzu kommt natürlich die geringe Zinssituation und das viele Menschen zurecht erkennen dass Investitionen in Immobilien am sichersten ist“, so Weltrich im Interview mit report-K. Denn erstmals vergibt mehr als die Hälfte der befragten 580 Handwerksunternehmen die Bestnote: Der Anteil der Betriebe mit guter Geschäftslage ist von 49 Prozent im Herbst 2015 auf 55 Prozent in diesem Herbst gestiegen. 36 Prozent stuften die Geschäftslage des Betriebs als befriedigend ein, im Herbst 2015 waren es 42 Prozent. Schlecht ist für neun Prozent der befragten Unternehmen die derzeitige Wirtschaftslage, 2015 waren das acht Prozent.

Die Handwerksunternehmen steigern ihren Umsatz im ersten Quartal 2016 um 2,6 Prozent und im zweiten Quartal um 5,9 Prozent. Das zeigt die Berechnung des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen (NRW). „Aufgrund des sehr erfreulichen Wirtschaftsverlaufs im ersten Halbjahr und unserer exzellenten Umfrageergebnisse können wir die Umsatzprognose für das laufende Jahr noch oben korrigieren, ein Umsatzplus von drei Prozent ist durchaus zu schaffen“, erläutert Dr. Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Konjunkturtrend beim Bauhauptgewerbe – Anstieg im Kraftfahrzeuggewerbe

Der aufwärts gerichtete Konjunkturtrend soll sich bis ins nächste Jahr fortsetzten, denn in viele Handwerksunternehmen seien die Auftragsbücher gut gefüllt, so Weltrich. Das Bauhauptgewerbe teilte der Handwerkskammer zu Köln bei der Umfrage mit, dass der derzeitige Auftragsbestand eine Auslastung der betrieblichen Kapazität für die nächsten neun Wochen gewährleiste. Eine normale Auslastung beinhalte zur gewährleistung drei bis vier Wochen, erklärt Weltrich.

Auch verzeichnen Handwerksunternehmen einen Anstieg im Kraftfahrzeuggewerbe. Inzwischen sprechen 47 Prozent der Kfz-Betriebe von einer guten Geschäftslage, 2015 waren es 29 Prozent. Diese Branche profitiere davon, dass die Zahl der neu zugelassen Pkws in den ersten drei Quartalen von 2016 um fast sechs Prozent gestiegen ist, so Weltrich.

Blick in die Zukunft

Die Handwerkskammer ist bei dem Blick in die Zukunft optimistisch. Eine gleichbleibende Entwicklung erwarten zwei Drittel der Unternehmen in den nächsten Monaten. Bei 26 Prozent der Unternehmen rechne man mit einer normaligen Verbesserung der Geschäftslage im Betrieb. Sieben Prozent befürchten eine Verschlechterung.

Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt

Auch die Nachfrage bei Arbeitskräften würde nach wie vor bestehen. 24 Prozent der Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn hatten im Herbst mehr Mitarbeiter als im Frühjahr. Nur bei 11 Prozent der Betriebe war die Zahl der Beschäftigten rückläufig. Bei 65 Prozent der Befragten gaben an, dass der Umfang der Belegschaft seit dem Frühjahr unverändert geblieben ist.

An der Spitze der Umfrage: Bau- und Ausbauhandwerk

An der Spitze des in der Umfrage der Handwerkskammer ermittelten konjunkturellen Aufwärtstrends stehen die Unternehmen, die zum Bau- und Ausbauhandwerk gehören. 78 Prozent der Maler- und Lackiererfirmen und 63 Prozent der Installateure und Heizungsbauer stufen die derzeitige Geschäftslage als gut ein. Diese Spitzenbewertung vergeben ebenfalls 59 Prozent der Dachdeckerbetriebe, 59 Prozent der Elektrofirmen und 57 Prozent der befragten Tischlereien. Die hohe Auslastung der Kapazitäten bei vielen Bau- und Ausbaubetrieben kann auch zur Folge haben, dass sich hin und wieder die Umsetzung eines Sanierungs- oder Neubauvorhabens verzögert. Der Aufschwung im Wohnungsbau wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Ein Indikator hierfür ist der hohe Anstieg bei den von den Kommunen erteilten Baugenehmigungen: Im ersten Halbjahr 2016 wurden in Nordrhein-Westfalen Baugenehmigungen für insgesamt 31.400 Wohnungen erteilt, das ist ein Zuwachs von 42 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015. Der Anstieg im Regierungsbezirk Köln macht sogar 50 Prozent aus, noch höher fällt der Zuwachs in Bonn und in Köln aus.

Konjunkturrisiken: Entsorgungsproblem, Bau von Wohnungen und Verkehrssituation

Entsorgungsproblem am Bau – Handwerkskammer appelliert an NRW-Umweltminister

Baubetriebe haben aktuell erhebliche Schwierigkeiten wegen der seit dem Monatsanfang geltenden Entsorgungsregelung von HBCD-haltigen Dämmstoffen. Mehr dazu hier.

Weltrich: Novellierung der Landesbauordnung wird zur Verteuerung beim Bau von Wohnungen führen

Kritisch sehen die Handwerksorganisationen zum Beispiel die Absicht, beim Bau eines Hauses mit mehr als sechs Wohnungen den Bauherrn zu verpflichten, mindestens eine Wohnung vorzusehen, die uneingeschränkt für Rollstuhlfahrer nutzbar ist. Vorschriften für immer höhere Baustandards, etwa die zwingende Errichtung eines Aufzugs, treiben die Kosten für den Neubau von Wohnungen nach oben, was sich als Bremse für den dringend gebrauchten Aufschwung am Wohnungsmarkt erweisen könnte. „Statt der Anbringung von Bremsklötzen brauchen wir eine Beschleunigung bei der Erteilung von Baugenehmigungen“, so Weltrich.

Weltrich: Verkehrssituation in der Region wird zum größten Konjunkturrisiko

Auch die Verkehrsengpässe spielen nach wie vor bei den Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn eine große Rolle. Wie zum Beispiel die Schrankenanlagen an der Leverkusener Rheinbrücke führen immer wieder zu langen Staus. „Hier ist eine intelligentere Verkehrsführung notwendig. Auch in Bonn werden durch nicht abgestimmte Baumaßnahmen vom Landesbetrieb Straßen NRW – wie am vergangenen Montag – zehn Kilometer lange Staus erzeugt“. Die Verärgerung bei den Handwerksunternehmen der Region sei sehr hoch. Weltrich appellierte daher an die Kommunen und an das Land, endlich die Verabredungen zur Stauvermeidung einzuhalten und die Vorschläge der Handwerkskammer umzusetzen

Autor: Irem Barlin

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