Steht für Kultur aus Italien: Michelangelos David in Florenz

Von Christoph Mohr

Köln | Das Italienische Kulturinstitut Köln hat eine neue Leitung. Jolanda Lamberti folgt auf Maria Mazza, die seit Ende 2017 Direttrice der italienischen Kulturbotschaft in Colonia war. Italiens Kulturvertretung an der Universitätsstraße in Lindenthal unweit der Universität könnte ein paar neue Impulse gut gebrauchen.

Gebürtig in Nocera Inferiore (Kalabrien), ist Jolanda Lamberti gleichsam in Sichtweite des Vesuvs und nur ein paar Kilometer von Pompei und der Millionenmetropole Neapel entfernt aufgewachsen. Sie hat Politische Wissenschaften studiert und dann mit ihrem Hochschulabschluss in der Tasche im italienischen Außenministerium in Rom angefangen, zuerst nur als Verwaltungsmitarbeiterin, dann ab 2013 als Beamtin in der Kulturabteilung. 2017 bekam Jolanda Lamberti die erste Auslandsverantwortung: sie wurde Direktorin des Italienischen Kulturinstituts in Madrid. Und nun also Köln. Die Liebe zur Kultur scheint eher spät gekommen zu sein; Jolanda Lamberti gilt auch als wenig vernetzt im italienischen Kulturleben.

Das Italienische Kulturinstitut Köln wurde bereits 1954 eröffnet, nachdem es zuvor seit 1931 ein auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Konrad Adenauer genanntes Petrarca-Haus gegeben hatte. Köln ist auch zuständig auch für die offizielle italienische Kulturarbeit in ganz Nordrhein-Westfalen. Italien unterhält in Deutschland noch ähnliche Kulturvertretungen in Berlin, Stuttgart, München, Hamburg und eine Präsenz in der VW-Stadt Wolfsburg.

Sie unterstehen alle dem italienischen Außenministerium, was eine durchaus problematische Konstellation sein kann: Als sich in den Berlusconi-Jahren der Philosophie-Professor (und ehemalige Kulturdezernent von Kölns Partnerstadt Turin) Ugo Perone in Rom unbeliebt machte, musste nach nur zwei Jahren seinen Posten als Direktor des Italienischen Kulturinstituts in Berlin räumen. So etwas wird die Bereitschaft der Kulturinstitute und ihrer Direktorinnen und Direktoren, Themen, mit denen man anecken kann, aufzugreifen, eher mindern.

Möglicherweise nicht gut getan hat dem Italienischen Kulturinstitut Köln die 2014 erfolgte Ausdehnung seines Aktionsbereiches auch nach Frankfurt. Ohne eine permanente Präsenz mit der entsprechenden Kontaktpflege zu den zahlreichen Akteuren in der Stadt, die durchaus stolz auf ihr umfangreiches und sehr vielfältiges Kulturangebot sein kann, ist eine sinnvolle Kulturarbeit wohl gar nicht möglich. Die bedauerliche Folge ist, dass Italien in Frankfurt kulturell unterrepräsentiert ist.

Noch dazu kommt, dass Frankfurt die Stadt der (Frankfurter) Buchmesse ist. Allein die Präsenz auf der Buchmesse zu organisieren, ist ein Vollzeitjob. Zudem ist Italien Buchmesse-Gastland 2024; das erfolgreich zu organisieren, braucht ein ganzes Team.

Konventionelles Programm

In den letzten Jahren hat das Italienische Kulturinstitut Köln bei Veranstaltungen und Ausstellungen ein eher konventionell-langweiliges Programm geboten. Die interessanten Dinge passierten in Berlin. In den deutsch-italienischen Kulturbeziehungen hat es keine Rolle gespielt. Vonnöten wären neue Ideen, neue Initiativen, vielleicht sogar ein neues Grundverständnis.

Was die neue Leiterin vorhat, ist an dem Programm für das 1. Halbjahr 2022 noch nicht ersichtlich. Die Website des Instituts weist für das gesamte erste Halbjahr nicht einmal zehn Veranstaltungen aus. Corona macht die Dinge sicherlich nicht einfacher.

Durchaus bemerkenswert ist auch, dass die „Freunde des Italienischen Kulturinstituts Köln“, ein eingetragener Verein, ein eigenes Veranstaltungsprogramm organisiert. So gehen fast die Hälfte der geplanten Veranstaltungen auf das Konto der Freunde.

Neu erscheint eine Veranstaltungsreihe Literatur, ein Gesprächsformat, das italienische Autorinnen und Autoren mit einem deutschen Gegenstück (Übersetzer, Mittler) zusammenbringt. Das wird auch die Verlage freuen, die sich seit Jahren und Jahrzehnten darum bemühen, zeitgenössische italienische Autoren auch jenseits der Umberto Eco-Bestseller in Deutschland bekannt zu machen, allen voran Wagenbach, Piper, diogenes und Hanser.

Auf der Website ist auch dieser Hinweis zu finden: „In Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang in Essen präsentiert das Italienische Kulturinstitut Köln die Ausstellung „Federico Fellini“ – Von der Zeichnung zum Film“. Das dürfte eine Darstellung sein, über die man in Essen bestenfalls schmunzeln kann. Die sehr schöne Ausstellung wurde von Tobias Burg, dem Kurator der Grafischen Sammlung des Museum Folkwang, organisiert.

Zu sehen sind hier (Gelegenheits-)Zeichnungen des großen italienischen Filmemachers Federico Fellini (1920 – 1993), der mit Filmen wie „La Strada“, „La Dolce Vita“, „Satyricon“ oder „Stadt der Frauen“ Filmgeschichte geschrieben hat.

Fellini hat – mit beachtlichem Talent – bei jeder Gelegenheit Skizzen angefertigt, um Figuren und Szenen für seine Filme zu entwickeln.

Es ist dem verstorbenen diogenes-Verleger Daniel Keel, der mit Fellini Bücher gemacht hat und auch persönlich befreundet war, zu verdanken, dass diese Arbeitsskizzen nicht verloren gegangen sind. So konnte Kurator Tobias Berg aus der Sammlung der Erben Jakob und Philipp Keel 220 Zeichnungen auswählen, die einen Einblick in Fellinis Schaffensprozess und die Entstehung seiner ganz besonderen Bildwelten ermöglichen, aber auch ganz einfach bemerkenswerte kleine Kunstwerke sind.

Was würde man vom Italienischen Kulturinstitut Köln erwarten?

Typischerweise nehmen Kulturinstitute die Jahrestage von Schriftstellern und Künstlern, an denen die Aufmerksamkeit naturgemäß größer ist, zum Anlass für eigene Veranstaltungen. Im letzten Jahr war das etwa der 700. Todestag des italienischen Nationaldichters Dante Alighieri.

In diesen Tagen jährt sich der 100. Todestag des großen sizilianischen Schriftstellers Giovanni Verga.

In Deutschland nahezu unbekannt, gilt er doch als ein Klassiker der italienischen Literatur und Hauptvertreter des Verismus, jener dem Realismus und Naturalismus verwandten italienischen Literaturströmung, die auch das Opernschaffen Puccinis prägte. Und: Giovanni Verga ist Sizilianer; sein Werk ermöglicht einen Zugang zum Verständnis der Insel.

Das Mafia-Image von Sizilien verdeckt ja, dass dies zum einen eine uralte europäische Kulturlandschaft ist, deren Ursprünge deutlich älter sind als etwa die von Köln, zum anderen dass erstaunlich viele wichtige italienische Schriftsteller Sizilianer sind, darunter gleich zwei Literaturnobelpreisträger, Salvatore Quasimodo (1901 – 1968) und Luigi Pirandello (1867 – 1936), sowie Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 – 1957), Natalia Ginzburg (1916-1991) oder Leonardo Sciascia (1921 – 1989).

Soeben ist Vergas Hauptwerk „Die Malavoglia“ in einer Neuübersetzung erschienen. Wie Giuseppe Tomasi di Lampedusa in seinem noch immer weltberühmten Roman „Der Leopard“ erzählt auch Verga in seinem Roman vom Niedergang einer angesehenen Familie und zeichnet ein Bild des alten Siziliens.

Für die deutsch-italienischen Kulturbeziehungen noch wichtiger ist Pier Paolo Pasolini. Am 5. März jährt sich dessen Geburtstag zum 100. Mal. Pasolini, zu Lebzeiten einer der führenden Intellektuellen Italiens und sowohl Buchautor als auch Filmemacher, wurde auch in Deutschland stark beachtet.

Es war eine Zeit, in der das intellektuelle Deutschland nach Italien schaute, auf die Literatur, auf das Theater (mit Giorgio Strehler in Mailand), auf die Filmemacher. Auch im Museum Ludwig zeugt ein Exponat davon: An prominenter Stelle zeigt das Kölner Museum ein Gemälde (Caffè Greco; 1976) von Renato Guttuso, das die seinerzeit sehr stark beachtete Bilderreihe „Café Deutschland“ (1977-1982) von Jörg Immendorff inspiriert hat.

Die neue Direktorin des Italienischen Kulturinstituts Köln hat im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn auch zwei Jahre an der italienischen Botschaft in Berlin verbracht. Dort wird Jolanda Lamberti gesehen haben, wie es um die deutsch-italienischen Beziehungen steht. Eben nicht so gut. Kultur ist immer auch die Möglichkeit, den Anderen besser zu verstehen; das ist eine der Aufgaben von Kulturaustausch. Und das, so würde man hoffen, sollte auch die Leitlinie in Köln sein. Vielleicht holt Jolanda Lamberti sich auch ganz einfach ein paar Anregungen in Berlin. Hier nämlich macht Maria Carolina Foi als Direktorin des Italienischen Kulturinstituts Berlin ein durchaus ambitioniertes Programm.


Veranstaltungshinweise

„Federico Fellini“ – Von der Zeichnung zum Film“
Museum Folkwang Essen
Bis 20. Februar 2022

Literatur – Begegnung zwischen Claudia Petrucci und Mirjam Bitter
Italienisches Kulturinstitut Köln
Digitalveranstaltung 17.02.2022 19 Uhr

Claudia Petrucci
Die Übung
Wagenbach Verlag, 2022


Gerade erschienen

Giovanni Verga: Die Malavoglia
Neuübersetzung von Anna Leube

Mit einem Nachwort von Roberto Saviano
Wagenbach Verlag, 2022
320 Seiten 25 Euro

Pier Paolo Pasolini
Nach meinem Tod zu veröffentlichen

Späte Gedichte
Suhrkamp Verlag, 2021
640 Seiten 42 Euro