Luca Kilian, Julian Chabot und Kingsley Schindler bejubeln das 1:0 für den FC. Foto: Bopp

Köln / Dortmund | Es war ein aufregender Sonntag für den 1. FC Köln. Am Mittag wurde bekannt, dass Anthony Modeste vor einem Wechsel vom Köln zu Borussia Dortmund steht. Und nur wenige Stunden später feierten die Geißböcke einen Start nach Maß in die neue Bundesligasaison und besiegten den FC Schalke 04 mit 3:1.

Aber der reihe nach: Lediglich der Medizincheck in Dortmund, der am Montag stattfinden soll, könnte den Modeste-Deal noch platzen lassen. Dementsprechend bestätigte Kölns Geschäftsführer Christian Keller: „Der Tag verlief anders, als ich heute Morgen gedacht habe, als ich aufgestanden bin. Wir haben auf Wunsch von Tony Modeste hin heute Mittag mit dem BVB mündlich eine grundsätzliche Einigung über seinen Wechsel zum BVB erzielt. Die Bestätigung des Transfers soll nach dem Medizincheck erfolgen, der für den morgigen Tag geplant ist.“

1. FC Köln verzichtet gegen Schalke auf Modeste

Beim Heimsieg gegen Schalke fehlte der Torjäger somit bereits im Kader, um möglicherweise einer Verletzung vorzubeugen. Der Publikumsliebling war zwar am Morgen vor dem Spiel gegen die Königsblauen beim Anschwitzen dabei. Jedoch verzichteten die Geißböcke auf einen Einsatz des Angreifers, der für Köln in 154 Partien 73 Tore erzielte. Er soll nun Sebastien Haller ersetzen, der wegen einer Tumorerkrankung noch länger ausfällt.

Anthony Modeste wird den 1. FC Köln in Richtung Dortmund verlassen. Foto: Bopp

„Wir haben gemeinsam entschieden, dass Tony heute nicht im Kader stehen wird, obwohl es von Tony das klare Signal gab, spielen zu wollen. Der Fokus soll auf dem heutigen Spiel gegen Schalke und nicht auf einer Personalie liegen“, erklärte Keller.

Trainer Steffen Baumgart sagte zu der Personalie Modeste bei DAZN: „Es ist nicht fix, aber es gibt eine mögliche Einigung. Daraufhin ist er aus meiner Sicht, und so habe ich das auch entschieden, nicht mehr dabei. Ein Spieler, der einen anderen Weg gehen möchte – da finde ich es schwierig zu sagen: ‚Mach noch ein Spiel.‘ Dass Tony und fehlen wird, darüber müssen wir nicht reden. Wir werden aber nicht lange in Trauer sein.“

Trotzdem war der Coach enttäuscht: „Jeder kann sich vorstellen, dass das für uns vom Zeitpunkt her grenzwertig und bedenklich ist. Und es ist auch traurig, dass es heute rauskommt.“

FC steigert sich nach der Pause

Aber seine Mannschaft ließ sich nicht verunsichern, sondern holte sich nach einer Leistungssteigerung nach der Pause den ersten Saisondreier. Luca Kilian, Florian Kainz und Dejan Ljubicic trafen für die Gastgeber. Für die Königsblauen war Marius Bülter erfolgreich.

Es reichte nicht für die Schalker, da der Ex-Kölner Dominik Drexler nach einem Foul an Jonas Hector in der 35. Minute mit Rot vom Feld musste. Zuvor hatte der FC Glück, dass ein Treffer von Rodrigo Zalazar nicht anerkannt wurde. „Ich verspüre pure Freude. Denn als Dortmunder sind Siege gegen Schalke umso schöner“, sagte Kilian nach dem Erfolg. „Wir können sehr zufrieden sein.“

Kölns Jonas Hector im Zweikampf mit Dominik Drexler. Foto: Bopp

Der Vertrag von Modeste läuft in Köln noch bis zum Sommer 2023, der finanziell klamme FC hat also jetzt nur noch die Möglichkeit eine Ablöse zu generieren, nachdem im letzten Winter ein Angebot aus Saudi Arabien nicht interessant genug war.

1. FC Köln bekommt rund vier Millionen Euro Ablöse

Rund vier Millionen Euro werden die Dortmunder für den Torjäger wohl nach Köln überweisen, der FC hofft auf eine Million Euro mehr. Modeste soll sich laut Informationen von Sport1 bereits mit Dortmund einig sein und im Ruhrgebiet sechs Millionen Euro Gehalt kassieren, in Köln sind es aktuell 3,5 Millionen.

Schon seit ein paar Wochen geistert das Gerücht durch Deutschland. Man habe mündlich eine „grundsätzliche Einigung“ über einen Wechsel erzielt, sagte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl am Sonntag zum Thema Modeste. „Allerdings steht die medizinische Untersuchung aktuell noch genauso aus wie die Klärung der Vertragsdetails.“

Nach Mittelfeldspieler Salih Özcan wäre Modeste bereits der zweite FC-Profi, der in dieser Transferperiode von Köln zu der Borussia wechseln würde.

Anthony Modeste kann Champions League spielen

Zudem kann der 34-Jährige mit den Schwarz-Gelben in der Champions League spielen und in dieser Saison um die Deutsche Meisterschaft kämpfen. Beim FC, den Modeste mit 20 Toren in die Conference League ballerte, war der Routinier zuletzt nicht zufrieden. Modeste hätte gerne einen neuen mehrjährigen Vertrag unterschrieben, der FC kann eine Verlängerung ohne Gehaltseinbußen nicht in Kauf nehmen.

Vor dem Spiel lud der Kölner Dom die Fußballanhänger zu einer Andacht ein. Tausende waren gekommen, um die Andacht mitzuerleben. Nach zwei Corona-Jahren mit strengen Hygieneauflagen war der Dom heute voll.

Schon eine Stunde vor Beginn der ökumenischen Andacht warteten hunderte Fans vor dem Eingang der Domplatte auf den Einlass. „Es warten noch so viele Fans draußen“, sagt der Kölner Stadtdechant Monsignore Robert Kleine, als es eigentlich losgehen soll und weiter: „Deshalb verzögert sich der Anpfiff der Andacht“. Gelächter im Dom für den Fußballvergleich.

Im Kölner Dom herrschte bei der Andacht vor dem ersten Saisonspiel eine besondere Stimmung. Foto: Bopp

Der katholische Stadtdechant Monsignore Robert Kleine und der evangelische Stadtsuperintendent Bernhard Seiger feiern die Andacht gemeinsam, sogar ein paar Schalker Anhänger hatten sich unter die Besucher im Dom gemischt.

Zum Abschluss wurde natürlich die FC-Hymne „Mer stonn zo dir FC Kölle“ lauthals mitgesungen. Da bebte sogar der Kölner Dom. Wenn der FC so energisch auftritt wie die Fans sangen, wird es eine erfolgreiche Saison.