Köln | Seit Beginn dieses Schuljahres unterrichten rund 30 Schulen, darunter auch Kölner Schulen, islamischen Religionsunterricht. Obwohl das Fach „Islamkunde“ schon länger fester Bestandteil an den Schulen ist, begrüßt die Kirche, dass mit der Einführung des islamischen Religionsunterricht auch bekenntnisorientiert unterrichtet werden kann. Bisher können von den 320.000 muslimischen Kinder jedoch nur rund ein Prozent das Angebot nutzen. Auch curriculare Strukturen für den Unterricht sind erst für den Sommer 2013 geplant. Der Andrang an die Universitäten, an den Islamunterricht gelehrt wird zeigt, dass das Angebot für die Zukunft nicht ausreichen wird. Islamwissenschaftlerin Hanin Ezder und Bruder Jürgen Neitzert äußerten sich heute in Köln zum Islamunterricht in NRW.

Spezielle Fortbildung für Islamlehrer

Ein rechtliches Hindernis gab es. Denn anders als bei den christlichen Kirchen gibt es in Deutschland noch keine islamischen Religionsgemeinschaften im Sinne des Staatskirchenrechts. Für Nordrhein-Westfalen wurde deswegen ein Beirat gegründet, der bis 2019 als Übergangslösung fungiert. Das achtköpfige Gremium, besetzt mit Experten für islamische Theologie, erteilt Lehrern die Erlaubnis zum Unterrichten und wählt die Lehrpläne sowie Lehrbücher aus. Unterrichtet werden aktuell rund 2.500 Schulen an 30 Schulen. Da noch keine ausgebildeten islamische Relisgionslehrer zur Verfügung stehen, wird vorerst hauptsächlich auf das Potenzial der Islamkundelehrer zurückgegriffen. „Eine spezielle Fortbildung soll die Lehrer dann auf ihre Arbeit als Islamlehrer vorbereiten“, so Hanin Ezdar.

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„Ich finde den islamischen Religionsunterricht wichtig für die Beheimatung der Kinder. Sie fühlen sich durch so eher angenommen“, so Hanin Ezdar. Der islamische Religionsunterricht findet zudem in deutsch statt, so dass die Kinder in die Lage versetzt werden, sich auf einer Meta-Ebene über ihre Religion auszutauschen. „Häufig fehlt den Kinder der deutsche Wortschatz, um sich mit ihren Mitschülern über Religion auszutauschen“, so Hanin Ezdar. Auch die katholische und evangelische Kirche begrüßt die Entwicklung und sieht den islamischen Religionsunterricht als eine Bereicherung. „In vielen Familien, ob christlich oder muslimisch, fällt die religiöse Erziehung weg. Da übernimmt die Schule eine wichtige Aufgabe, die auch die Gemeinden häufig nicht leisten können“, so Jürgen Neitzert.

„Unserer Überzeugung nach bietet der konfessionelle bekenntnisgebundene Religionsunterricht die besten Voraussetzungen für die Ausbildung einer dialogfähigen religiösen Identität in unserer pluralen Gesellschaft“, so der Oberkirchenrat. Der Einführung des Islamischen Religionsunterrichtes stärke das in Deutschland bewährte Modell der Kooperation des Staates mit den Religionsgemeinschaften und biete zudem neue Möglichkeiten für den christlichislamischen
Dialog.

Andrang auf Ausbildung zum Islamlehrer

Das neue Schulfach islamischer Religionsunterricht hat einen großen Andrang auf den Studiengang „Islamische Religionslehre“ an der Universität Münster ausgelöst. Zum Wintersemester 2012/13 haben sich 418 Schulabgänger beworben. „Die Bewerber haben jetzt eine klare Berufsperspektive“, begründete der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie, Mouhanad Khorchide, das große Interesse. Derzeit sind laut Universität 65 Studenten in dem Fach eingeschrieben. Im nächsten Semester stehen voraussichtlich 120 Studienplätze zur Verfügung. NRW bietet im kommenden Schuljahr als erstes Bundesland das Schulfach Islamunterricht an.

Autor: hh; dapd | Foto: Joechen Luebke/dapd

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