Professor Stephan Braunfels will den Neumarkt umgestalten und verschönern. Foto: Neusser

Köln | Seit vielen Jahren schon wollen Anwohner und Geschäftsleute den Neumarkt im Herzen der Stadt verschönern. Jetzt hat die Bürgerinitiative IG Neumarkt einen neuen Versuch gestartet, um mit der Politik ins Gespräch zu kommen, um den „Schandfleck“ wieder aufzuhübschen. Der Städteplaner und anerkannte Architekt Professor Stephan Braunfels hat nun ein Konzept erarbeitet, um die Politik von der Umgestaltung zu überzeugen.

„Der Neumarkt ist der größte Platz in Köln und sollte deshalb auch zum schönsten Platz der Stadt werden“, sagte Braunfels bei der Vorstellung seines Konzeptes. „Es war immer ein bedeutender Platz. Selbst Napoleon lebte damals hier. Zudem waren immer viele Grünflächen vorhanden. Deshalb möchten wir den inneren Bereich des Platzes begrünen und eine Brunnensymphonie entstehen lassen wie beispielsweise in Lyon oder Bordeaux“, führt Braunfels weiter aus.

Neumarkt: Familien sollen vermehrt kommen und verweilen

Der Plan: Familien mit Kindern sollen wir vermehrt zum Neumarkt kommen und dort verweilen. Dafür soll auch der Gastronomiebereich ausgebaut werden, Bänke installiert werden und WC-Anlagen entstehen. Braunfels: „Die riesige Fläche in der Mitte ist aktuell eine tote Fläche.

Neben möglicher Wasserspiele soll es auch die Möglichkeit geben, das Wasser abzuschalten, um andere Highlights zu präsentieren. Wie den Zirkus Roncalli, den Weihnachtsmarkt oder womöglich eine große Eisfläche im Winter.

Die Neugestaltung des Neumarktes auf der Ostseite: Links sieht man den Ist-Zustand, rechts ist eine Möglichkeit aus dem Konzept zu sehen: Neusser

Jedoch gibt es auch große Probleme rund um den Neumarkt: Das Verkehrsaufkommen ist enorm und die Diskussion über den Bau einer U-Bahn sind weiter heftig, zudem gibt es viele Obdachlose und Drogenabhängige rund um den Platz. Braunfels: „Ich bin nicht gegen den Bau der U-Bahn, aber dieses riesige Projekt würden Milliarden verschlingen und dem Neumarkt 20 jahre lang eine riesiige Baustelle bescheren.“

Um den Verkehr zu entzerren gibt es mehrere Gedankenanstöße für die Politik. Es könnte eine zwei- oder vierspurige Straße geben, Braunfels will aber definitiv die Straßenbahn- und Bushaltestellen nicht antasten. Zudem soll es weitere Fahrradwege geben und die Taxistellplätze verkleinert werden. Aktuell sind elf Stellplätze genehmigt, es tummeln sich aber oftmals 20 bis 30 Taxen auf dem Neumarkt.

„Mein Plan ist, den Verkehr auf die Südseite zu legen, die Nordseite hat riesiges Potenzial, die man für andere Sachen besser nutzen könnte“, weiß der Architekt. Sollen alle Maßnahmen durchgeführt werden, würde das Projekt rund 30 Millionen Euro verschlingen. Braunfels: „Aber jede Kleinigkeit, die wir anpacken, können schon helfen, den Platz zu verschönern.“

Konzept für Neugestaltung des Neumarktes finden großen Anklang

Bei Henrik Hanstein fand das Konzept großen Anklang: „Uns brennt das Thema schon lange unter den Nägeln. Wir haben lange um das Projekt gekämpft und legen einen konkreten Vorschlag den verantwortlichen der Stadt vor. Wir müssen den Verkehr in der ganzen Stadt Stück für Stück entzerren. Ich hoffe, es werden nun ernsthafte Gespräche über die Verschönerung des Neumarktes in der Politik geführt.“

Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Vertreter der Parteien der SPD; CDU und Grünen verfolgten den Ausführungen Braunfels intensiv. „Ich bin keine Verkehrsexpertin, aber wir sind uns alle einig, dass wir den Verkehr in den Griff kriegen müssen. Angeregt durch das vorgelegte Konzept werden wir im Rat Gedanken machen und in einer strukturierten Runde darüber diskutieren. Am Ende entscheide nicht ich, sondern die Fraktionen und der Rat“, sagte Reker.

Auch die Vertreter der Parteien wollen nun verstärkt in den Dialog treten, um das riesige Projekt Neumarkt in naher Zukunft in Angriff zu nehmen. So konnte die Bürgerinitiative zumindest einen ersten Teilerfolg erreichen.