Hochstimmung in Köln und Region
„Der IHK Bezirk Köln befindet sich in Hochstimmung. Der kräftige Aufschwung aus dm vergangenen Jahr hat sich fortgesetzt“, fasste Ferger heute zusammen. Laut der neusten Konjunktur-Umfrage der IHK, an der sich rund 550 Unternehmen aus der Region beteiligten, beurteilt fast jedes zweite Unternehmen (46,1 Prozent) seine derzeitige Geschäftslage als gut. Für weitere 48,3 Prozent ist sie gleich geblieben, nur jeder zwanzigste Betrieb (5,6 Prozent) beklagt schlechtere Geschäfte als zuvor. Insgesamt blieb die Stimmung damit so gut wie zu Beginn des Jahres. Und das nicht ohne Grund. Denn etwa seit März, so Ferger, hätten die Unternehmen wieder das Umsatz-Niveau von 2008 – also von vor der Krise – erreicht.

Auch in der Stadt Köln zeigten sich die Unternehmen zufrieden. Hier nahmen rund 300 Unternehmen an der Umfrage der IHK teil. Davon bewerteten 45,1 Prozent ihre Geschäftslage als gut und weitere 48,4 Prozent als befriedigend. Unzufrieden zeigten sich lediglich 6,5 Prozent. Zuversichtlich blicken die meisten Kölner Unternehmen auch in die Zukunft. 26,1 Prozent erwarten sogar eine bessere Geschäftslage, 66,7 Prozent gehen davon aus, dass sie gleich bleibt und 7,2 Prozent befürchten eine Verschlechterung. „Es könnte nicht besser sein“, freute sich Ferger heute. Allerdings bezieht sich die positive Stimmung allein auf die Umsatzzahlen der Unternehmen. Die Gewinne fielen derzeit vor allem wegen steigender Rohstoff- und Energiepreise nicht ganz so hoch aus. Denn den Unternehmen gelänge es nicht, die steigenden Preise an ihre Kunden weiterzugeben. „Manches Unternehmen kann darum keine weiteren Aufträge annehmen“, erklärte Ferger. Aufgrund der schwierigen Lagen in den arabischen Ländern entstünden zudem erste Lieferengpässe bei einzelnen Rohstoffen wie etwa den Seltenen Erden oder Spezialmetallen. Auch deswegen müsste mancher Auftrag abgelehnt werden.

Wachstums wird langsamer
Für die kommenden Monate erwartet die IHK nun eine Verlangsamung des Wachstums. Von einer Trendwende könne dennoch nicht die Rede sein, betonte Ferger. Vielmehr pendle sich die Wachstumsgeschwindigkeit allmählich wieder ein. Nach dem tiefen Fall in die Rezession sei das Wachstum in den vergangenen sechs Monaten eben enorm hoch gewesen. Nun hätten viele Unternehmen das Vorkrisen-Niveau erreicht. Zudem liefen allmählich die Konjunkturpakete aus, die die Konjunktur zusätzlich stimuliert hätten. Auch wenn die Unternehmer dies bemerkten, hätten sie jedoch weiterhin Vertrauen in die Konjunktur. Besonders bemerkenswert sei dabei, dass auch das Vertrauen in die Binnennachfrage weiter gestiegen sei. Erstmals sähen die Unternehmen in der Inlandsfrage nicht mehr das wichtigste Konjunktur-Risiko. Auch die schwierigen Lagen etwa in Japan oder Nordafrika könnten den Optimismus der Unternehmer derzeit nicht trüben. Diese Risiken würden zwar erkannt, jedoch befürchteten die Unternehmen nicht, dass sie sich auf ihre eigene Geschäftslage auswirken könnten.

Dennoch sind die Investitionspläne der Unternehmen etwas zurückhaltender als noch zu Beginn des Jahres. Schuld daran wäre vor allem eine große Unsicherheit bei den Unternehmern darüber, wie sich die Finanzierungsbedingungen künftig änderten. Diese seien derzeit zwar noch sehr günstig, jedoch habe sich die Lage im Vergleich zu den Vormonaten nicht weiter entspannt. Immer weniger Unternehmen hätten daher von besseren Finanzierungskonditionen profitieren können.

„Von einer befürchtete Lawine aus Osteuropa kann keine Rede sein“
Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen habe das zunächst kaum. Hier wollten viele Unternehmen dagegen ihren Mitarbeiterstamm weiter ausbauen. Insgesamt gaben 29 Prozent der Unternehmen im Bezirk und 30,5 Prozent in der Stadt Köln an, weitere Mitarbeiter einstellen zu wollen. Dagegen wollen im Bezirk 12,5 Prozent und in Köln 14,5 Prozent ihre Beschäftigtenzahl reduzieren. „Damit stehen die Chancen gut, dass sich die erfreuliche Erholung am Arbeitsmarkt fortsetzt“, sagte Ferger. Im Einklang mit den Plänen sei im April auch die Zahl der offenen Stellen gewachsen. Insgesamt hätten der Agentur für Arbeit im vergangenen Monat 12.000 Stellenangebote vorgelegen.

Immer öfter befürchten die Unternehmen jedoch, für diese Stellen keine geeigneten Fachkräfte mehr zu finden – auch wenn der Mangel derzeit nur in Einzelfällen bereits zu spüren sei. Dagegen könne auch die seit dem 1. mai geltende Arbeitnehmer-Freizügigkeit nichts ändern. „Von einer befürchtete Lawine aus Osteuropa kann keine Rede sein“, betonte Ferger. Vielmehr wäre ein großer Teil der Bevölkerung bereits in den vergangenen Jahren in andere Länder ausgewandert. Zudem entwickelten sich die heimischen Konjunkturlagen so gut, dass weniger Menschen ihr Glück im Ausland suchten. Um den Fachkräftemangel auszugleichen, würden Einwanderer dennoch gebraucht, betonte Ferge. Hier müsse Deutschland sich als freundliches Land beweisen.

Cornelia Schlößer für report-k.de/ Kölns Internetzeitung

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